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Modelle narrativer Poetik zwischen Raum, Bewegung und Identität in der russischen Literatur (Cechov, Trifonov, Petruševskaja)

English title Models of narrative poetics between space, movement and identity in Russian literature (Chekhov, Trifonov, Petrushevskaya)
Applicant Grob Thomas
Number 162692
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Slavisches Seminar Universität Basel
Institution of higher education University of Basel - BS
Main discipline Other languages and literature
Start/End 01.10.2015 - 30.09.2018
Approved amount 186'265.00
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Keywords (9)

russian literature; interspaciality; intertextuality; postclassic narratologies; space; forms of movement; gender; identity; intimacy

Lay Summary (German)

Lead
Das Projekt untersucht anhand von drei Autoren - Anton Cechov, Jurij Trifonov und Ljudmila Petruševskaja - Zusammenhänge von Raum, Bewegung und Individualität in der russischen Prosa vom Ende des 19. bis ins beginnende 21. Jahrhundert.
Lay summary

Das Projekt untersucht anhand von drei Autoren – Anton Cechov, Jurij Trifonov und Ljudmila Petruševskaja – Zusammenhänge von Raum, Bewegung und Individualität in der russischen Prosa vom Ende des 19. bis ins beginnende 21. Jahrhundert. Mithilfe eingehender Analysen narrativer Strukturen von Räumlichkeit sollen Bezüge zwischen Individuum, Raum und Bewegung betrachtet werden. Von besonderem Interesse sind Bilder gefährlicher und bedrohlicher Lebensräume, Formen der Intimität, Such-Bewegungen im Raum und nach Gegenräumen, Gesten des Rückzugs, des Sich-Abschliessens und der Flucht und anderes. Anhand dieser Modelle von Lebens-, Möglichkeits- und Konflikträumen soll im Vergleich von Texten aus einer Zeitspanne von über einem Jahrhundert nach Kontinuitäten, aber auch Divergenzen und Umbrüchen gefragt werden, nach der Verwobenheit von erzählten Räumen mit kulturellen Raumkonzepten, nach Reflexen einer sich gerade in den Lebensräumen stark wandelnden Welt, nach der Positionierung des Menschen im Raum des Gesellschaftlichen und Kollektiven, aber auch der Literatur selbst als Ort der Auseinandersetzung um individuelles Sein im Raum. 

Direct link to Lay Summary Last update: 28.09.2015

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Moskauer Stadträume in Anton Čechovs Erzählungen In Moskau auf der Trubnaja [Москва на Трубной площади] (1883) und Der Anfall [Припадок] (1888).
PavlovaJana (2018), Moskauer Stadträume in Anton Čechovs Erzählungen In Moskau auf der Trubnaja [Москва на Трубной площади] (1883) und Der Anfall [Припадок] (1888)., in Schweizerische Beiträge zum XVI. Internationalen Slavistenkongress in Belgrad, 245-260.
Konstruktion von Männlichkeit und Raum in den Erzählungen Ljudmila Petruševskajas
PavlovaJana (2016), Konstruktion von Männlichkeit und Raum in den Erzählungen Ljudmila Petruševskajas, in Grenzräume – Grenzbewegungen. Ergebnisse der Arbeitstreffen des Jungen Forums Slavistische Literatur, Band 2, 221-232.

Collaboration

Group / person Country
Types of collaboration
Prof. Dr. Heinrich Kirschbaum, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Publication
DFG Graduiertenkolleg 1599: Dynamiken von Raum und Geschlecht Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Erfurter RaumZeit-Forschung Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Kompetenzzentrum Kulturelle Topographien (Univ. Basel) Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Ära der Immanenz. Melancholie-Ästhetik der Stagnation (1968-1989) Talk given at a conference Schreiben der Stagnation – Schreiben des „Neuen Lebens“. Melancholische Prosa J. Trifonovs 13.11.2018 Basel, Switzerland Pavlova Iana;
XVI Internationaler Slavistenkongress Talk given at a conference Moskauer Stadträume in Anton Čechovs Erzählungen 20.08.2018 Belgrad, Serbien Pavlova Iana;
Grenzüberschreitungen in der Literatur und Kultur / theorie Talk given at a conference Das Ermöglichen des Unmöglichen: Die Praxis als Spiel-Raum von Transgression in der Theorie Henri Lefebvres 28.09.2017 Wien, Austria Pavlova Iana;
Everyday Poiesis – zur Platzierung des Politischen bei Lefebvre, 3. Workshop zu Henri Lefebvre Individual talk Projektvorstellung und Diskussion der Arbeitsbegriffe Praxis, Mimesis, Poiesis bei Lefebvre 19.05.2017 Basel, Switzerland Pavlova Iana;
XXII. Internationale Slavistische Konferenz Talk given at a conference “Menschen im Futteral“ und ihre Inszenierung in der russischen Literatur (Čechov und Petruševkaja) 21.04.2017 Kiel, Germany Pavlova Iana;
JFSL Konferenz 2016 Talk given at a conference Ein Stadtspaziergang zu den Orten der Ver(w)irrungen. Stadträume, Eros und Krise des männlichen Ich in Anton Čechovs Erzählung Pripadok (1888) 01.04.2016 Berlin, Germany Pavlova Iana;


