Lead
Die Etablierung des Tonfilms begann international schrittweise ab 1927 und setzte in Westeuropa 1929/30 auf breiter Front ein. Um 1934 ist der Prozess im wesentlichen abgeschlossen. Die Schweiz ist hinsichtlich dieses Umbruchs aufgrund der verschiedenen Landessprachen ein besonders interessanter Fall, da die Multilingualität zusätzliche Herausforderungen an die für den Tonfilm relevante Sprachlichkeit stellt.

Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts

Mit Medienumbrüchen geht meist die Restrukturierung der Öffentlichkeit einher. Für dieses Projekt gilt es, die Entwicklung der schweizerischen Kino-Öffentlichkeit im Zeichen des neuen Tonfilms historiographisch zu untersuchen. Das bedeutet, die Neugestaltung von Vertriebs- und Kinonetzen, von Kommunikationswegen und Aufführungspraktiken zu ermitteln.

Das Projekt beschäftigt sich auch besonders mit den Inhalten der damaligen Diskurse, die Debatten und Kontroversen über den Tonfilm – über die neue Filmästhetik und das Sprachenproblem. Wie reagierte das Publikum  und wie die Intellektuellen? Welche Topoi bestimmten den Diskurs.

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext des Forschungsprojekts

Die Forschungslinie zur Kinoöffentlichkeit hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten international etabliert. Das Projekt ist zudem nicht nur von historiografischem Interesse für das kulturelle Gedächtnis der Schweiz, es besitzt auch insofern Aktualität, als es eine Studie zu einem Medienwechsel darstellt, der viele Bezüge zu anderen Medienumbrüchen – beispielsweise dem Medienwechsel hin zum digitalen Zeitalter – aufweist. In Hinsicht auf solche Zusammenhänge möchte das Dissertationsprojekt zu einem historischen Bewusstsein beitragen,  welches auch das  Verständnis heutiger Prozesse schärft.