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Mit dem Abwasser gelangen antibiotikaresistente Bakterien in die Schweizer Fliessgewässer. Das Projekt untersucht, wie sich diese Resistenzen in den Gewässern verhalten und wo die Bevölkerung mit ihnen in Kontakt kommen könnte.

Lay summary

Konventionelle Abwasserreinigungsanlagen entfernen nicht alle resistenten Bakterien aus dem Abwasser. Wir untersuchen, welche Bakterien mit welchen Resistenzen auf diesem Wege in unsere Fliessgewässer gelangen und wo sie sich in dieser vielfältigen Umgebung aus Wasser, Sediment und Wasserlebewesen wiederfinden. Wir klären, wie beständig die Resistenzen in den Fliessgewässern sind, denn dies beeinflusst wo und wie die Bevölkerung mit diesen Resistenzen in Kontakt kommen kann. Damit schaffen wir eine wichtige Voraussetzung, um das Risiko für eine Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen über die Gewässer abzuschätzen.

Antibiotikaresistenzen nehmen weltweit zu und gehören zu den drängendsten Problemen im Gesundheitswesen. Bei der Entwicklung und Ausbreitung von Resistenzen spielt auch die Umwelt und insbesondere das Wasser eine Rolle. Wir wissen, dass selbst mit gereinigtem Abwasser noch viele resistente Bakterien in unsere Gewässer gelangen. Um mögliche Risiken abschätzen zu können, müssen wir verstehen, in welchen Organismen sich die Antibiotikaresistenzen in der Umwelt verbreiten und wie stabil sie dort sind.

Ziel des Projektes ist es, das Potenzial einer Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen aus Abwasser über die Fliessgewässer der Schweiz abzuschätzen. Mit modernen molekularbiologischen Methoden klären wir, welche Resistenzgene in welchen Organismen vorkommen. Wir untersuchen, ob die mit dem Abwasser eingebrachten Resistenzen auch ins Sediment oder in Wassertiere gelangen und wie weit sie transportiert werden. Aufgrund dieser Ergebnisse entwickeln wir Modelle, um die Belastung von Fliessgewässern mit Resistenzen entlang der Fliessstrecke vorherzusagen.

Die Resultate erlauben erstmals eine fundierte Abschätzung des Risikos einer Ausbreitung von Resistenzen über die Gewässer in der Schweiz. Damit schaffen wir wichtige Entscheidungs- und Handlungsgrundlagen für Gesetzgeber und Exekutive bei der Bekämpfung der Antibiotikaresistenz im Sinne des One Health Ansatzes.