Lead
Die englischsprachige Literatur Südafrikas nach 2000 unterscheidet sich sowohl quantitativ als auch qualitativ von der Literatur der unmittelbaren Post-Apartheid-Jahre der 1990er. Nach 2000 ist eine zahlenmässige Explosion der Publikationen englischsprachiger Werke in Südafrika beobachtbar. Dabei sind zahlreiche neue Autoren in der literarischen Landschaft Südafrikas in Erscheinung getreten. Diese haben das Verständnis von 'South Africanness' entscheidend auszudehnen vermocht, denn erst mit dieser jüngeren Generation Südafrikanischer Autoren sind vormals tabuisierte Inhalte in der Literatur thematisiert worden. Die Stadt als ein Ort der Komplexität, der Verwirrung und des kontinuierlichen Wandels ist dabei Schauplatz zahlreicher literarischer Werke. Das vorliegende Dissertationsprojekt nimmt diese Entwicklung als Ausgangpunkt und untersucht die Darstellung und Funktion innerstädtischer Räume Kapstadts und Durbans in der englischsprachigen Südafrikanischen Literatur seit 2000.

Lay summary

Ein solcher Vergleich drängt sich aus verschiedenen Gründen auf. Das akademische Interesse an der Südafrikanischen Stadt fand seinen Anfang in Johannesburg, Südafrikas grösster Metropole. Johannesburg ist dabei bereits fachübergreifend prominent bearbeitet. Aufgrund dieser akademischen Sättigung ist die Zuwendung zu Südafrikas zweit- und drittgrösster Metropole eine logische Konsequenz. Darüber hinaus drängt sich ein solcher Vergleich auch aufgrund der geographischen Gemeinsamkeiten sowie der ähnlichen aber dennoch unterschiedlichen historischen Entwicklungen der beiden Städte auf. Die Unterschiede in der Entwicklung Kapstadts und Durbans sind dabei einerseits auf die unterschiedliche demographische Zusammensetzung der beiden Städte zurückzuführen. Andererseits spielen die geographisch (oder besser topographisch) unterschiedlichen Gegebenheiten eine entscheidende Rolle.

Die literarische Auseinandersetzung verschiedener Autoren mit diesen räumlichen Verhältnissen und deren Auswirkungen auf die 'fiktionalen' oder 'fiktionalisierten' sozialen Gegebenheiten und Charaktere bilden den Gegenstand des Dissertationsprojekts. Ziel ist es, die Lebenswelten Kapstadts und Durbans, wie sie in ausgewählten Texten der zeitgenössischen Literatur als Momentaufnahme dargestellt werden, einander gegenüberzustellen. Dabei soll die Herausarbeitung der Gefühlswelt, wie sie so beispielsweise in empirischen Studien der Ethnographie und Soziologie nicht erfassbar ist, besonders hervorgehoben werden.