Lead
Mittelalterliche Grabmonumente mit komplexen Bildprogrammen und lebensgrossen Liegefiguren der Verstorbenen sind wichtige Zeugnisse der damaligen Erinnerungskultur und Herrschaftsrepräsentation. Welche Rolle die Grabmäler von Königinnen, Kaiserinnen und Prinzessinnen in diesem Spannungsfeld zwischen privater Jenseitsvorsorge und dynastischer Repräsentation spielten, steht im Zentrum des Forschungsprojektes.

Lay summary

Inhalt und Ziele des Forschungsprojekts

Das Projekt hat zum Ziel, die Kenntnisse über die weibliche Herrschafts- und Memorialikonographie und die bildliche Repräsentation der Königin zu erweitern. Es wird dabei von der These ausgegangen, dass sich in den Grabmälern der hochadeligen Frauen eine spezifische Bildsprache der Fürstin manifestiert, die sich von derjenigen für männliche Herrscher unterscheidet. Der überregionale Vergleich von Monumenten aus West-, Mittel- und Südeuropa über einen Zeitabschnitt vom 13. bis zum 15. Jahrhundert soll es ermöglichen, Phänomene über die Reichsgrenzen und zeitlich- und regional beschränkte Dynastien hinaus zu betrachten. Anhand der Bildprogramme der Grabmäler werden Fragen zu einer visuellen Erinnerungskultur des Königinnentums im Mittelalter und zur Funktion der Frauengrabmäler im Allgemeinen beleuchtet. Durch differenzierte ikonographische Analysen werden die Monumente auf ihre vielschichtige Aussage bezüglich der Jenseitsvorsorge sowie der gesellschaftlichen und politischen Rolle der Königin hin untersucht. Daraus können Rückschlüsse auf die Funktionen der Frauengrabmäler als Monumente der privaten oder dynastischen Memoria gezogen werden.

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Innerhalb der kunsthistorischen Grabmalsforschung werden Frauengrabmäler nur marginal behandelt. Aus diesem Grund werden in diesem Projekt die Monumente für Fürstinnen und deren Bildsprache ins Zentrum gerückt. Untersucht werden neben der Ikonographie auch Form und Aufbau des Grabmals, Materialität, Ornamentik und Oberflächenbehandlung. Die individuelle Biographie der Verstorbenen wird ebenso in die Untersuchung miteinbezogen wie kulturhistorische und herrschaftspolitische Aspekte oder liturgische und religiöse Vorschriften, welche die Bildprogramme und die Gestaltung der Grabmäler beeinflussten. Damit leistet das Projekt einen wesentlichen Beitrag zum Geschlechterdiskurs innerhalb der Kunstgeschichte des Mittelalters.