Lead
Das vorliegende Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, einen bislang nur in Form eines korrigierten Nachdrucks einer Humanistenedition des 16. Jahrhunderts zugänglichen Text des Theodoret v. Cyrus der wissenschaftlichen Öffentlichkeit erstmals in einer kritisch-philologischen Maßstäben genügenden Form verfügbar zu machen.

Lay summary

Inhalt und Ziel

Neben seinem Kontrahenten Cyrill von Alexandrien muss Theodoret innerhalb der christologischen Streitigkeiten des fünften Jahrhunderts sicherlich als einer der wichtigsten theologischen Köpfe gelten. Dennoch sind gerade seine späteren Werke, wie das hier untersuchte Haereticarum fabularum compendium, bislang weder kritisch ediert noch wirklich umfassend analysiert worden, und dies obwohl besagtes Kompendium nicht nur einen Überblick über die bis zur Mitte des fünften Jahrhunderts von der Grosskirche verurteilten häretischen Gruppen, sondern im letzten Buch auch eine Zusammenfassung all dessen bietet, was für Theodoret die zentralen Inhalte orthodox-christlichen Glaubens und Lebens darstellt. Besonders interessant ist dabei die zum Abschluss des vierten Buches vorgenommene, überraschend scharfe Distanzierung von seinem langjährigen Weggefährten Nestorius, zu dessen Verdammung er sich auf dem Konzil von Chalkedon selbst nur recht widerwillig hatte durchringen können. Eine intensivere historische Analyse im Zuge der Edition des Textes wird also sicherlich neues Licht auf die spätere Entwicklung Theodorets und der "antiochenischen" Fraktion insgesamt werfen können, welche gerade für das Verständnis der nachchalkedonischen kirchenpolitischen Verwerfungen bis hin zur Herausbildung der orientalischen Nationalkirchen cyrillisch-monophysitischer und nestorianisch-dyophysitischer Prägung von herausragender Bedeutung sein dürfte.

Wissenschaftlicher- und gesellschaftlicher Kontext

Das Projekt zielt auf die philologisch-textkritische sowie historisch-theologische Erschliessung eines Hauptwerks einer Schlüsselfigur der Kirchengeschichte des fünften Jahrhunderts, welche zur ersten bis heute bestehenden Kirchenspaltung führte.