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Handlungsformen der Gesetzessprache: Untersuchungen zur Text- und Satzpragmatik der Gesetzesredaktion am Beispiel von Gesetzestexten des schweizerischen Bundesrechts

English title Speech acts in the language of law: An analysis of the textual and sentential pragmatics of legislative drafting based on Swiss federal laws
Applicant Höfler Stefan
Number 176717
Funding scheme SNSF Professorships
Research institution Linguistische Abteilung Deutsches Seminar Universität Zürich
Institution of higher education University of Zurich - ZH
Main discipline German and English languages and literature
Start/End 01.01.2019 - 31.12.2022
Approved amount 1'491'906.00
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All Disciplines (2)

Discipline
German and English languages and literature
Legal sciences

Keywords (8)

Legislative drafting; Language and law; Speech acts; Pragmatics; Text function; Text types; Legal linguistics; Text linguistics

Lay Summary (German)

Lead
Die Forderung nach verständlich(er)en Gesetzestexten ist zwar nicht neu, bleibt aber von unverminderter gesellschaftlicher Brisanz. Der Schweiz kommt dabei eine Vorreiterrolle zu: Sie kennt eine Praxis des verständlichen Formulierens von Gesetzestexten, die bis in die Anfänge des modernen Bundesstaats zurückreicht. Erstaunlicherweise ist diese Praxis sprachwissenschaftlich bislang erst spärlich analysiert und reflektiert worden. Das geplante Projekt leistet einen Beitrag zur Schliessung dieser Forschungslücke.
Lay summary
Gesetzestexte enthalten eine auf den ersten Blick überraschende Vielfalt sprachlicher Handlungen: z.B. Verbote, Erlaubnisse, Ermächtigungen und Strafandrohungen, aber auch Präambeln, Zweck-, Gegenstands- und Inkrafttretensbestimmungen sowie Vollziehungsverordnungen, Umsetzungsgesetze und Änderungserlasse. Die konkrete sprachliche Realisierung dieser Handlungsformen beeinflusst, wie verständlich ein Gesetzestext ist und wie bereitwillig er von den Bürgerinnen und Bürgern akzeptiert wird.

Das geplante Projekt hat zum Ziel, eine linguistische Beschreibung gesetzessprachlicher Handlungsformen zu entwickeln, die einerseits aufzeigt, wie Gesetzestexte als komplexe, institutionalisierte Sprachhandlungen «funktionieren», und es andererseits erlaubt, verschiedene Varianten der sprachlichen Realisierung mit Blick auf die Verständlichkeit und auf die Haltung, die der Staat darin gegenüber seinen Bürgerinnen und Bürgern zum Ausdruck bringt, zu reflektieren.

Das Projekt hat also sowohl eine theoretisch-beschreibende als auch eine praxisorientierte Komponente. Es befasst sich namentlich mit den folgenden Forschungsfragen:

1. Welche Sprachhandlungen kommen in Gesetzestexten vor?

2. Mit welchen Formulierungsmustern werden diese Sprachhandlungen in der schweizerischen Gesetzessprache realisiert?

3. Welche Auswirkung haben die verschiedenen Formulierungsvarianten auf die Verständlichkeit der Texte?

Im Fokus des Projekts stehen die deutschsprachigen Gesetzestexte des schweizerischen Bundesrechts. Wo dies dem Erkenntnisgewinn nützt, werden die dort gefundenen Formulierungsmuster aber zusätzlich mit den Formulierungsmustern in Gesetzestexten anderer deutschsprachiger Länder verglichen.
Direct link to Lay Summary Last update: 16.04.2018

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
154951 Der textuelle Aufbau von Gesetzesartikeln - Textlinguistische Modelle im Dienste der Rechtsetzungslehre 01.03.2015 Ambizione
134701 AutoLegis: Automated detection of styleguide violations in legislative drafts 01.05.2011 Project funding (Div. I-III)

