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Zusammenspiel von Wortbildung und Syntax: Nominalisierungsstrategien in verbonominalen Konstruktionen und sekundären Präpositionen

English title Interaction between word formation and syntax: Verbal Nominalizations in Verbonominal Constructions and in Complex Prepositions
Applicant Smirnova Elena
Number 197124
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Faculté des lettres et sciences humaines Université de Neuchâtel
Institution of higher education University of Neuchatel - NE
Main discipline German and English languages and literature
Start/End 01.03.2021 - 28.02.2025
Approved amount 731'647.00
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Keywords (9)

Wortbildung; Lexikalisierung; verbale Abstrakta; Konstruktionsgrammatik; komplexe Präpositionen; verbonominale Konstruktionen; Grammatikalisierung; Textsorten; Nominalisierung

Lay Summary (German)

Lead
Verbale Nominalisierungen wie "Überprüfung", "Beziehung" oder "Bezug" sind im Deutschen stark verbreitet. Sie werden unter anderem individuell im Satzkontext verwendet (vgl. "Bei einer Überprüfung seiner Personalien stellten die Beamten fest..."). Häufiger treten sie allerdings als Bestandteile von verbonominalen Konstruktionen wie "in Beziehung setzen", "zur Verfügung stehen", "in Betracht ziehen" sowie als Teile von komplexen Präpositionen wie "in Bezug auf", "im Zusammenhang mit", "unter Berücksichtigung von".
Lay summary

Obwohl diese Phänomene kein Neuland der germanistischen Forschung darstellen, werfen sie immer noch viele Fragen auf. Das Projekt zielt darauf ab, die Nominalisierungen selbst und die komplexen Konstruktionen mit diesen Nominalisierungen einer detaillierten Analyse zu unterziehen, um wichtige und systematische Zusammenhänge zwischen diesen Phänomenen aufzudecken.

Das Besondere am geplanten Vorgehen ist, dass die Nominalisierungen als Kernbestandteile von verbonominalen Konstruktionen und komplexen Präpositionen sowohl innerhalb als auch außerhalb dieser syntaktischen Strukturen betrachtet werden. Wenn wir nämlich besser verstehen, wie deverbale Nominalisierungen in den beiden Typen von syntaktischen Strukturen funktionieren und warum bestimmte Typen von Nominalisierungen mehr oder weniger dafür geeignet sind, als Kernelemente von solchen syntaktischen Strukturen zu fungieren, dann werden wir die syntaktischen Muster selbst besser verstehen, so der Grundgedanke des geplanten Projekts. Und umgekehrt: Wenn wir besser verstehen, wie die syntaktischen Muster funktionieren und sich über die Zeit entwickeln und warum bestimmte Konstruktionstypen mehr oder weniger produktiv sind, dann werden wir besser verstehen können, welchen Beitrag unterschiedliche Wortbildungsstrategien zur Bildung komplexer syntaktischer Muster leisten.

Ein weiteres Ziel des Projektes ist zu untersuchen, inwiefern unterschiedliche Nominalisierungsmuster, verbonominale Konstruktionen und komplexe Präpositionen des Deutschen im Rahmen der allgemeinen Tendenz zum Nominalstil beschrieben werden können. Sind sie Kennzeichen formeller Sprache und haben sie ihren Ursprung in der Rechts- und Wissenschaftssprache, wie oft vermutet?

Direct link to Lay Summary Last update: 17.12.2020

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Abstract

Das geplante Projekt befasst sich zentral mit zwei Phänomenen des Deutschen: einerseits mit verbonominalen Konstruktionen, oft auch Funktionsverbgefüge genannt, wie in Beziehung setzen, zum Vorschein kommen, ins Rollen bringen sowie andererseits mit komplexen Präpositionen wie in Bezug auf, im Zusammenhang mit, unter Berücksichtigung von. Obwohl diese Phänomene für die linguistische Forschung kein Neuland darstellen, werfen sie immer noch grundlegende Fragen auf, was ihre Definition, ihre Subkategorisierungen, ihre genaue Abgrenzung sowie die Erfassung ihrer diachronen Entwicklung betrifft. In der Literatur werden sie unter beinahe gleichen Gesichtspunkten beschrieben, dennoch wurden sie bislang keiner einheitlichen Betrachtung unterzogen. Das Projekt zielt darauf ab, die Zusammenhänge zwischen diesen Phänomenen näher zu beleuchten und diese in die bekannten diachronen Tendenzen des Deutschen einzubetten. Um dies zu erreichen, nimmt das Projekt eine neue Perspektive ein und setzt bei den nominalen Kernelementen wie Beziehung, Bezug, Vorschein, Berücksichtigung an, die bisher kaum betrachtet wurden. Den Ausgangspunkt bilden also Nomina abstracta, die nach unterschiedlichen Wortbildungsstrategien von Verben abgeleitet sind, darunter die -ung-Nominalisierung (Beschließung), der substantivierte Infinitiv (Beschließen), die implizite (Beschluss) und explizite Derivation (Erkenntnis, Aufnahme) sowie die Stammkonversion (Lauf). Was das geplante Vorhaben besonders auszeichnet, ist, dass diese Nominalisierungen als Kernbestandteile von verbonominalen Konstruktionen und komplexen Präpositionen sowohl innerhalb als auch außerhalb dieser syntaktischen Strukturen betrachtet werden. Durch diesen neuen Blickwinkel werden wertvolle Erkenntnisse erhofft, die sowohl für das Gebiet der Wortbildungsmorphologie als auch für das Gebiet der Syntax von großem Interesse sind. Wenn wir nämlich verstehen, wie deverbale Nominalisierungen in den syntaktischen Strukturen funktionieren und warum bestimmte Nominalisierungstypen besser oder schlechter dafür geeignet sind, Kernelemente von solchen syntaktischen Strukturen zu bilden, dann werden wir die syntaktischen Muster selbst besser verstehen. Und umgekehrt: Wenn wir verstehen, wie die syntaktischen Muster funktionieren und warum bestimmte Konstruktionstypen mehr oder weniger produktiv sind, dann werden wir besser verstehen, welchen Beitrag Wortbildungsstrategien zur Bildung komplexer syntaktischer Muster leisten.Ein weiteres Ziel des Projektes ist zu untersuchen, welche Rolle Nominalisierungen, verbonominale Konstruktionen und komplexe Präpositionen auf der Ebene der Textkonstitution spielen und inwiefern sie im Rahmen der allgemeinen Tendenz zum Nominalstil beschrieben werden können. Sind sie besonders geeignet als Mittel der Textkondensierung und haben sie daher ihren Ursprung in der Rechts- und Wissenschaftssprache, wie oft vermutet?Um diese Fragen zu beantworten, wird eine umfassende Analyse der Korpusdaten aus der Zeit zwischen dem Frühneuhochdeutschen und dem heutigen Deutsch durchgeführt. In theoretischer Hinsicht wird ein einheitliches konstruktionsgrammatisches Netzwerkmodell diskutiert, in dem sowohl Nominalisierungsstrategien als auch syntaktische Mehrwortverbindungen in Relation zueinander dargestellt werden können. Die Ergebnisse des Projektes tragen somit wesentlich bei zu der aktuellen Diskussion um die Relation zwischen Morphologie und Syntax.
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