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Zur Rezeption Johann Jakob Bachofens in der deutschen Literatur der Zwischenkriegszeit. Untersucht an Elias Canettis 'Die Blendung'

English title The Literary Reception of Johann Jakob Bachofen by German Authors during the Inter-war Period. Exemplified by Elias Canetti's 'Die Blendung'
Applicant Elsaghe Yahya
Number 152890
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Institut für Germanistik Universität Bern
Institution of higher education University of Berne - BE
Main discipline German and English languages and literature
Start/End 01.01.2015 - 31.12.2019
Approved amount 174'744.00
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Keywords (10)

feminism; conservative revolution; reception of the ancient world; gender; antiurbanism; cultural studies; social anthropology; matriarchy; Elias Canetti; Johann Jakob Bachofen

Lay Summary (German)

Lead
Elias Canettis Roman »Die Blendung«, begonnen 1930, vollendet 1931 und veröffentlicht erstmals 1935, handelt über weite Strecken von einem Ehekrieg, der mit der Niederlage des Mannes endet. Vor dem Hintergrund der gerade damals ihren Höhepunkt erreichenden Rezeption der Mutterrechtstheorien Johann Jakob Bachofens soll der Roman auf Spuren dieser Theorien untersucht und innerhalb dieser (Geschlechter-)Diskurse rekontextualisiert werden.
Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts

Im Zentrum des Untersuchungsinteresses stehen zum einen der einzige Roman des Nobelpreisträgers Elias Canetti, Die Blendung, und zum anderen Johann Jakob Bachofens Theorien zum ›Mutterrecht‹. Canettis Roman soll dabei also in einem Diskurs rekontextualisiert werden, der in der bisherigen Forschung zum Autor zu Unrecht unberücksichtigt blieb. Jedenfalls beruht das Projekt auf der durch Vorarbeiten im Grossen und Ganzen bereits verifizierten These, dass Canetti Bachofens Theorien zumindest teilweise gekannt haben muss und diese Einfluss auf Die Blendung hatten. Das legen schon die gröbsten Lineaturen der Romanhandlung nahe. Darin, stark vereinfacht, geht es zuerst einmal um einen Ehekrieg. Er wütet zwischen dem Protagonisten und der Deuteragonistin, die diesen Geschlechterkampf endlich gewinnt. Auf eine geläufige, allerdings nicht direkt auf Bachofen zurückgehende, sondern nur durch ihn inspirierte Begrifflichkeit gebracht, liegt in der Blendung also ein Sieg des Matri- über das Patriarchat vor. In diesem Projekt soll also untersucht werden, wie weit Canetti mit den Theorien Bachofens vertraut war und inwiefern sich Canettis Bachofen-Rezeption auf Die Blendung ausgewirkt hat.

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Theoretisch handelt es sich beim Projekt um einen Versuch, die Alternative ›Kulturwissenschaft vs. Rephilologisierung‹ produktiv und konstruktiv zu überwinden. Als Beitrag zur Diskursgeschichte der Geschlechterdifferenz ist das Projekt kulturwissenschaftlich ausgerichtet. Methodisch sollen zu diesem Zweck neben gendertheoretischen, intertextuellen und diskursanalytischen Ansätzen auch philologische Verfahren dienstbar gemacht werden, hier ganz besonders die Quellenkritik.

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Direct link to Lay Summary Last update: 16.07.2014

