Project

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Lernwirksame Klassengespräche führen - eine Interventionsstudie zur Förderung der Gesprächskompetenz von Lehrpersonen

Applicant Pauli Christine
Number 166070
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Zentrum für Lehrerinnen- und Lehrerbildung Sek. II Universität Fribourg/Freiburg
Institution of higher education University of Fribourg - FR
Main discipline Educational science and Pedagogy
Start/End 01.04.2017 - 28.02.2021
Approved amount 484'653.00
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Keywords (8)

Mathematikunterricht; Lehrer-Schüler-Interaktion; lernwirksame Klassengespräche; Videoanalyse; Gesprächskompetenz; Lehrerkompetenzen; Unterrichtskommunikation; Weiterbildung von Lehrpersonen

Lay Summary (German)

Lead
Im Projekt wird untersucht, ob und wie Lehrpersonen durch eine Weiterbildung und spezifische Ressourcen ihre Gesprächskompetenz im Hinblick auf dialogische und fachdidaktisch gehaltvolle Unterrichtsgespräche weiterentwickeln können und wie sich dies auf das Lernen ihrer Schülerinnen und Schüler auswirkt.
Lay summary
Inhalte und Ziel des Forschungsprojekts

Lehrergeleitete Klassengespräche finden im schulischen Unterricht häufig statt. Ihre Lernwirksamkeit in Bezug auf fachliche und überfachliche Bildungsziele hängt jedoch entscheidend von bestimmten Qualitätsmerkmalen ab. In den letzten Jahren wurden v.a. im englischen Sprachraum interessante Instrumente entwickelt, mit deren Hilfe Lehrpersonen ihre Gesprächsführung nachweislich verbessern können.

Ziel des Projekts ist es zu untersuchen, inwieweit Lehrpersonen in einer Weiterbildung die Qualität ihrer Klassengespräche in Richtung dialogischer und fachdidaktisch gehaltvoller Gespräche weiterentwickeln können und wie sich dies auf das Lernen der Schülerinnen und Schüler auswirkt. An der Untersuchung nehmen 18 Mathematik- und Geschichtslehrpersonen (Sekundarstufe I) teil.

Kern der Weiterbildung ist eine Sammlung von Gesprächsführungsstrategien, die von den Lehrpersonen flexibel und adaptiv in Klassengesprächen eingesetzt werden können. Sie werden in der Weiterbildung in Kombination von (videobasierten) Präsenzveranstaltungen und Praxisphasen erlernt (Interventionsgruppe 1). Eine zweite Interventionsgruppe nimmt zusätzlich an einer fachdidaktischen Vertiefung teil, zugeschnitten auf das betreffende Unterrichtsfach.

Die Wirkungen der Weiterbildung werden durch eine Eingangs- und Ausgangserhebung und durch kursbegleitende Datenerhebungen unter Einbezug einer Kontroll- bzw. Wartegruppe untersucht.

Bedeutung

Das Projekt soll Erkenntnisse für die Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen in Bezug auf die Trainierbarkeit der Gesprächsführungskompetenz generieren und zur Klärung des Zusammenhangs zwischen Klassengesprächen und der Kompetenzentwicklung der Lernenden beitragen.

