Lead
Variation ist eine fundamentale Eigenschaft von Sprache, welche sowohl in der Soziolinguistik – im Hinblick auf sozial bedeutungsvolle Variation – als auch in der Psycholinguistik – im Hinblick auf individuelle kognitive Mechanismen – untersucht wird. Das Projekt verbindet diese beiden Herangehensweisen und erforscht sozial bedeutungsvolle Variation im Hinblick auf individuelle Sprachverarbeitung und -repräsentation am Beispiel von Schweizerdeutschen Dialekten.

Lay summary
Die Verarbeitung von Sprachvariation: Ein psycholinguistischer Ansatz zu Schweizerdeutschen Varietäten

Le traitement de la variation du langage: Une approche psycholinguistique de variétés suisses allemandes

Processing of language variation: A psycholinguistic approach to Swiss German varieties

 

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts

Übergeordnetes Ziel unseres Forschungsprojekts ist es, zur Entwicklung einer Psycholinguistik der systematischen Sprachvariation am Beispiel Schweizerdeutscher Varietäten beizutragen. Im Einzelnen untersuchen wir (a) die Verarbeitung auf der Wortebene, u.a. ob Wörter verschiedener Varietäten gleichzeitig aktiviert werden und ob diese mental einzeln oder gemeinsam gespeichert sind, (b) die Verarbeitung auf der Satzebene, beispielsweise ob dialektspezifische syntaktische Informationen separat gespeichert werden oder in einer Sprache integriert sind, und (c) die Mechanismen der sprachlichen Anpassung zwischen Gesprächspartnern als variationsbedingte und Variation schaffende Grundlage von Kommunikation und Sprachwandel, insbesondere das Zusammenspiel von automatischen Aktivierungen und sozialen Faktoren.

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Unsere Forschungsarbeit wird Aufschluss darüber geben, inwiefern varietätenspezifische lexikalische und syntaktische Strukturen mental integriert oder separat sind. Damit trägt das Projekt dazu bei, die Lücke zwischen der sozio- und der psycholinguistischen Forschung zu schliessen und Variation berücksichtigende Sprachverarbeitungsmodelle zu entwickeln. Diese bilden eine Basis für Anwendungsfragen wie z.B. die Sprachdiagnostik.