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Albanisch im Kontakt: Horizontaler Transfer und Identitätsstifung in der Mehrsprachigkeitspraxis

Applicant Sonnenhauser Barbara
Number 182126
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Slavisches Seminar Universität Zürich
Institution of higher education University of Zurich - ZH
Main discipline Other languages and literature
Start/End 01.05.2019 - 30.04.2022
Approved amount 966'551.00
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All Disciplines (2)

Discipline
Other languages and literature
Applied linguistics

Keywords (6)

Mehrsprachigkeit; Albanisch; Herkunftssprache; Sprachkontakt; Sprachwandel; Sprachbewusstsein

Lay Summary (German)

Lead
Sprachenvielfalt und Mehrsprachigkeit charakterisieren die schweizerischen Sprachlandschaft und betre?en auch Herkunftssprachen. Am Beispiel der albanischen Sprachgruppe wird erfasst, wie Sprechende dreier Generationen ihre sprachliche Biographie interpretieren und praktizieren und inwiefern diese sprachliche Praxis in ihren vielfältigen soziokulturellen Kontexten zu einer Veränderung der in Kontakt stehenden Sprachen beiträgt.
Lay summary

Albanischsprachige Gemeinschaften zählen zu den grössten Migrantengruppen im deutschen Sprachraum, doch ist über ihre Sprache und das sprachliche Verhalten noch wenig bekannt. Da gesellschaftliche und wirtschaftliche Integration und Teilhabe sowie Identitätsbildung unent?echtbar mit ermöglichter und geförderter Sprachpraxis verbunden sind, stellt die Untersuchung der herkunftssprachlichen Praxis und ihrer Interaktion mit den neuen Mehrheitssprachen ein dringendes Desiderat dar.
Das Projekt möchte ein umfassendes Bild der sprachlichen Praxis der drei Generationen umfassenden albanischsprachigen Gemeinschaft in Zürich und München über die Zeit und in verschiedenen Kontaktsituationen erarbeiten, indem Methoden der Herkunftssprachlinguistik und -didaktik mit solchen der Kontakt-, Sozio- und Variationslinguistik kombiniert werden. Mittels crowd sourcing Verfahren wird im Sinn einer partizipativen Wissenschaft die Gemeinschaft der Herkunftssprachensprecher in die wissenschaftliche Arbeit einbezogen.
Die Projektergebnisse dienen als Grundlage für das Erarbeiten fachdidaktischer Materialien für Lehre und Praxis sowie für weiterführende soziologische und pädagogische Fragestellungen. Sie versprechen Erkenntnisgewinn für die Bedingungen von Sprachkontakt und stellen einen Ausgangspunkt für das Implementieren von konkreten Kontaktsituationen in Modelle dar, die Aufschluss auch über historische Wandelprozesse ermöglichen.
Das Projekt schärft das Bewusstsein für natürliche Mehrsprachigkeit als gesellschaftliche Ressource und trägt zur universitären Einbindung herkunftssprachlicher Aspekte an der Schnittstelle von Linguistik, Pädagogik und Erziehungswissenschaft bei.

Direct link to Lay Summary Last update: 27.02.2019

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Project partner

Abstract

Sprachenvielfalt und Mehrsprachigkeit sind zentrale Begriffe der schweizerischen Sprachpolitik und Sprachlandschaft und betreffen auch Herkunftssprachen von Migrantengruppen. Obwohl albanischsprachige Gemeinschaften (meist aus Kosovo und aus Mazedonien) seit den 1980er Jahren zu den grössten Migrantengruppen im deutschen Sprachraum und speziell in der Schweiz zählen, ist über die Sprache und das sprachliche Verhalten dieser mittlerweile mehrere Generationen umfassenden Sprechergemeinschaft trotz bedeutender Pionierwerke noch wenig bekannt. Angesichts der Tatsache, dass gesellschaftliche und wirtschaftliche Integration und Teilhabe sowie Identitätsbildung unentflechtbar mit Sprache, ermöglichter und geförderter Sprachpraxis und Sprachbewusstsein verbunden sind und immer waren, stellt die Untersuchung der herkunftssprachlichen Praxis und ihrer Interaktion mit den neuen Mehrheitssprachen ein dringendes Desiderat dar. In diesem Projekt wird ein umfassendes Bild der sprachlichen Praxis der Herkunftssprachensprecher des Albanischen und der verwendeten Sprache(n) über die Zeit und in diversen Kontaktsituationen erarbeitet, indem Ansätze und Methoden der Herkunftssprachlinguistik und -didaktik mit solchen der Kontakt-, Sozio- und Variationslinguistik kombiniert werden. Die Verbindung dieser Zugänge ermöglicht a) akteurzentrierte bottom-up Einblicke in kontaktinduzierte Spezifikation von Merkmalen (Bewahrung oder Veränderung), die ihrerseits die Voraussetzung für die Modellierung von Sprachkontakt in der Sprachgeschichte und Sprachevolution darstellen, und b) die Entwicklung anwendungsorientierter Lösungen für die Pflege von Herkunftssprache als Instrument der Integration via gesellschaftlicher Teilhabe und zur Stärkung der im heutigen Europa unentbehrlichen Mehrsprachigkeit. Zu allen Bereichen existieren substantielle Vorarbeiten, doch fehlen sowohl in der Herkunftssprachlinguistik und -didaktik und der Kontaktlinguistik belastbare Studien über längere Zeitverläufe unter maximal kontrollierten soziokulturellen Bedingungen. Dies betrifft neben Untersuchungen zum Albanischen als Herkunftssprache in deutschsprachiger Umgebung und den diversen Kontakterscheinungen in den beteiligten Varietäten, auch das mikroperspektivische Nachzeichnen der soziokulturellen Motivation und sprachlichen Prozesse bei Sprachentwicklung in spezifischen Kontaktkonfigurationen. Die sprachlichen Daten werden in drei Sprechergenerationen anhand verschiedener Stimuli elizitiert und in Familiennetzwerken sowie mit crowd sourcing erhoben, soziokulturelle Information mittels biographischer und narrativer Interviews gewonnen. Die Texte werden durch Linguisten und im crowd sourcing-Verfahren durch Herkunftssprachensprecher doppelt kodiert; für letztere können so zugleich Sprachbewusstsein und die Einstellung zur Herkunftssprache erhoben werden. Die entstehenden soziolinguistischen Sprecherprofile und Spracheinstellungen werden mit den sprachlichen Daten korreliert. Anhand der Veränderungen der Sprachstruktur über die Sprechergenerationen hinweg werden somit qualitativ und quantitativ Kontakteffekte unter gut kontrollierbaren Bedingungen extrahiert und evaluiert. Die Verbindung struktur- und soziolinguistischer Ansätze für eine umfassende Analyse der linguistischen, soziokulturellen und gesellschaftspolitischen Relevanz herkunftssprachlicher Aspekte verspricht in dieser Kombination und für alle genannten disziplinären Perspektiven einen signifikanten wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn sowie anwendungsorientierte Produkte in Form von didaktischen und pädogogischen Materialien. Konkret werden für die Kontaktlinguistik empirische Daten zur Abschätzung von Kontakteinfluss für phylogenetische Modelle zur Verfügung gestellt, sowie Unterrichtsmaterialien für den Herkunftssprachunterricht erstellt. Die Resultate werden in Form von Qualifikationsschriften, wissenschaftlichen Publikationen, Infobroschüren und Webauftritten verbreitet, die erhobenen Daten auf geeigneten Repositorien (DaSCH) deponiert und verfügbar gemacht.
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