Lead
Eine erste Analyse der spanischsprachigen Presse in New York während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat einen in der Schnittstelle zwischen Panhispanismus und Panamerikanismus geprägten Diskurs ergeben. Beide ideologischen Bewegungen zirkulierten zu dieser Zeit in US-Intellektuellenkreisen und fanden eine besondere Auslegung in einer Dreiecksbeziehung zwischen Spanien, den Lateinamerikanischen Ländern und den USA wo ökonomische, politische und kulturelle Interessen im ständigen Wechselspiel mitwirkten. Ganz in dieser Linie spielte die Presse sehr früh und auf lokaler Ebene eine wichtige Rolle in der Bildung und Darstellung einer einheitlichen Latino-Gemeinschaft mit einer einheitlichen Sprache, was ihr wiederum auch zu Gute kam und nach wie vor kommt.

Lay summary

Resultate des Forschungsprojektes:

Nachdem der Forschungsschwerpunkt auf die Darstellung von Identität und Sprachideologien begrenzt wurde und nach der Zusammenstellung und intensiven Sichtung von einem breitgefächerten Corpus unterschiedlichster Zeitungstexte, kann man die wichtigsten Forschungsresultate wie folgt zusammenfassen:

  1. Identität: Den Interessen beider Panbewegungen entsprechend, finden wir sehr früh in den Zeitungen vor allem vereinheitlichende Selbstdarstellungsbegriffe, wobei das meistbenutzte Ethnonym hispano ist. Zwei der heute gängigsten Ethnonyme hispánico und latino sind noch sehr selten anzutreffen.
  2. Sprachideologien: Die spanische Sprache und dessen Sprachideologien spielen eine zentrale Rolle in dieser Darstellung. Auch dies ist unter anderem dem Einfluss beider Panbewegungen zu verdanken und auch hier sind schon viele heute noch in der Spanischsprachigen Welt wiederkehrende Gemeinplätze erkennbar (z. B. Einheit des Spanischen, Furcht vor Verlust der Einheit, Prestige und ökonomischer Wert der Sprache).

 

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext des Forschungsprojektes:

Hispanic/Latino ist eine Kategorie, die erst während der 1960-1990er Jahre auf landesweiter Ebene von Seiten des Zensus, der Medien, Bürokraten und Aktivisten institutionalisiert wurde (Mora 2014), heute jedoch für selbstverständlich gehalten wird, die US-Landschaft grundlegend prägt und aus dieser nicht mehr wegzudenken ist. Auch die Wichtigkeit der spanischen Sprache in den USA ist seit den 1990er Jahren ein wiederkehrender Gemeinplatz vor allem im Diskurs der Hauptsprachinstitutionen Spaniens (del Valle 2006).

In der spanischsprachigen Presse New Yorks ist eine sehr frühe Herauskristallisierung dieser Kategorien und Tendenzen aus historischen, politischen und ökonomischen Gründen ersichtlich. Diese Untersuchung kann daher zu einem besseren Verständnis nicht nur dieser wichtigen Bevölkerungsschicht der USA, sondern auch der Weltsprache Spanisch beitragen.