Lead
Historische Farbfilmverfahren und Farbästhetiken sind bedeutsame und hochaktuelle Themen. Denn für die nun notwendige restaurationsethisch fundierte Digitalisierung der Filme sind vertiefte Kenntnisse der historischen Techniken und Ästhetiken notwendig, damit die Werke in ihrer historischen Anmutung sichtbar bleiben und zirkulieren können. Bis heute fehlt jedoch ein integrativer Ansatz, der die verschiedenen Aspekte der Filmfarben von der Technik bis hin zur kulturellen und institutionellen Entwicklungsgeschichte miteinander verbindet.

Lay summary
Basierend auf den Vorarbeiten und der umfangreichen Materialsammlung im interaktiven Digital-Humanities-Projekt "Timeline of Historical Film Colors" wird das Forschungsprojekt "Filmfarben. Technologien, Kulturen, Institutionen" die bisherige Forschungslücke mit einem Fokus auf die kulturelle und institutionelle Kontextualisierung der Technologien bearbeiten. Filmfarben werden in dieser integrativen Perspektive einerseits mit den materiellen und technischen Bedingungen ihrer Produktion verknüpft, gleichzeitig zeigt dieser Ansatz auf, dass weder die Techniken selbst noch ihre Produkte in einem Vakuum entstanden sind, sondern in ihrer Konfiguration von kulturellen und institutionellen Rahmenbedingungen fundamental beeinflusst wurden. Ziel ist es, diese Interaktion systematisch zu untersuchen, um belastbare Einsichten in diese Austauschprozesse zu gewinnen.

Dank des Wissensvorsprungs und der Vorarbeiten für die "Timelime of Historical Film Colors" werden die Ergebnisse auf internationaler Ebene einen signifikanten Forschungsimpuls erzeugen. Denn nicht nur werden die Erkenntnisse in Publikationen aufgearbeitet, sondern die Quellen selbst werden mit avancierten Tools der Digital Humanities erschlossen und in der "Timeline of Historical Film Colors" zugänglich gemacht, so dass sie anderen Forschern – Filmhistorikern, Technikhistorikern, Kunstwissenschaftlern, Archivaren und Filmrestauratoren – als Ausgangsbasis für weitere Untersuchungen dienen werden. 

Über die akademische Gemeinschaft hinaus werden die Erkenntnisse so auch in die Bearbeitung von konkreten Fragestellungen von Archiven und Filmrestauratoren einfliessen und tragen damit dazu bei, das Filmerbe in seiner historischen Anmutung möglichst werkgetreu zu digitalisieren und damit wieder sichtbar werden zu lassen.