Lead
Die Geschichte der Biodiversität oder wann in der Erdgeschichte wie viele Arten gelebt haben steht seit Darwins Zeiten im Fokus paläontologischer Forschung. Während des Ordoviziums (vor ca. 485 bis 440 Millionen Jahren) erlebte die marine Lebewelt einen beispiellosen Anstieg der Biodiversität, der in der Fachwelt als das „Great Ordovician Biodiversification Event“ (GOBE) bekannt ist. Obschon im vorangegangenen Zeitalter des Kambriums alle wichtigen marinen Tierstämme und Ordnungen entstanden sind, ist nach wie vor ungeklärt warum Tiergruppen niederer systematischen Ebenen (Familien, Gattungen und Arten) erst während des Ordoviziums, also einige dutzend Millionen Jahre später, in so grosser Zahl auftauchten.

Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts

Das „GOBE“ markiert das wahrscheinlich umfassendste Diversifizierungsereignis mariner Organismen der Erdgeschichte und gilt damit als „natürliches Experiment“, welches es erlaubt Diversifizierungsprozesse quantitativ zu erfassen und damit Rückschlüsse auf Wirkmechanismen zu treffen. Mit Hilfe quantitativer paläoökologischer Methoden soll versucht werden Diversitäten innerhalb sowie zwischen benachbarten marinen Habitaten zu charakterisieren. Aus diesen Daten lässt sich ableiten, ob Konkurrenzdruck massgeblich an der ökologischen Ausdifferenzierung (Spezialisierung) entlang von Umweltgradienten beteiligt war oder ob der Anstieg biologischer Vielfalt eher zufällig geschieht.  

 

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext des Forschungspro-jekts

Die gegenwärtige und vermutlich zu einem grossen Teil durch den Menschen herbeigeführte Biodiversitätskrise kann nur sinnvoll entgegen gewirkt werden, wenn Artbildungsprozesse und deren Kontrollfaktoren so gut wie möglich verstanden sind. Dieses Projekt soll dazu beitragen zu verstehen, welchen Einfluss biotische Steuerungsfaktoren (beispielsweise Konkurrenzdruck) bei der Generierung von Biodiversität auf evolutionären, sprich langen Zeiträumen gehabt haben. Auf lange Sicht könnten die gewonnenen Erkenntnisse genutzt werden um Strategien für den Arten- und Umweltschutz zu entwickeln.