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Gottfried Kellers frühe Seldwyler Novellen und Johann Jakob Bachofens Matriarchatstheorie
Elsaghe Yahya (2019), Gottfried Kellers frühe Seldwyler Novellen und Johann Jakob Bachofens Matriarchatstheorie, in Wirkendes Wort, 69(3), 363-377.
"Die vertauschten Köpfe" und Thomas Manns politische Bachofen-Rezeption
Elsaghe Yahya (2018), "Die vertauschten Köpfe" und Thomas Manns politische Bachofen-Rezeption, in Boss Ulrich, Elsaghe Yahya, Heiniger Florian (ed.), Schwabe, Basel, 221-245.
»Groß & Mutter«. Bachofen in Elias Canettis Die Blendung
HeinigerFlorian (2018), »Groß & Mutter«. Bachofen in Elias Canettis Die Blendung, in Heiniger Florian, Elsaghe Yahya, Boss Ulrich (ed.), Schwabe, Basel, 163-184.
Einleitung
Boss Ulrich, Elsaghe Yahya, Heiniger Florian (2018), Einleitung, in Heiniger Florian, Elsaghe Yahya, Boss Ulrich (ed.), Schwabe, Basel, 7-35.
Matriarchatsfiktionen. Johann Jakob Bachofen und die deutsche Literatur des 20. Jahrhunderts
Heiniger Florian, Boss Ulrich, Elsaghe Yahya (ed.) (2018), Matriarchatsfiktionen. Johann Jakob Bachofen und die deutsche Literatur des 20. Jahrhunderts, Schwabe, Basel.
Einleitung
ElsagheYahya (2015), Einleitung, in Elsaghe Yahya (ed.), Kröner, Stuttgart, IX-LXV.
Modernität und Mutterrechtlichkeit in Bertolt Brechts lyrischer Autobiographik
ElsagheYahya (2015), Modernität und Mutterrechtlichkeit in Bertolt Brechts lyrischer Autobiographik, in Kanz Christine, Krause Frank (ed.), Königshausen & Neumann, Würzburg, 71-106.
Mutterrecht und Urreligion. Eine Sammlung der einflussreichsten Schriften
BachofenJohann Jakob, ElsagheYahya (2015), Mutterrecht und Urreligion. Eine Sammlung der einflussreichsten Schriften, Kröner, Stuttgart.
»Hebräer?« Das Gesetz im Kontext von Thomas Manns Bachofen-Rezeption
ElsagheYahya, »Hebräer?« Das Gesetz im Kontext von Thomas Manns Bachofen-Rezeption, in Thomas Mann Jahrbuch, 33.
Hermann Hesse und J. J. Bachofen
ElsagheYahya, Hermann Hesse und J. J. Bachofen, in Mahlmann-Bauer Barbara, Lützeler Paul Michael (ed.), Wallstein, Göttingen.
In nomine patris et filii. Johann Jakob Bachofens drei Namen im Verhältnis zur Genese seiner Matriarchatstheorie
ElsagheYahya, In nomine patris et filii. Johann Jakob Bachofens drei Namen im Verhältnis zur Genese seiner Matriarchatstheorie, in Germanistik in der Schweiz.

Communication with the public

Communication Title Media Place Year
Media relations: print media, online media »Die seltsamste Gelehrtenerscheinung«. Vor zweihundert Jahren wurde Johann Jakob Bachofen geboren... NZZ International 2015

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
176367 Matriarchatsfiktionen. Johann Jakob Bachofen und die deutsche Literatur des 20. Jahrhunderts 01.12.2017 Publication grants

Abstract

Die nach wie vor brisante Frage nach dem Verhältnis der Geschlechter und nach den Ursachen für ihre soziale Ungleichheit wurde nie zuvor so nachhaltig und radikal gestellt wie von einem Schweizer Juristen und Altertumskundler, dem Basler Patrizier Johann Jakob Bachofen. Zu seinen Lebzeiten wenig beachtet und heute einer der Autoren, die fast jeder kennt und kaum einer liest, wurde er gegen Ende des 19. und im Lauf des 20. Jahrhunderts in intermittierenden Schüben wechselweise von Feministinnen und Sozialisten, Kommunisten und Anarchisten, Faschisten und Nationalsozialisten wiederentdeckt. Dabei lag der eigentliche Höhepunkt seiner Rezeptionskarriere in den späteren 1920er- und den frühen 1930er-Jahren. Die Wirkung jedoch, die von Bachofens Matriarchatstheorie insbesondere auf die deutsche Literatur ausging, wurde bis in die 2000er-Jahre sehr weitgehend übersehen; und die seither entstandenen Arbeiten dazu müssten dringend um eine Untersuchung zu einem mittlerweile kanonisch gewordenen Roman ergänzt werden, Die Blendung von Elias Canetti, dessen Nachlass, wie auch derjenige Bachofens in der Schweiz befindlich, im Rahmen der hier projektierten Studie neu aufgearbeitet werden soll.
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