Projekt

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Fortschreitender Akzeptanzverlust beim Zielpublikum - die Zukunft des Service public in der Schweiz auf dem Prüfstand. Nutzung und zukünftiger Bedarf an audiovisuellen Service public-Angeboten bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Schweiz.

Titel Englisch The progressive loss of acceptance among the target audience - the future of Swiss public broadcasting services on the test bench. Uses and future needs of audiovisual public broadcasting services of youth and young adults in Switzerland.
Gesuchsteller/in Künzler Matthias
Nummer 176466
Förderungsinstrument Projektförderung (Abt. I-III)
Forschungseinrichtung Schweiz. Institut Informationswissenschaft Departement Medien Information Kommunikation Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW)
Hochschule Fachhochschule Ostschweiz - FHO
Hauptdisziplin Kommunikations- und Medienwissenschaften
Beginn/Ende 01.10.2017 - 30.09.2020
Bewilligter Betrag 486'339.00
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Keywords (12)

Digitalisierung; Service public; Rezipientenforschung; Medienwandel; öffentlicher Rundfunk; audiovisuelle Mediennutzung; Mobile Media; Online-Medien; Organisationswandel; Public Service Media; Medienstrukturwandel; Formatanalyse

Lay Summary (Deutsch)

Lead
Die Nutzungszahlen der gebührenfinanzierten Medienanbieter verweisen auf einen Akzeptanzverlust, insbesondere von Seiten jüngerer ZuschauerInnengruppen. Dies geht einher mit einer Zunahme der Nutzung online-basierter alternativer audiovisueller Medienangebote. Informationsangebote/Nachrichten scheinen eher auf YouTube und Facebook wahrgenommen zu werden, als im Schweizer Fernsehen mit öffentlichem Leistungsauftrag. Es gilt nun zu prüfen, welche Angebote auf langfristiger Perspektive von Publikumsseite gewünscht werden. Im Besonderen die Frage, in wieweit der Service public als demokratierelevante Institution und Marke hier eine besondere Position einnimmt.
Lay summary

Inhalt und Zielsetzung:

Die Informations- und Unterhaltungsprogramme des öffentlichen und in beschränktem Masse des privaten Rundfunks bilden den Kern des audiovisuellen "Service public". Dieser soll Information, Debatte, kulturelle Entfaltung und Integration ermöglichen. Das veränderte Mediennutzungsverhalten hat jedoch dazu geführt, dass sich besonders jüngere Mediennutzerinnnen und -nutzer von solchen Programmangeboten abwenden und das auf Partizipation und Integration angelegte Finanzierungs- und Organisationsmodell öffentlicher Rundfunkorganisationen in Frage stellen.

Vor diesem Hintergrund untersucht das Projekt zum einen die Nutzungsmodalitäten, -präferenzen und Einstellungen der jüngeren Zielgruppen in der immer stärker online-, mobil- und nichtlinear geprägten Medienwelt. Zum anderen wird analysiert, welche bestehenden und innovativen Formate das Potenzial als demokratierelevante audiovisuelle Programminnovationen bieten und welche neuen Organisationsformen und Arbeitsabläufe in den Medienhäusern (Service public) zu deren Umsetzung benötigt werden.

Zum wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Kontext:

Die Analyse der Publikumsbedürfnisse junger Zielgruppen erlaubt es, das “Mindset” der 'jungen' Generation auf empirischer Basis zu untersuchen. In Kombination mit der Analyse demokratierelevanter audiovisueller Formate lassen sich Vorschläge für die Transformation von öffentlichen und privaten Medienorganisationen entwickeln, die einen publizistischen Leistungsauftrag erfüllen wollen, sollen oder müssen.

