Lead
Die wirtschaftlichen Ungleichheiten sind über die letzten 40 Jahre in vielen Industrieländern markant angestiegen. Da Vermögen in der Regel noch stärker ungleich verteilt sind als Einkommen wird heute die Besteuerung von Vermögen diskutiert. Bisher weiss man jedoch kaum, ob Haushalte mit einer Veränderung ihres Verhaltens auf die Einführung von Vermögenssteuern reagieren würden. Mit diesem Projekt versuchen wir solche dynamischen Verhaltenseffekte mittels detaillierter Steuerdaten aus die Schweiz zu quantifizieren.

Lay summary

Die Schweiz ist das OECD-Land mit der anteilsmässig bedeutendsten Vermögenssteuer. Unser föderaler Staatsaufbau führt zu einer grossen Vielfalt von Steuersystemen auf kleinem Raum. Die Steuerbelastung von Vermögen unterscheidet sich deshalb stark in den 26 Kantone und gegen 2’5000 Gemeinden. Aus diesen Gründen bildet die Schweiz ein weltweit einzigartiges „Labor“ für die Untersuchung der Wirkung von Vermögenssteuern.

In diesem Projekt untersuchen wir die Wirkung von Vermögenssteuern in zwei komplementären Datensätzen mit ökonometrischen Methoden. Erstens verwenden wir öffentlich zugängliche Daten zur Summe der steuerbaren Privatvermögen in den Kanton für die Jahre 2003 bis 2012. Dies erlaubt die Schätzung der Wirkung von kantonalen Steuersätzen mit Methoden der Paneldatenanalyse. Zweitens verwenden wir vertrauliche Steuer-Einzeldaten des Kantons Bern für den Zeitraum 2001-2011. Dieser Datensatz umfasst 6,8 Millionen Beobachtungen auf Stufe Steuerzahler und Jahr, die eine gezielte Analyse von unterschiedlichen Reaktionsformen erlaubt wie beispielsweise Umzüge in steuergünstigere Gemeinden und Kantone. Die Kombination beider Datenquellen ermöglicht die Einbeziehung weiterer Einflussfaktoren der Vermögensbildung wie Einkommenssteuern, Erbschaftssteuern oder Immobiliensteuern. Mittels detaillierter Informationen über die kantonalen Steuergesetze können wir die Wirkungen von Veränderungen bei Grenz- und Durschschnittssteuersätzen gesondert analysieren.