Lead
Am Lebensende treten häufig unkontrollierbare Ereignisse und Prozesse auf. Dazu gehören auch bildhafte Formen des Erlebens. Wo alles Tun an seine Grenzen kommt, eröffnen sich imaginative Spielräume des Verstehens und Verhaltens, die für das Vertrauen am Lebensende bedeutsam sind. Dieses Projekt soll Orientierungswissen und Deutungshilfen für die spirituelle und seelsorgliche Begleitung Sterbender erarbeiten.

Lay summary

Hintergrund
Symbolisch verdichtete Äusserungen von Menschen am Lebensende zu verstehen und auf diese angemessen einzugehen, gehört zu den anspruchsvollen Aufgaben von Seelsorge und Spiritual Care. Dass Menschen in Todesnähe oft von ungewöhnlichem, imaginativem Erleben berichten oder sich in einer symbolischen Sprache mitteilen, bedeutet für ihre seelsorgliche und spirituelle Begleitung zugleich eine Herausforderung und eine Chance. Das Verhältnis zwischen Vertrauen und symbolischer Kommunikation ist in diesem Zusammenhang bisher kaum erforscht. Das Projekt möchte diese Lücke schliessen.

Ziel
Um besser zu verstehen, welche Rolle das Vertrauen als handlungs- und wahrnehmungsformende Einstellung in Sterbeprozessen spielt, untersucht das Projekt unterschiedliche Darstellungs- und Ausdrucksformen imaginativen Erlebens in Todesnähe. Dazu gehören insbesondere Sterbeträume, Sterbebettvisionen und Nahtoderfahrungen. Dabei wird gefragt, inwiefern imaginatives Erleben und symbolische Kommunikation in Todesnähe zur Selbstdeutung sowie Verarbeitung des erlebten Kontrollverlusts beitragen. Methodisch setzt das Projekt bei erzählerisch vermittelten Erfahrungen wie Träumen oder Visionen von Menschen in Todesnähe an.

Bedeutung
Das Projekt erarbeitet ein vertieftes Verständnis von vertrauensbasierten Coping-Strategien in Todesnähe und der Symbolsprache des Sterbeerlebens. Auf diese Weise sollen praktisches Orientierungswissen und Deutungshilfen für die seelsorgerische und spirituelle Begleitung von Sterbenden erarbeitet werden. Die Studie will einen Beitrag zur Verbesserung der Pastoral Care und der Spiritual Care in der Schweiz leisten. Im Rahmen des Projekts werden somit Phänomene näher betrachtet und gedeutet, die bei Sterbenden offenbar eine wichtige Rolle spielen, in der Forschung jedoch bislang wenig beachtet wurden. Dies obwohl sie am Lebensende offensichtlich eine wichtige Funktion haben, wenn es um die Verarbeitung einschneidender Erlebnisse wie dem Kontrollverlust oder der Todesangst geht.