Lead
Ausgehend vom Konzept der Radiophonie als Kulturtechnik untersucht das Projekt klangliche Phänomene und Hörkulturen, die - weit über das Radio als Institution hinaus - aus hybriden medialen Anordnungen entstehen. An der Schnittstelle von Musik- und Medienwissenschaft werden gegenseitige Bedingtheiten zwischen Studiotechniken, musikalischen Kompositionsverfahren, Archivpraktiken und Rezeptionsformen von der Frühzeit des Radios bis in die Gegenwart seiner digitalen Reorganisation erforscht.

Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts

Drei Achsen verbinden die Einzelprojekte: Auf einer historischen Achse wird untersucht, welche Bedeutung der Radiophonie bei der Strukturierung von Klangwelten und akustischer Kommunikation zukommt. Eine zweite, epistemologische Achse betrifft die Ästhetik der Störung in Radio- und Klangkunst als Verfahren der Selbstreflexion auditiver Medien. Die dritte Achse stellt die Frage nach dem Archiv, das aller Radiopraxis zugrunde liegt. Das Problem des Klangarchivs wird sowohl theoretisch gefasst als auch praktisch erforscht. Dabei werden Algorithmen entwickelt, die das Archiv nicht nur nach Melodien oder semantischen Beschreibungen durchsuchen und ordnen, sondern nach Parametern, die sich aus gespeicherten Klangformen selbst ergeben. So liefert das Projekt aus der Geschichte klanglich und musikalisch konzipierter Formen Entwürfe für ein kommendes und auf digitaler Datenverarbeitung basierendes Radio.

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Die Entwicklung radiophoner Hörkulturen unter Bedingungen des Internets ist die entscheidende Herausforderung für eine künftige Organisation institutioneller Radios, insbesondere in der multilingualen Schweiz. Aus der Untersuchung avancierter Formen der Radiopraxis liefert das Projekt Konzepte der Emergenz neuer Hörkulturen. In der Kooperation von Medien- und Musikwissenschaft werden damit die Grundlagen für historisch und epistemologisch fundierte Interventionen in gegenwärtig virulente gesellschaftliche Prozesse gelegt.