Direktlink auf Lay Summary Letzte Aktualisierung: 12.10.2017

Verantw. Gesuchsteller/in und weitere Gesuchstellende

Mitarbeitende

Projektpartner

Abstract

Die audiovisuellen Informations- und Unterhaltungsprogramme des öffentlichen Rundfunks galten in der Schweiz und in anderen Ländern bislang als Kern des “Service public”, welcher einen demokratie- und gesellschaftspolitisch relevanten Beitrag zur Information, Debatte, kulturellen Entfaltung und Integration zu leisten hatte. In beschränktem Mass weist der Schweizerische Gesetzgeber auch den konzessionierten lokal-regionalen Privatsendern einen solchen Leistungsauftrag zu. Das Aufkommen unterschiedlicher Online-Medien und die damit einhergehende Veränderung des Mediennutzungsverhaltens besonders bei jüngeren Zielgruppen haben dazu geführt, dass breite Teile der Bevölkerung und der Politik das gebührenbasierte Finanzierungs- und das auf gesellschaftliche Partizipation und Integration angelegte Organisationsmodell des Service public in Frage stellen. Dieses Problem dürfte sich verschärfen, wenn es öffentlichen Rundfunkorganisationen und Privatsendern mit Leistungsauftrag nicht gelingt, ihr audiovisuelles Programmangebot zukünftig an die Bedürfnisse der jüngeren Zielgruppe, also der nachwachsenden Generation erfolgreich anzupassen.Vor diesem Hintergrund untersucht das Projekt zum einen die Nutzungsmodalitäten, -präferenzen und Einstellungen der jüngeren Zielgruppen in Zeiten einer zunehmend online-, mobil- und nichtlinear geprägten Medienwelt. Zum anderen wird analysiert, welche bestehenden und neue entwickelten Formate das Potenzial als demokratierelevante audiovisuelle Programminnovationen bieten, die an das neue Nutzungsverhalten des jüngeren Publikums angepasst sind und bei ihm auf Akzeptanz stossen. Solche innovativen audiovisuellen Formate bedingen oft andere Produktionsprozesse. Folglich stellt sich die Frage, welche veränderten Organisationsformen und Arbeitsabläufe zu deren Umsetzung benötigt werden. Aus den gewonnenen Erkenntnissen sollen Vorschläge für die Transformation von öffentlichen und privaten Medienorganisationen entwickelt werden, die einen publizistischen Leistungsauftrag erfüllen wollen, sollen oder müssen. Zur Umsetzung dieses Forschungsvorhabens ist ein mehrstufiges Verfahren geplant: 1.) Analyse des (audiovisuellen) Mediennutzungsverhaltens auf Grundlage einer Sekundäranalyse vorliegender Nutzungsdaten sowie einer repräsentativen, quantitativen Befragung zur a) (audiovisuellen) Mediennutzung und b) Einstellung gegenüber Service public-Angeboten der Altersgruppe 14-35 zur Neuerhebung bislang nicht systematisch und vertieft verfügbarer Nutzungsmodalitäten;2.) Analyse von innovativen demokratierelevanten audiovisuellen Formaten (Best-practice-Beispiele) und den damit verbundenen Strategien, Organisationsformen und Produktionsprozessen bei öffentlichen und privaten Rundfunkunternehmen im In- und Ausland (SRG; gebührenfinanzierte Lokal-Regionalsender; ausländische öffentliche und private Sender in Europa); 3.) Durchführung von Diskussionen mit jüngeren Personen (Alter 14-35 Jahre) zur Validierung der Umfrage und Erhebung der Einstellungen und Präferenzen junger Zielgruppen gegenüber dem öffentlichen Rundfunk; 4.) Erarbeitung von Vorschlägen zur Transformation des öffentlichen Rundfunks und privater Rundfunkangebote mit publizistischer Zielsetzung für die Zukunft auf Grundlage der erhobenen Daten. Dies beinhaltet auch eine externe Validierung der Vorschläge in Roundtables mit in- und ausländischen Experten;5.) Theoretisch fundierte Weiterführung der in der Öffentlichkeit geführten Debatte.Zur Bedeutung und Aktualität des Projekts: Die Analyse der Publikumsbedürfnisse junger Zielgruppen erlaubt es, das “Mindset” der für öffentliche Rundfunkorganisationen und private Rundfunkorganisationen mit Service-public-Angeboten zunehmend schwieriger zu erreichenden ‘jungen’ Generation auf empirischer Basis zu untersuchen. In Kombination mit der Analyse demokratierelevanter audiovisueller Formate lässt sich aufzeigen, woran es dem audiovisuellen Angebot des öffentlichen Rundfunks gegenüber neuen Online-Angeboten wie YouTube, YouNow, rocketbeans.tv oder privater TV-Anbieter mangelt und welche Möglichkeiten es gäbe, solche neuen Formen bei der SRG SSR oder weiteren Anbietern mit Leistungsauftrag zu integrieren und insbesondere dem öffentlichen Rundfunk seine bislang wesentliche Rolle für die demokratische Gesellschaft zu erhalten. Im Jahr 2018 wird es aufgrund der voraussichtlich durchgeführten Abstimmung zur Abschaffung der Rundfunk-/ Haushaltsgebühr (No-Billag-Abstimmung) zu einer Intensivierung der politischen Debatte über die Zukunft des Service public in der Schweiz kommen. Das Projekt leistet einen substantiellen Beitrag der Aufklärung in der zu erwartenden medienpolitischen Debatte.
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