Project

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Denken mit den Händen - Willy Guhls Entwurfspraxis als angewandte Designforschung

Applicant Menzi Renate
Number 189006
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Designsammlung Museum für Gestaltung Zürich Zürcher Hochschule der Künste
Institution of higher education Zurich University of the Arts - ZHdK
Main discipline Visual arts and Art history
Start/End 01.03.2020 - 29.02.2024
Approved amount 603'067.00
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All Disciplines (3)

Discipline
Visual arts and Art history
Architecture and Social urban science
Education and learning sciences, subject-specific education

Keywords (18)

Designforschung; Didaktik; Designgeschichte der Schweiz; Nachlassforschung; Epistemologien des Ästhetischen; Fotografie; Innenarchitektur; Produktgestaltung; Designtheorie; Entwurf; Designprozess; Handwerk; tacit knowledge; Vermittlung; Funktionalismus; Künstlerische Forschung; Gestalterische Lehre; Materielle Kultur

Lay Summary (German)

Lead
Der Schweizer Designer Willy Guhl hat nicht nur weltbekannte Möbelklassiker geschaffen, er hat sein Wissen auch an Generationen von Innenarchitektinnen und Produktdesignern weitergegeben. Als Entwerfer schrieb er kaum Texte, sein Wissen ist in seinen Objekten und Fotografien enthalten und in seinen überlieferten Geschichten, denn er war ein begnadeter Redner. Das Projekt untersucht Guhls Designwissen als «Denken mit den Händen» im Zusammenhang mit Theorien der aktuellen Designwissenschaft.
Lay summary

Willy Guhl

Der Schweizer Designer Willy Guhl (1915–2004) wird als Pionier des modernen Industriedesigns angesehen. Er schuf nicht nur weltbekannte Designklassiker wie etwa den Stuhl Scobalit mit Kunststoffsitzschale (1947) oder den Strandstuhl (1954) für die Firma Eternit, sondern er hat sein Wissen und Können ausserdem in die Lehre an der Zürcher Kunstgewerbeschule eingebracht. Als Nachfolger von Wilhelm Kienzle (1886–1958) von dem er selbst in der in der Klasse Innenausbau ausgebildet wurde, hat Willy Guhl den ersten Schweizer Studiengang für Innenarchitektur und Produktgestaltung etabliert und bis zu seiner Pensionierung 1980 geleitet. Willy Guhl hat als Gestalter und als Lehrer Generationen von Designern geprägt. Dennoch gibt es über ihn kaum wissenschaftliche Literatur.

 

Ziel des Forschungsprojekts

Das geplante Forschungsprojekt unternimmt den erstmaligen Versuch, den Designer Willy Guhl mit Bezug auf seine gestalteten Objekte, seine Lehre und seine «forschende Arbeitsweise» im Licht neuerer Theorien der Designforschung und Designwissenschaft in einen Zusammenhang zu stellen. Dazu soll Guhls «implizites Wissen» anhand materieller Objekte (Möbel, Zeichnungen, Fotografien, Lehrmaterialien) sowie mündlicher Quellen (Gespräche mit ehemaligen Schülerinnen, Lehrerkollegen und Expertinnen) untersucht und als «Denken mit den Händen» exponiert werden. Das Museum für Gestaltung Zürich, an dem das Forschungsprojekt angesiedelt ist und durchgeführt wird, verfügt über Willy Guhls vollständigen Nachlass.

 

Thematischer Aufbau und Teilprojekte

Das Projekt besteht aus drei Teilen: einem Basisteil zu Guhls Entwurfstheorie (Renate Menzi, Leiterin der Designsammlung des Museums) sowie zwei Dissertationsprojekten, nämlich einer Arbeit zu Guhls fotografischem Nachlass (Ann-Kathrin Hörrlein) sowie zu Guhls Lehrmethoden (Katrin Stowasser). Dabei besteht die Grundthese des Forschungsprojekts darin, dass Guhls Designpraxis exemplarisch als «Designforschung» im Sinne einer «Forschung durch Design» diskutiert wird.

