Lead
Während des 20. Jahrhunderts wuchsen in der Schweiz Zehntausende von Kindern und Jugendlichen in Heimen auf. Zeitzeugenberichte und neuere Forschungen zeigen, dass das Kindswohl und individuelle Bildungs- und Entwicklungschancen dabei vielfach zweitrangig waren. Für die betroffenen Kinder und Jugendlichen war die Unterbringung in einem Heim stattdessen oft mit der Erfahrung von Isolation und Lieblosigkeit, mit Arbeitszwang und in manchen Fällen mit psychischem und sexuellem Missbrauch verbunden.

Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts

Ziel des Projekts ist es, solche Erfahrungen in den zeitgeschichtlichen Kontext zu stellen und die Platzierung „gefährdeter“ und „verwahrloster“ Kindern in Heimen oder Pflegefamilien in einer vergleichenden Perspektive zu analysieren. Weiter geht es darum, den Wandel, den die Heimerziehung zwischen 1940 und 1990 erfuhr, besser zu verstehen. Untersucht werden die zeitgenössischen Konzepte und Debatten im Zusammenhang mit der Heimerziehung, die Versorgungspraxis in verschiedenen Kantonen sowie die Wirkungen der behördlichen Entscheide und Platzierungen auf die Lebensläufe der Betroffenen.

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Das Projekt kombiniert Ansätze mehrerer Disziplinen (Geschichte, Soziale Arbeit, Erziehungswissenschaft) und verknüpft verschiedene Fallstudien zu einer Gesamtsicht. Es stellt so den Anschluss der aktuellen Debatte an die internationale Forschung her und leistet einen Beitrag zum historischen Verständnis der Fremdplatzierungspraxis. Es erarbeitet Kontext- und Orientierungswissen, das für die Betroffenen, für eine an ihrer Sozialgeschichte interessierte Gesellschaft sowie für Forschung, Lehre und Praxis der Sozialen Arbeit, insbesondere in den Bereichen Kinderschutz, Kinder- und Jugendhilfe, relevant ist.