Lead
Abschiebungen von AsylwerberInnen, als forciertes Instrument der Migrationskontrolle, werden wissenschaftlich als ‘deportation turn’ kritisiert. Menschen empfinden (zunehmend) Unbehagen gegen diese staatliche Zwangsmaßnahme. Gegenstand des vorliegenden Projekts „Partei ergreifen“ sind diese meist kleinräumigen, lokalen Protestaktivitäten gegen Abschiebungen abgelehnter AsylwerberInnen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Lay summary

Ziel des Projektes ist es, im Zeit- (1995 bis 2010) und Ländervergleich Akteure, Protestziele, -formen und -intensität zu identifizieren und zu erklären. Folgende Forschungsfragen leiten das Erkenntnisinteresse: Was sind die Charakteristika dieser Protestaktivitäten und deren Verläufe? Wie können Unterschiede in den Protestzielen, -formen und -intensität zwischen Ländern und im Zeitvergleich verstanden und erklärt werden? Basierend auf der Annahme, dass Unterschiede nicht nur auf länderspezifische Umwelten zurückzuführen sind, sondern auch innerhalb der Länder sowie innerhalb bestimmter Abschiebefälle auftreten, wird in diesem Projekt ein dreigliedriges Erklärungsmodell zur Anwendung kommen. Konkret synthetisiert das Modell folgende Erklärungsstränge: den Ansatz der politischen Gelegenheitsstrukturen, der insbesondere institutionelle Faktoren der untersuchten Länder einbezieht; Dynamiken, die aus Veränderungen des politischen/sozialen Umfelds sowie aus Protestverläufen resultieren; und materielle wie nicht-materielle Ressourcen, die sowohl auf der Seite der Protestierenden als auch auf der Seite der Abzuschiebenden relevant sein können (insbesondere Emotionen und soziale Nähe). Hinsichtlich Datenerhebung und -aus­wertung werden eine Medien-Claims-Analyse (auf der Grundlage von Medienberichten) sowie Fallstudien zu einzelnen Abschiebefällen (mittels Interviews und Dokumentenanalysen) durchgeführt werden.

Das Projekt möchte belegen, inwieweit Bürgerengagement einen Einfluss auf die Asylpolitik nehmen kann.