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Lay summary

Das seit November 2009 vom SNF geförderte medizinhistorische Projekt untersucht die ärztliche Praxis des Laienheilers Gottfried Wachter (1776–1861) in Hugelshofen (Thurgau) als Beispiel einer nicht akademischen Heilerpraxis im Kontext der zunehmenden Akademisierung der Medizin. Das Projekt will die Laienpraxis in der ländlichen Lebenswelt der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf die wirtschaftliche, rechtliche und soziale Situation kontexualisieren und die Spezifika der Laienpraxis auf ihre Klientel, ihre Angebote und ihre regionale Bedeutung hin genauer analysieren.

Obgleich die Anzahl von Heilerinnen und Heilern ohne akademische Ausbildung quantitativ bis ins 19. Jahrhundert die Zahl akademischer Ärzte überwog und das Gros des medizinischen Angebots ausmachte, finden entsprechende Untersuchungen in der Forschung noch eine vergleichsweise geringe Beachtung. Dies ist nicht zuletzt einem starken Ungleichgewicht der Überlieferung geschuldet, das insbesondere bei Heilern ohne eine offiziell anerkannte Berufsausbildung zu einer überaus problematischen Ausgangsbasis führte. Die dem Projekt zugrundeliegende Quelle stellt eine absolute Rarität dar, weshalb ihr – trotz grosser Lückenhaftigkeit – eine gewichtige Bedeutung als Vergleichsmöglichkeit zur akademischen Arztpraxis zugemessen wird. Es handelt sich um 14 Praxisjournale des thurgauischen Laienheilers Wachter, die sich als unzusammenhängende Einzelhefte über vier Jahrzehnte erstrecken.

Die Erforschung der Geschichte der ärztlichen Praxis vom 17. bis ins ausgehende 19. Jahrhundert ist Ziel der deutsch-schweizerisch-österreichischen Arbeitsgruppe „Ärztliche Praxis (17.–19. Jahrhundert)“, an der das Forschungsprojekt beteiligt ist (www.medizingeschichte.uni-wuerzburg.de/aerztliche_praxis/index.html).