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Die Filmbranche erlebt derzeit einen fundamentalen Umbruch: Die über hundertjährige analoge Technik wird durch digitale Verfahren ersetzt. Dabei ist weitgehend unerforscht, ob dieser Wechsel Auswirkung auf die Rezeption hat. Im Rahmen dieses Projekts soll deshalb die Wirkung identischer Filme, die gleichzeitig analog und digital gedreht werden, empirisch untersucht werden.


Hintergrund

Der Übergang der Filmproduktion von analogen zu digitalen Verfahren ist bereits seit längerer Zeit im Gange. Mittlerweile wird auch in der Schweiz die grosse Mehrheit der Filme  – selbst der Kinofilme – digital gedreht. Die technischen und ästhetischen Aspekte dieser Umstellung wurden vor allem innerhalb der Branche von Anfang an ausgiebig diskutiert. Dabei wird das digitale Bild oft als kalt und steril geschrieben, was seine Ursache in dem grundlegenden Unterschied zwischen dem „tanzenden“ Korn der analogen Emulsion und dem starren Raster des digitalen Bildes hat. Es gibt aber keine psychologisch fundierte empirische Untersuchung, die der Frage nachgeht, ob und wie dieser in der Materialität der Medien begründete Unterschied die Rezeption und dabei insbesondere die emotionale Wirkung beeinflusst.


Das Ziel

Das interdisziplinäre Projekt hat zum Ziel, diesen bislang unerforschten Aspekt zu untersuchen. Zu diesem Zweck werden drei kurze Spielfilme parallel mit digitalen und analogen Kameras produziert. Es entstehen so pro Film zwei Varianten, die sich nur in Bezug auf das Aufnahmeverfahren unterscheiden. In der Postproduktion wird zusätzlich eine weitere Variante erstellt, bei welcher der digitale Film so stark wie möglich an den analogen Look angeglichen wird. Anschliessend wird die Wirkung der unterschiedlichen Filme auf Testzuschauer verglichen. Dabei werden sowohl subjektive Eindrücke (mittels Fragebogen) wie auch objektive physiologische Indikatoren (Hautleitwiderstand, Puls) und Augenbewegungen miteinbezogen. Im Fokus der Untersuchung steht die Frage, inwiefern der Unterschied überhaupt wahrgenommen wird, ob sich die spezifischen Eigenschaften des analogen Bildes bei den Rezipienten in einem veränderten Erleben der Filme niederschlägt und in welchem Umfang sich eine vergleichbare Wirkung allenfalls durch Nachbearbeitung des digitalen Films erreichen lässt.


Bedeutung

Die zentralen Fragen des Projekts sind von grosser Relevanz – gerade auch für die Filmbranche selbst. Vor- und Nachteile digitaler Kameras werden zwar schon lange diskutiert, im Zentrum standen aber stets ästhetische und wirtschaftliche Überlegungen, nicht aber die Wirkung auf das Publikum. Sollte sich zeigen, dass das emotionale Erleben der Zuschauer von den verwendeten technischen Verfahren mitbestimmt wird, dürften dieses Ergebnis künftige Produktionsentscheidungen nachhaltig beeinflussen.