Lead
Die Eurokrise hat sich zur grössten Herausforderung entwickelt, welche die Europäische Union je zu meistern hatte. In der Krise zeigen sich grosse Unterschiede in der Bereitschaft einzelner Länder, durch Reformen im Bereich von Wirtschaftspolitik, Strukturpolitik und innereuropäischen Strukturen sowie Transferzahlungen zu einer nachhaltigen Lösung der Krise beizutragen. Wie können diese Unterschiede erklärt werden?

Lay summary

Das Projekt untersucht, wie die Verwundbarkeiten verschiedener gesellschaftlicher Gruppen bezüglich Austerität und Strukturreformen bzw. einem Auseinanderbrechen der Eurozone auf die Bereitschaft der EWU-Mitgliedstaaten auswirkt, nachhaltig zur Lösung der Eurokrise beizutragen. Aufbauend auf der Erkenntnis, dass es sich bei der Eurokrise im Kern um eine Zahlungsbilanzkrise handelt untersucht das Projekt dazu sowohl die Determinanten der Reformbereitschaft in den Defizitstaaten, als auch die Zahlungsbereitschaft in den Überschussländern. Es argumentiert, dass sich die verteilungspolitischen Konflikte in den Defizit- und Überschussländern der Eurozone unterscheiden, jedoch gleichzeitig fundamental zusammenhängen, so dass sich eine gesamthafte Analyse dieser Zusammenhänge anbietet. Dabei erzeugt eine hohe Verwundbarkeit gegenüber binnenwirtschaftlichen Reformen eine höhere Bereitschaft zu (in Überschussstaaten) bzw. eine höhere Nachfrage nach (in Defizitstaaten) Transferzahlungen an Krisenstaaten. Modul 1 untersucht dazu diesen Zusammenhang zwischen gesellschaftlichen Verwundbarkeitsprofilen und Reform- bzw. Zahlungsbereitschaft auf Länderebene. In den Modulen 2 und 3 wird die Krisenpolitik in jeweils drei Defizit- bzw. Überschussländer vertieft untersucht, wobei die Verwundbarkeiten einzelner Interessengruppen und deren Krisenpolitik im Mittelpunkt der Analyse stehen. Ziel des Projekts ist ein besseres Verständnis über die politisch bedingten Grenzen des Spielraums bei der Suche nach einer nachhaltigen Lösung der Eurokrise.