Lead
Gerichtsurteile sind für Aussenstehende oft unvorhersehbar. Auch für Juristen wäre in vielen Fällen eine andere Entscheidung eines Gerichts denkbar. Für mehr Einsicht in das Ergebnis von Gerichtsurteilen bedarf es einer Analyse der Prozesse und Entscheidungen, die auf dem Weg zu einem Urteil getroffen werden.

Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts

Gegenstand des Forschungsprojekts sind in erster Linie Urteile und Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR). Oft sind es Menschenrechtsfälle, gerade solche, die eine grössere Medienaufmerksamkeit auf sich ziehen (z.B. im kürzlich entschiedenen Fall S.A.S. gegen Frankreich, 1.7.2014, Nr. 43835/11), die besonders umstritten sind, in denen also ein anderes Ergebnis juristisch denkbar wäre. Der Grund für die relative Ergebnisoffenheit in Menschenrechtsfällen liegt vor allem in der weiten Fassung einiger Konventionsrechtsnormen. Umso wichtiger wird in dieser Situation das Verfahren vor Gericht, insbesondere die Vielzahl an Entscheidungen der Richter im Laufe eines Verfahrens, sowie die Methoden, mit denen die Konventionsrechte interpretiert werden. Im Projekt werden die richterliche Methodenwahl und das Verfahren sowohl juristischen als auch mit quantitativen Methoden analysiert. Die Ziele des Projekts sind die Verbesserung der Einsicht in Entstehungsprozesse von Menschenrechtsurteilen, die Entwicklung eines multifunktionalen Datensatzes zu EGMR-Entscheidungen sowie die Herstellung grösserer Vergleichbarkeit der Entscheidungspraxis des EGMR mit der anderer Menschenrechtsgerichte.

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Das interdisziplinäre Projekt vereinigt juristische Methodik mit quantitativer Datenanalyse. In methodischer Hinsicht leistet es einen Beitrag zur besseren Vernetzung der Rechtswissenschaft mit dem innovativen Bereich der Data Science. Es ist von gesellschaftspolitischer Relevanz, weil es zu neuen Erkenntnissen über das Herstellen von Menschenrechtsurteilen und die Funktionsweise des EGMR führt.