 

 

 

Direct link to Lay Summary Last update: 01.04.2020

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Project partner

Abstract

1. ZusammenfassungWilly Guhl (1915-2004) gehört zu den bedeutendsten Schweizer Designern und kann als Pionier des modernen, «neofunktionalistischen» Industriedesigns angesehen werden. Seine herausragenden Entwürfe, beispielsweise der Strandstuhl (1954) aus Faserzement, zählen zu den weltbekannten Designikonen des 20. Jahrhunderts. Über 39 Jahre hat Willy Guhl sein Wissen und Können als Entwerfer ausserdem in die Lehre an der Kunstgewerbeschule in Zürich, heute Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK), eingebracht. Als Nachfolger von Wilhelm Kienzle (1886-1958) von dem er selbst in der Klasse Innenausbau ausgebildet wurde, hat Willy Guhl den ersten Schweizer Studiengang für Innenarchitektur und Produktgestaltung etabliert und bis zu seiner Pensionierung 1980 geleitet. Willy Guhl hat als Gestalter und Lehrer Generationen von Designern, nicht nur in der Schweiz, geprägt. Dennoch gibt es über ihn kaum nennenswerte wissenschaftliche Literatur, weder mit Blick auf die Designgeschichte noch in Ansehung seines vielfältigen Werks, seiner besonderen Verfahren in der Entwurfspraxis, seines Designdenkens als angewandter Forschung oder seinem spezifischen Verständnis einer «narrativen» Designdidaktik. Das geplante Forschungsprojekt unternimmt den erstmaligen Versuch, den Designer Willy Guhl mit Bezug auf seine gestalteten Objekte, seine in Vorträgen explizit vertretenen ganzheitlichen Designprinzipien, sein Entwurfsdenken und seine «forschende Arbeitsweise» im Licht neuerer Theorien der Designforschung und Designwissenschaft in einen integralen Zusammenhang zu stellen. Dazu soll Guhls implizites Wissen, er hat selbst kaum etwas verschriftlicht, im Kontext seiner Entwurfspraxis und Lehre anhand von materiellen Quellen (dreidimensionale Objekte), Bild- und Textquellen (Vorträge, Fotografien, Lehrmaterialien etc.) sowie mündlichen Quellen (Oral History) durch die Befragung von Schülerinnen, Lehrerkollegen und Expertinnen untersucht und als für die Designforschung exemplarisches, im Projekt näher zu beschreibendes Denken mit den Händen, exponiert werden. Das Museum für Gestaltung Zürich, Teil des Departements Kulturanalysen und Vermittlung der ZHdK, an dem das Forschungsprojekt angesiedelt ist und durchgeführt wird, verfügt dazu nicht nur über eine umfassende Objektsammlung zu Willy Guhl, sondern auch über seinen vollständigen Nachlass mit Vortragsskizzen, Unterrichtsmaterialien und über 6000 Diapositiven. Zusammen mit den Beständen des ZHdK Archivs bilden sie die «Datengrundlage» des Projekts, das aus drei Teilen besteht: einem Basisteil zur impliziten Entwurfstheorie Guhls (Renate Menzi, Leiterin der Designsammlung und Verantwortliche für deren Beforschung) sowie zwei Dissertationsprojekten, nämlich einer Arbeit zur Rekonstruktion der Entwurfs- und Gestaltungsprinzipien Guhls anhand des fotografischen Nachlasses (Ann-Kathrin Hörrlein) sowie zum Designwissen in Objekten anhand von Guhls Lehrmethoden als Designforschung (Katrin Stowasser). Dabei besteht die Grundthese des Forschungsprojekts darin, dass Guhls «neofunktionalistische Designpraxis» exemplarisch das vorwegnimmt, was derzeit als «Designforschung» im Sinne einer «Forschung durch Design» diskutiert wird.
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