Self-organised

Title Date Place
Ära der Immanenz. Melancholie-Ästhetik der Stagnation (1968-1989) 13.11.2018 Basel, Switzerland
Everyday Poiesis – zur Platzierung des Politischen bei Lefebvre, 3. Workshop zu Henri Lefebvre 19.05.2017 Basel, Switzerland

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
138691 Erzählen jenseits des Nationalen. (Post-)Imperiale Raumstrukturen in der Literatur Osteuropas 01.03.2012 Project funding (Div. I-III)

Abstract

In der Auseinandersetzung mit drei Autoren - Anton Cechov, Jurij Trifonov und Ljudmila Petruševskaja - geht das Projekt von der Frage nach Poetiken des Raums und der Bewegung in der russischen Prosa aus. Für die Prosatexte der zu untersuchenden Autoren gilt nicht nur, dass sie narrative Symbolisierungen und Repräsentationen kultureller Räume beinhalten. Durch ihr heterogenes Inventar an Bewegungsformen lenken sie die Aufmerksamkeit ebenso auf das Raumerleben, die Raumerfahrung und -wahrnehmung, die entscheidend zur fiktionalen Identitätskonstitution beitragen. Um der Verwobenheit von erzählten Räumen mit kulturellen Raumkonzepten und der Dynamik des individuellen Raumerlebens gerecht zu werden, wird an die aktuelle narratologische Forschung zu literarischen Raumdarstellungen und zu dynamischen Raum-Subjektivitäts-Beziehungen angeknüpft. Es soll also auch der Versuch einer Lektüre unternommen werden, die mithilfe raumtheoretischer Ansätze ein Inventar an Bewegungsformen identifiziert. Eine solche Lektüre soll es darüber hinaus ermöglichen, die Forschung zum Phänomen ‚Bewegung’ in der Literatur und die Diskussion der raumbezogenen Literaturwissenschaft zu ergänzen. Unter der Leitfrage nach Poetiken von Raum und Bewegung lässt sich nachzeichnen, wie die narrativen Bezüge zwischen Selbst, Raum und Bewegung bei Cechov und später bei Trifonov und Petruševskaja hergestellt werden. Dazu zählen Bilder gefährlicher und bedrohlicher Lebensräume, Formen der Intimität (Erzeugung, Wahrung, Verlust) sowie Such-Bewegungen im Raum, die nicht nur an die Suche nach einem glücklichen Gegenraum, sondern auch an prekäre Gesten des Rückzugs, des Abschliessens und der Flucht gebunden sind. Ausserdem soll untersucht werden, wie die Lebens-, Möglichkeits- und Konflikträume, die von der Literatur thematisiert werden, kulturelle Raumkonzepte und Bewegungsdynamiken repräsentieren, in Frage stellen und ins Gegenteil verkehren können. Sowohl in thematischer Hinsicht - in Hinblick auf das Unbehagen und das Bewusstsein einer unspezifischen „Unstimmigkeit“, die Suche nach alternativen Lebensmodellen, Themen der Krankheit und des Todes, existentielle Verlorenheit -, als auch in formaler Hinsicht ¬- bezogen auf die scheinbare Unabgeschlossenheit der Erzählungen, Erzählperspektive, die Engführung der Raumdarstellung und der Thematik der Identität - gibt es bei den drei Autoren Gemeinsamkeiten, die in vergleichbaren Raumpoetiken kulminieren, die keineswegs identisch sind und historisch variable Wirklichkeitsbezüge aufweisen. Im Lichte der neueren Raumtheorie und Narratologie lassen sich die Motive des ‚anderen Lebens‘, des ‚Futteralhaften‘ und der ‚Unbehaustheit‘, auch das zuweilen festgestellte Transitorische der Figuren und Räume präziser beschreiben und in einem breiteren Kontext verorten, als dies in der motivgeschichtlichen Forschung bisher geschehen ist. Zusätzlich ermöglicht es das anvisierte Textkorpus, eine zeitliche Trajektorie von der vorletzten Jahrhundertwende bis zur Gegenwart im Blick zu behalten. Diese vergleichende Lektüre wird auch dadurch nahegelegt, dass sich Trifonov und Petruševskaja sowohl explizit als auch implizit auf Cechov beziehen. Das Projekt geht von der Hypothese aus, dass nicht zuletzt die Spatialität in den Vordergrund tritt, wenn es um dialogische Bezüge zwischen den Texten geht. Es soll gezeigt werden, wie über einem Begriff der Interspatialität neue Parallelen und Kontinuitäten zwischen unterschiedlichen Epochenabschnitten freigelegt werden können. Eine solche vergleichende Lektüre soll die narrativen Raum- und Bewegungsformen auf Kontinuitäten, aber auch auf Divergenzen und Umbrüche befragen, die in unterschiedlichen Zeitkontexten in der Literatur entfaltet werden, wobei sie auch Perspektiven auf die gesellschaftlichen Dynamiken von Raum und Bewegung eröffnen.
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