Abstract

Die Forderung nach verständlich(er)en Gesetzestexten ist zwar nicht neu, bleibt aber von unverminderter gesellschaftlicher Brisanz. Der Schweiz kommt dabei eine Vorreiterrolle zu: Sie kennt eine Praxis des verständlichen Formulierens von Gesetzestexten, die bis in die Anfänge des modernen Bundesstaats zurückreicht. Erstaunlicherweise ist diese Praxis sprachwissenschaftlich (und insbesondere textpragmatisch) bislang erst spärlich analysiert und reflektiert worden. Das geplante Projekt leistet einen Beitrag zur Schliessung dieser Forschungslücke.Die Textpragmatik fasst Texte als komplexe sprachliche Handlungen auf, die einem bestimmten kommunikativen Zweck dienen. Für gewisse Zwecke haben sich dabei besondere Formen sprachlichen Handelns herausgebildet. Das gilt auch für die Gesetzgebung. Gesetzestexte enthalten eine auf den ersten Blick überraschende Vielfalt sprachlicher Handlungen: auf der textuellen Ebene (z.B. Verbote, Erlaubnisse, Ermächtigungen, Strafandrohungen), auf der metatextuellen Ebene (z.B. Präambeln, Zweck-, Gegenstands-, Inkrafttretensbestimmungen) und auf der intertextuellen Ebene (z.B. Vollziehungsverordnungen, Umsetzungsgesetze, Änderungserlasse). Die konkrete sprachliche Realisierung dieser Handlungsformen beeinflusst, wie verständlich ein Gesetzestext ist und wie bereitwillig er von den Rechtsunterworfenen akzeptiert wird.Das geplante Projekt hat zum Ziel, eine textpragmatische Beschreibung gesetzessprachlicher Handlungsformen zu entwickeln, die einerseits aufzeigt, wie Gesetzestexte als komplexe, institutionalisierte Sprachhandlungen «funktionieren», und es andererseits erlaubt, verschiedene Varianten der sprachlichen Realisierung mit Blick auf die Verständlichkeit und auf die Haltung, die der Gesetzgeber darin gegenüber den Rechtsunterworfenen zum Ausdruck bringt, zu reflektieren. Das Projekt hat also sowohl eine theoretisch-beschreibende als auch eine praxisorientierte Komponente. Es befasst sich namentlich mit den folgenden Forschungsfragen:1. Welche textuellen, metatextuellen und intertextuellen Sprachhandlungen kommen in Gesetzestexten vor?2. Mit welchen Formulierungsmustern werden diese Sprachhandlungen in der schweizerischen Gesetzessprache realisiert?3. Welche Auswirkung haben die verschiedenen Formulierungsvarianten auf die Verständlichkeit der Texte?Die Beantwortung dieser Fragen erfolgt auf der Grundlage korpusbasierter Analysen. Dabei werden textpragmatische Beschreibungsmodelle auf konkrete Gesetzestexte angewendet und, sofern erforderlich, unter Zuhilfenahme rechtstheoretischer Konzepte für die Textsorte «Gesetz» angepasst und weiterentwickelt.Im Fokus des Projekts stehen die deutschsprachigen Gesetzestexte des schweizerischen Bundesrechts. Wo dies dem Erkenntnisgewinn nützt, werden die dort gefundenen Formulierungsmuster aber zusätzlich mit den Formulierungsmustern in Gesetzestexten anderer deutschsprachiger Länder verglichen. Mit der geplanten Förderungsprofessur wird ein interdisziplinäres Team aufgebaut, das sprach- und rechtswissenschaftliche Kompetenz vereinigt. So wird es möglich, substanzielle Beiträge zur wissenschaftlichen Erschliessung der Sprache des Rechts, und speziell der schweizerischen Gesetzessprache, sowie zur textlinguistischen Analyse der gesellschaftlich besonders relevanten Textsorte «Gesetz» zu leisten. Die Forschungsresultate werden der Wissenschaft in Form von Publikationen, den Studierenden der Sprach- und Rechtswissenschaften im Rahmen interdisziplinärer Lehrveranstaltungen und der Praxis über Weiterbildungsseminare zur Gesetzesredaktion zugänglich gemacht.
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