Lead
Psychosen haben eine Lebenszeitprävalenz von etwa 3-3,5%. 10-15% beginnen vor dem 18. Lebensjahr; vorangehende Frühzeichen (Risikokriterien) einer beginnenden Psychose sind entsprechend wohl noch häufiger vor dem 18. Lebensjahr. Für die Früherkennung vor Ausbruch einer Psychose sind im Erwachsenenalter Risikokriterien definiert und validiert worden. Deren Gültigkeit wurde für Kinder und Jugendliche bislang nicht untersucht, obwohl es Hinweise auf entwicklungsbedingte Unterschiede gibt.

Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts

Die Studie untersucht die Anwendbarkeit der aktuellen Risikokriterien für Psychosen bei Kindern und Jugendlichen. Im Detail werden untersucht (1) die Übergangsrate in eine Psychose innerhalb der Risikogruppe (AtRisk; angestrebtes n=209), (2) die Häufigkeit und Vorhersagekraft einzelner Risikokriterien sowie soziodemographischer, neuropsychologischer, genetischer und Bildgebungs-Prädiktoren, (3) die Häufigkeit von Risikokriterien im Prodrom juveniler Psychosen (EOP; n=100) und (5) die Häufigkeit von Risikokriterien in der Allgemeinbevölkerung (GPS; n=250) und in klinischen Populationen (ClinS; n=264). Die 3-jährige Studie wird in Bern, Zürich und Köln (dort gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft) durchgeführt.

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext des Forschungsprojekts

Dieses Projekt wird entscheidende Informationen über die Validität der derzeit nur für Erwachsene validierten Psychose-Risikokriterien bei Kindern und Jugendlichen liefern. Die Ergebnisse werden sowohl für das Verständnis der Neurobiologie der Entwicklung einer Psychose als auch für die klinische Früherkennungspraxis von hoher Bedeutung sein.