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Lay summary
In der Auseinandersetzung mit dem Buddhismus in Japan lassen sich derzeit zwei grössere Forschungsströmungen ausmachen: Einerseits die dogmenorientierte philologische Beschäftigung mit den Texten einzelner Denker und andererseits die soziokulturelle Erforschung konkreter religiöser Phänomene, Objekte und Orte. Beide Strömungen haben wertvolle Ergebnisse über den jap. Buddh. zu Tage gefördert, eine gegenseitige Befruchtung beider Ansätze ist bislang aber erst in Anfängen erkennbar. In unserem Forschungsprojekt soll eine Integration beider Ansätze erfolgen, indem klass. Texte des jap. Buddh. einer rhetorischen Analyse unterzogen werden. Einem modernen Rhetorikverständnis folgend beantwortet unsere Analyse die Frage, wie ein Text die Zustimmung seiner Leserschaft einzuholen sucht. Die rhetorische Analyse verbindet hierfür die detaillierte Erhebung sprachlicher Formen mit der Untersuchung ihrer jeweiligen Funktion im historischen und sozialen Kontext. Diese Art der Textbetrachtung ermöglicht so eine Ergänzung und Verknüpfung philologischer und soziokultureller Forschungsergebnisse.Als Ansatzpunkt für die Erforschung der buddh. Rhetorik in Japan kommen vor allem die Gründungstexte der grossen buddh. Schulen in Betracht. Unter diesen bieten sich insbesondere die Schriften Kûkais und Dôgens an, da diese als Schulgründer grossen Einfluss auf die jap. Geistesgeschichte ausgeübt haben. Daher werden im hier vorgestellten Projekt Kûkais Werke Jûjûshinron und Hizôhôyaku sowie Dôgens kleinere Schriften Bendôwa, Genjôkôan, Shinjingakudô, Sokushinzebutsu, Gakudôyôjinshû und Bendôhô auf ihre persuasiven Mitteln hin analysiert.Um eine Behandlung der Texte zu garantieren, die ihrer kulturellen Herkunft und individuellen Besonderheit gerecht wird, wird unsere rhetorische Analyse nicht einfach dem Stilmittelkatalog der klass.-europ. Rhetorik folgen. Vielmehr wurde in den Vorarbeiten ein Analysemodell entwickelt, welches das Auffinden auch solcher persuasiven Mittel möglich macht, die in der westlichen Tradition nicht etabliert waren. Ein methodisches Vorbild stellt dabei die zeitgenössische Narratologie dar, da diese sowohl die konkreten sprachlichen Phänomene wie auch die umfassende textliche Gestaltung in den Blick nimmt. Das zugrundegelegte Untersuchungsverfahren verbindet daher narratologische und rhetorische Methoden der Textanalyse.Die rhetorische Analyse klassischer Texte des jap. Buddh. soll dazu beitragen, neue Einblicke in einen schwierigen Textkorpus zu gewinnen. Zudem soll ein Instrumentarium entwickelt werden, dass die zukünftige Arbeit mit anderen Texte dieser reichen Tradition befördert und allgemeine Fragen zu deren Charaktekter beantworten hilft.