Direct link to Lay Summary Last update: 20.12.2016

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Abstract

Klassengespräche nehmen in der Mehrzahl der Schulfächer und auf allen Schulstufen einen beträchtlichen zeitlichen Anteil der Unterrichtszeit ein, und ihre Qualität trägt wesentlich zur Lernwirksamkeit des Unterrichts bei, wie v.a. die neuere Forschung zeigt. Trotzdem werden Klassengespräche in der didaktischen Literatur und der Lehrerbildung tendenziell abgewertet als eine Lehrform, die es möglichst zu vermeiden gilt. Im internationalen Forschungskontext hat jedoch in den letzten Jahren - als Konsequenz der verstärkten Rezeption konstruktivistischer und soziokultureller Lern- und Entwicklungstheorien sowie auf kognitionspsychologischer und fachdidaktischer Grundlage - eine Neubeurteilung von Klassengesprächen als Lernkontext eingesetzt. Sie widerspiegelt sich im aktuellen, international geführten Diskurs zur theoretischen Konzeptualisierung von Klassengesprächen als Lerngelegenheiten sowie in der Entwicklung theoretisch fundierter Konzepte lernwirksamer Klassengespräche, die tendenziell auch durch empirische Evidenz gestützt werden. Eine wichtige Rolle spielen dabei einerseits die diskursiv-dialogische Qualität der Klassengespräche und andererseits fachliche-fachdidaktische Qualitätsmerkmale einer auf tiefes Verstehen gerichteten Gesprächsführung. Insgesamt weist die aktuelle Forschung darauf hin, dass Klassengespräche, die solche Qualitätsanforderungen erfüllen, sich sowohl auf das fachliche Lernen (konzeptuelles Verständnis) als auch auf den Aufbau von überfachlichen Kompetenzen (z.B. Argumentationskompetenz) günstig auswirken, im alltäglichen Unterricht jedoch, unabhängig von Fach und Stufe, nach wie vor selten auftreten. Es stellt sich deshalb die Frage, wie Lehrpersonen wirksamer als bisher dabei unterstützt werden können, die Qualität ihrer Klassengespräche zu verbessern. Dabei haben sich Konzepte als vielversprechend erwiesen, welche den Lehrpersonen handlungsnahe, theoretisch fundierte Gesprächsführungsstrategien im Sinne von „kognitiven Werkzeugkästen“ oder Gesprächsführungsinstrumenten zur Verfügung stellen und sie so bei der Weiterentwicklung ihrer Gesprächsführungskompetenz unterstützen. Beispiele solcher Instrumente liegen bisher v.a. im englischsprachigen Raum vor. Interessant erscheinen insbesondere Instrumente, die sowohl dialogische wie auch fachdidaktische Aspekte der Gesprächsqualität fokussieren. Dies ist beim Konzept des „Accountable Talk“ der Fall, wobei sich allerdings gezeigt hat, dass beim fachdidaktischen Aspekt noch Entwicklungsbedarf besteht.Auf diesem Hintergrund soll mit dem geplanten Projekt im Rahmen einer Interventionsstudie im Schulfeld untersucht werden, inwieweit und wie sich die Qualität von Klassengesprächen durch eine einjährige Weiterbildung von Mathematik- und Geschichtslehrpersonen in Richtung einer dialogischen und fachdidaktisch qualitätsvollen Gesprächsführung nachhaltig verändern lässt, und ob die Weiterentwicklung der Gesprächsführungskompetenz der Lehrpersonen im Vergleich zu einer Kontrollgruppe zu Veränderungen des Gesprächsverhaltens sowie der Unterrichts- und Selbstwahrnehmung der Lernenden führt. Dazu wird ein videobasiertes Weiterbildungsformat genutzt, das auf handlungsnahen Gesprächsleitungsstrategien beruht, die sich am Konzept des „Accountable Talk“ orientieren (Bedingung 1), und für eine Interventionsgruppe zusätzlich um eine fachdidaktische Komponente erweitert wird (Bedingung 2). Geplant ist eine Interventionsstudie mit zwei Experimental- und einer Kontroll- bzw. Wartegruppe und einer Stichprobe von insgesamt 18 Lehrpersonen der Sekundarstufe 1 (je 3 Mathematik- und 3 Geschichtslehrpersonen und mindestens eine der Schulklassen, an denen sie unterrichten, pro Bedingung). Für die Beantwortung der Forschungsfragen werden Lehrer- und Schülerbefragungen sowie Videodaten genutzt. Nebst quantitativen Wirkungsabschätzungen sind prozessbezogene Analysen von Klassen- und Schülergesprächen vorgesehen.
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