Lead
Der amerikanisch-mexikanische Komponist Conlon Nancarrow (1912–1997) gilt als eine der herausragenden Persönlichkeiten in der Musik des 20. Jahrhunderts. Sein Ruf geht nicht zuletzt auf seine Arbeiten für das Player Piano zurück, ein pneumatisches Selbstspielklavier, für das er zwischen 1948 und 1984 über fünfzig Studies schrieb. Nancarrow widmete sich in diesem Zeitraum ganz dem Player Piano, weil es ihm hinsichtlich der Zeitgestaltung unbegrenzte Möglichkeiten bot: So kombinierte er unterschiedliche Tempi, Metren und Tempoveränderungen, manchmal bis an die Grenze der Wahrnehmbarkeit. Dabei stanzte Nancarrow die Papierrollen, die in das Player Piano für den Abspielprozess eingespannt werden, selbst.

Lay summary
Ziel des vorliegenden Projekts ist es, eine erste kritische Edition von ausgewählten Studies for Player Piano vorzulegen. Hierfür gilt es die unterschiedlichen Quellen (Skizzen, Notizen, Partituren, gestanzte Papierrollen, Player Pianos, Briefe, Schriften), die sich im Nachlass Nancarrows in der Paul Sacher Stiftung (Basel) befinden, auszuwerten. Zunächst müssen die Teile der notationellen Quellen identifiziert und geordnet werden. Sodann gilt es, die Player Pianos einer akustischen Analyse zu unterziehen. In einer zweiten Phase werden die gewonnenen philologischen und akustischen Informationen ausgewertet und im Hinblick auf ihre editorische Relevanz geprüft. In einer dritten Phase sollen die technischen und editorischen Herausforderungen untersucht werden, die sich aus der zeitlichen Komplexität der Musik einerseits sowie aus den unterschiedlichen Quellentypen andererseits ergeben. In der vierten und abschliessenden Phase wird die Edition durchgeführt. Damit werden erstmals kritische Editionen von Werken Nancarrows erstellt, die zudem in hybrider Form gedruckte und digitale Anteile kombiniert, um den musikalischen und philologischen Anforderungen gerecht zu werden.