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Historische Lernprozesse erforschen

English title Research of Learning Processes in History (RicH)
Applicant Nitsche Martin
Number 192414
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Zentrum Pol. Bildung und Geschichtsdidaktik Pädagogische Hochschule Fachhochschule Nordwestschweiz
Institution of higher education Pädagogische Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz - PH-FHNW
Main discipline Education and learning sciences, subject-specific education
Start/End 01.08.2020 - 31.07.2023
Approved amount 476'398.00
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All Disciplines (2)

Discipline
Education and learning sciences, subject-specific education
Swiss history

Keywords (5)

Historisches Denken; Novizen-Experten-Design; Historisches Lernen; Prozessanalyse; Narrative Kompetenz

Lay Summary (German)

Lead
Dr. Martin Nitsche
Lay summary
Geschichtsvermittlung soll in Zeiten andauernden gesellschaftlichen Wandels dazu befähigen, mittels historischem Denken Handlungsperspektiven für Gegenwart und Zukunft zu entwickeln, indem historisch gelernt wird. Historisches Lernen wird häufig als Entwicklung narrativer Kompetenz definiert. Zudem werden erkenntnistheoretischen Überzeugungen, also Annahmen zur Entstehung historischen Wissens, und metakognitive Strategien und damit Wissen und Fähigkeiten, das eigene Denken zu steuern, als Einflussfaktoren und Outcomes historischen Lernens angenommen, ohne dass deren Funktionen geklärt sind. Ausserdem ist wenig bekannt darüber, wie Lernprozesse und Lernentwicklungen in Geschichte erfasst und diagnostiziert werden können. Diesbezügliche Vorschläge sind empirisch kaum abgesichert.
Die Studie "Historische Lernprozesse erforschen - Research of Learning Processes in History (RicH)" soll hier Klärung schaffen. Dazu werden systematisch die Teilaspekte narrativer Kompetenz sowie die daran beteiligten erkenntnistheoretischen Überzeugungen und metakognitiven Strategien untersucht und verglichen, indem qualitative Daten von Personen mit unterschiedlicher Expertise (z.B. Schüler*innen, 'Hobbyhistoriker*innen', Historiker*innen) gesammelt werden, während die Befragten eine Aufgabe zur Schweizer Geschichte im ersten Weltkrieg lösen.
Die Studie zielt darauf, die Teilaspekte narrativer Kompetenz theorie- und empiriebasiert genauer als bisher zu modellieren. Sie verfolgt ausserdem die Absicht, Lernentwicklungsmodelle der Teilaspekte narrativer Kompetenz zwecks Diagnose historischen Denkens in Forschung und Praxis zu konturieren.
Direct link to Lay Summary Last update: 31.08.2020

Responsible applicant and co-applicants

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Project partner

Abstract

In Zeiten des Wandels, soll Geschichtsvermittlung dazu befähigen mittels historischem Denken Zukunftsoptionen zu entwickeln, indem historisch gelernt wird (z.B. Körber, Schreiber, & Schöner, 2007). Deutschsprachige Autor*innen definieren den Ausdruck historischen Denkens oft als narrative Kompetenz und historisches Lernen als Entwicklung narrativer Kompetenz, weil Geschichte auf historischem Erzählen basiert (z.B. Barricelli, 2005). Undeutlich ist indes, wie historisches Lernen untersucht und Lernerfolg schulisch und ausserschulische diagnostiziert werden kann (z.B. Borries, 2008). Einigkeit besteht lediglich darin, dass es als Entwicklung historischen Denkens beschreibbar ist. Umstritten ist, welche Aspekte zentral sind und wie sich Lernen entwickelt (z.B. Bracke et al., 2018). Zudem wird die Relevanz epistemologischer Beliefs (z.B. VanSledright & Maggioni, 2016) und metakognitiver Strategien für historisches Lernen betont (z.B. Zülsdorf-Kersting, 2019), ohne dass die Funktionen empirisch geklärt sind (z.B. Nokes & De La Paz, 2018). Deshalb wird die Erforschung von historischen Lernprozessen gefordert (z.B. Monte-Sano & Reisman, 2016) und die Notwendigkeit betont, Modelle der Lernprogression historischer Operationen wie historisches Analysieren und Schreiben empirisch zu begründen, mit deren Hilfe «stages» der Lernentwicklung bestimmbar sind (z.B. Boadu & Donnelly, 2019), sodass Leistungen in Geschichte valider untersucht und institutionelle Lehr-Lern-Prozesse zielgruppenbezogen gestaltet werden können (z.B. Radinsky, Goldman, & Pellegrino, 2015). Die Studie «Research of Learning Processes in History (RicH)» folgt dem Paradigma der narrativen Kompetenz. Sie zielt darauf im Deutschschweizer Kontext operationale Prozesse narrativer Kompetenz, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Personengruppen diverser Expertise (z.B. Schüler*innen, Historiker*innen) sowie die Rolle epistemologischer Beliefs und metakognitiver Strategien am Beispiel einer historischen Argumentationsaufgabe zu untersuchen, um daraufhin Lernprogressionsmodelle zu konzipieren. Die RicH-Studie folgt dem Noviz*innen-Expert*innen-Paradigma und zielt auf die qualitative Befragung von etwa 80 Proband*innen. In der Pilotierung wird anhand eigener Forschung eine materialbasierte Aufgabe weiterentwickelt (Nitsche, Waldis, & Gollin, 2019), die Personengruppen diverser Expertise zum historischen Denken mittels historischem Schreiben unter Einbezug ihrer Beliefs und Metakogni-tion anregen soll. Die Aufgabe soll in der Haupterhebung von je 10 bis 15 Proband*innen aus fünf Gruppen (Historiker*innen, ausseruniversitäre Historiker*innen, Studierende, ‘Hobbyhistoriker*innen’, Noviz*innen) bearbeitet werden. Das Sampling erfolgt bis zur «theoretischen Sättigung» (z.B. Strübing, 2014, S. 32ff.) der empirischen Analysen. Die Erhebung analytischer Aspekte historischen Denkens wird mittels Lautem Denken (Konrad, 2010) anhand der materialbasierten Aufgabe durchgeführt. Auf dieser Grundlage soll das Schreiben der Befragten mittels softwaregestütztem «Keystroke logging» (Leijten & Van Waes, 2013) am Computer und kognitiver Interviews (Beatty & Willis, 2007) nach dem Schreiben erfasst werden. Der Auswertung dienen vor allem qualitative Inhaltsanalysen (Mayring, 2010).Die RicH-Studie soll erstmals systematisch Operationen historischen Denkens und deren Qualitätsunterschiede sowie die Rolle epistemologischer Beliefs und metakognitiver Strategien bei Personen diverser Expertise während der Lösung einer historischen Aufgabe explorieren. Pragmatisch zielt die Studie darauf, Progressionsmodelle zur empirischen Erforschung und zur Diagnose historischen Lernens für die Geschichtsvermittlung zu entwickeln.
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