Lead
Spätestens seit 2012 in der Calandaregion der erste Wolfsnachwuchs auf Schweizer Boden nachgewiesen wurde, sind Wölfe im Leben und den Köpfen vieler SchweizerInnen angekommen. Der menschliche Umgang mit den Raubtieren in Form des Labels „Wolfsmanagement“ (WM) ist in den medialen, gesellschaftlichen und politischen Diskussionen präsent. Die „Rückkehr“ dieses Raubtiers bewirkt sehr unterschiedliche Reaktionen und löst eine intensive Debatte über die Rolle von Wildnis in der Gesellschaft aus.

Lay summary

Inhalt und Ziele des Forschungsprojekts

Das in zwei Teilprojekte aufgeteilte Forschungsprojekt möchte die verschiedenen Akteure identifizieren, welche mit der Wiederansiedlung des Raubtiers Wolf konfrontiert sind. Dabei sollen auch Wölfe selber und andere nicht-menschliche AkteurInnen als handlungsmächtige Agenten in Betracht gezogen werden. Das Projekt möchte verstehen, auf welchen Konzepten von Wildnis, Raum und Gesellschaft die unterschiedlichen Umgangsformen mit Wölfen beruhen und welche Veränderungen bezüglich der symbolischen Beladung und normativen Bewertung dieses Tiers in der Schweiz stattfinden. Um das Feld möglichst breit zu gestalten, sollen dabei sowohl individuelle als auch institutionelle Akteure berücksichtigt werden. Im ersten Teilprojekt werden „direkt“ mit Wölfen oder ihrer Präsenz Konfrontierte (z.B. SchafhalterInnen), im zweiten „indirekt“ Involvierte (z.B. UmweltpolitkerInnen) untersucht. Ziel des Gesamtprojekts ist nicht nur,  die unterschiedlichen Positionen innerhalb des WM-Kontexts zu verstehen und miteinander in Beziehung zu setzen, sondern WM als exemplarischen Fall anzusehen, anhand dessen die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit räumlichen Konzepten und Kategorien wie Natur/Wildnis oder Kultur/Gesellschaft  untersucht werden kann.

Wissenschaftlicher und Gesellschaftlicher Kontext

Das Projekt verfolgt einerseits wissenschaftliche Anliegen, indem es versucht, theoretische Herangehensweisen wie z.B. Akteur-Netzwerk-Theorie oder multispecies ethnography ethnographisch umzusetzen und Fragen der nicht-menschlichen Handlungsmacht operationalisierbar zu machen. Ausserdem werden Die Wechselwirkungen zwischen Wissen und WM-Praktiken untersucht. Zum anderen möchte das Projekt die unterschiedlichen Haltungen innerhalb des gesellschaftlichen Kontexts von WM besser verstehen und exemplarische Auskünfte über soziale Kohäsion und konfligierende Orientierungen ermöglichen.