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Transmediale Resemantisierungen: Mythen der Vier Großen Romane (Si Da Qishu) der chinesischen Kaiserzeit in der Gegenwartskultur

English title Transmedia Resemanticizations: Myths of the Four Great Novels (Si Da Qishu) of Imperial China in Contemporary Culture
Applicant Riemenschnitter Andrea
Number 192811
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Sinologie Asien-Orient-Institut Universität Zürich
Institution of higher education University of Zurich - ZH
Main discipline Other languages and literature
Start/End 01.04.2020 - 31.08.2023
Approved amount 202'726.00
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Keywords (8)

Sanguo Yanyi; Hongloumeng; Fantastische Literatur; Xiyouji; Mythology; Cultural Governance; Shuihu zhuan; Visual Media

Lay Summary (German)

Lead
Die Räuber vom Liangshan-Moor (17. Jahrhundert), Die Geschichte der Drei Reiche (16. Jahrhundert), Die Reise nach dem Westen (16. Jahrhundert) und Der Traum der Roten Kammer (18. Jahrhundert) gehören zu den wichtigsten Romanen Chinas. Diese wurden in den 1980er, 1990er und 2000er Jahren mehrfach als Fernsehserien aufgesetzt. Die für die Bedeutung der Romane wichtigen mythologischen und fantastischen Inhalte wurden dabei unterschiedlich umgesetzt.
Lay summary

Das Projekt untersucht, welche Veränderungen sich an den mythologischen und fantastischen Inhalten ergeben haben, wie sich diese Veränderungen auf die enthaltene Mythologie und die Bedeutung der Romane auswirken und schließlich welche Einflüsse von staatlichen und privaten Akteuren, Besonderheiten der Fernsehserie als Medium oder kulturelle Traditionen hierauf eingewirkt haben. Diese Fragen sind wichtig für das Verständnis Chinas, weil die vier Romane als Klassiker kanonifiziert wurden: sie stellen eine gemeinsame literarisch-kulturelle Basis dar und sind zentral für das nationale Selbstverständnis.

Im Speziellen werden die Heldenmythologie, der Mythos des charismatischen Anführers und Prozesse des Aushandelns oder der Unterdrückung abweichender Wertvorstellungen durch die Religionspolitik betrachtet. Das Projekt verbindet dabei die institutionellen und wirtschaftlichen Bedingungen der Kulturproduktion mit textkritischen und medienwissenschaftlichen Methoden, um Veränderungen aufzuzeigen und mit den unterschiedlichen Deutungs- und Orientierungsansprüchen in Verbindung zu setzen.

Der Prozess der Re-/Integration und Umwertung kultureller Traditionen am Übergang zu neuen Medien, der von diesem Projekt untersucht wird, ist kein chinesischer Sonderfall, sondern findet in anderen modernen Gesellschaften ebenfalls statt.

Direct link to Lay Summary Last update: 29.03.2020

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Abstract

Der seit Ende des 19. Jahrhunderts fortlaufende Prozess der Konstruktion, Etablierung und Modifikation nationaler kultureller Identität in China ist bis zum heutigen Tag stetem Wandel ausgesetzt. Aus den diskursiven Beiträgen von intellektuellen wie politischen Akteuren ist die zunehmend bedeutsame Rolle der Kanonisierung des kulturellen Erbes ersichtlich. Während die Diskursinhalte und ästhetischen Experimente der Elitenkultur in der Literatur und deren symbolischem Inventar wohl beleuchtet sind, wurde der kreativen Reinterpretation von Mythen im Zuge der Medialisierung des literarischen Kanons bisher wenig Beachtung geschenkt.Die Vier Großen Romane (Si Da Qishu) der Ming- und Qing-Zeit - Die Räuber vom Liangshan-Moor (Shuihu Zhuan), Die Reise nach dem Westen (Xiyouji), Die Drei Reiche (Sanguo Yanyi) und Der Traum der Roten Kammer (Hongloumeng) - beinhalten zu unterschiedlichen Anteilen fantastisch-utopische sowie mythologische Elemente, die fortlaufend transmedial bearbeitet und tradiert werden. Die Kanonisierung der Romane als Klassiker der chinesischen, umgangssprachlichen Literatur macht sie zum narratologischen wie semiotischen Referenzrahmen und bestimmt die enorme kulturelle, ideologische und literarische Bedeutung und Aufmerksamkeit, die ihnen beigemessen wird. Wie dieses Kulturgut im Zuge der Anpassung und Neuschöpfung für visuelle Medien re/interpretiert und dann de- bzw. rekonstruiert wurde und wird, ist die zentrale Forschungsfrage. Dies beinhaltet ebenso die Frage, welche Einflüsse von staatlichen und privaten Akteuren, wie staatliche Kultursteuerung, Diskurse Kulturschaffender, mediale Charakteristika oder kulturelle Traditionen, auf die Transformation eingewirkt haben. Schließlich sind die Auswirkungen, die sich aus der Reinterpretation der Texte im neuen Medium auf die betroffenen Mythen, Diskurse und kulturellen Inhalte ergeben, ebenfalls Teil der Fragestellung.Zur Klärung dieser Fragen sind vier Schritte vonnöten. Erstens werden die Einflussfaktoren, d.h. die institutionellen Rahmenbedingungen wie Vor- und Nachzensur, das diskursive Umfeld und die Produktionsfaktoren der beteiligten Medien, geklärt. Zweitens werden die in den Buchtexten enthaltenen Mythen und relevanten Textstellen katalogisiert und textkritisch nach Bedeutung und Herkunft durchleuchtet. Drittens werden die relevanten Passagen in den Verfilmungen medienwissenschaftlich analysiert und auf Dis/Kontinuitäten mit den Buchtexten abgeglichen. Viertens werden die erfassten Dis/Kontinuitäten mit den Einflussfaktoren abgeglichen, um Erklärungsansätze zu generieren, welche dann diachron und synchron mit den restlichen Daten abgeglichen werden können, um Wechselwirkungen zwischen Diskursen und Mythen freizulegen.Diese Untersuchung widmet sich dem Heldenpantheon, das von den analysierten Texten gebildet wird und das den kulturellen Kontext für die revolutionäre Heldenmythologie bildet. Es legt weiterhin die literarischen und kulturellen Grundlagen für den Mythos des charismatischen Anführers frei, dessen sich Xi Jinping bedient, und stellt dar, wie Religionspolitik abweichende Wertvorstellungen in fantastischen Stoffen transformiert. Dabei wird gezeigt, wie visuelle Medien im Wechselspiel historischer, diskursiver und politischer Einflüsse auf den Prozess der kulturellen Tradierung und der Identifikation nationaler Kultur einwirken. Das Projekt soll wichtige Einsichten über die Mittlerfunktion von Massenmedien zwischen Hochkultur und deren Diskursen und dem Rest der Gesellschaft, wie über den transformativen Charakter des Mediums im Hinblick auf die moderne Kultur generieren.
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