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Im Land der Bauernutopie: Imaginationen traditionaler Gemeinschaft in der russisch-sowjetischen Literatur der 1910er bis 1930er Jahre

Applicant Fitzé Eliane
Number 174998
Funding scheme Doc.CH
Research institution Departement für Sprachen und Literaturen Slavistik Universität Freiburg
Institution of higher education University of Fribourg - FR
Main discipline Other languages and literature
Start/End 01.09.2017 - 31.03.2021
Approved amount 214'724.00
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Keywords (6)

Literatur und nationale Identität; Imaginationen von Gemeinschaft; Sowjetische Literatur; Russische Literatur; Imagined communities; Utopie

Lay Summary (German)

Lead
Das Forschungsprojekt untersucht traditional-konservative Vorstellungen des ‚Russischen‘ anhand der bäuerlichen Thematik in der russisch-sowjetischen Literatur der 1910er bis 1930er Jahre.
Lay summary

Diskussionen über das Wesen und die Zukunft Russlands fanden traditionell weitgehend im Bereich der Literatur statt, wo der russische Bauer und die bäuerliche Lebensweise als Bezugspunkt für traditionalistisch-konservative Vorstellungen von Gemeinschaft dienten. Nach der Oktoberrevolution prallten diese traditionalistischen Imaginationen eines ‚Russentums‘ mit den frühen sowjetischen Bemühungen zusammen, einen neuen sowjetischen supranationalen Bezugsrahmen für die Selbstidentifikation zu fördern. Dennoch fanden Anspielungen auf bäuerliche Lebenserfahrung und versteckte Bezüge zu vorrevolutionären russophilen Denktraditionen ihren Weg in die offiziell veröffentlichte Literatur. Dieses Forschungsprojekt untersucht, wie das bäuerliche Thema in der russischen sowjetischen Literatur der 1910er bis 1930er Jahre dazu beigetragen hat, konservative Vorstellungen des ‚Russischen‘ über die russische Revolution hinaus fortzutragen und in den neuen sozialistischen Kontext einzuschreiben.

Das Projekt konzentriert sich unter anderem auf Werke folgender Autoren: Aleksandr Cajanov (1888-ca. 1937), Sergej Esenin (1895-1925), Nikolaj Kljuev (1884-1937), Sergej Klyckov (1889-1937), Leonid Leonov (1899-1994), Boris Pil’njak (1894-1938), Andrej Platonov (1899-1951), Aleksandr Tvardovskij (1910-1971).

Direct link to Lay Summary Last update: 07.01.2019

Lay Summary (English)

Lead
This research project examines traditional-conservative imaginations of ‘Russianness’ in Russian-Soviet literature of the 1910s to 1930s.
Lay summary

Discussions on national identity and on the future of Russia had traditionally taken place largely in the field of literature, where the Russian peasant and the peasant way of life had served as a point of reference for traditionalist-conservative imaginations of community. After the October Revolution, these traditionalist notions of ‘Russianness’ collided with the early Soviet endeavors to foster a new Soviet supra-national frame of reference for self-identification. Nevertheless, allusions to peasant life experience and hidden references to established russophile schools of thought still found their way into officially published literature. This research project examines how the peasant theme in Russian Soviet literature of the 1910s to 1930s therefore contributed to a perpetuation of conservative imaginations of ‘Russianness’ beyond the Russian Revolution, inscribing them into the new Socialist context.

Among others, the project focusses on works by the following authors: Aleksandr Chaianov (1888-ca. 1937), Sergei Esenin (1895-1925), Nikolai Kliuev (1884-1937), Sergei Klychkov (1889-1937), Leonid Leonov (1899-1994), Boris Pil’niak (1894-1938), Andrei Platonov (1899-1951), Aleksandr Tvardovskii (1910-1971).

Direct link to Lay Summary Last update: 07.01.2019

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Die Sowjetunion als Bauernutopie? Konservative Zukunftsvisionen in der frühen sowjetischen Literatur
FitzéEliane, Die Sowjetunion als Bauernutopie? Konservative Zukunftsvisionen in der frühen sowjetischen Literatur, in Adamczak Katarzyna, Hartmann Ina, Günther Clemens, Sdanevitsch Ina (ed.), Peter Lang, Zürich et al..

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Junges Forum Slavistische Literaturwissenschaft, Halle (Saale) 2019 Talk given at a conference Bauern vs. Bolschewiken: Der Bauernaufstand in Sergej Esenins "Pugačëv" und "Strana negodjaev" 21.02.2019 Halle (Saale), Germany Fitzé Eliane;
CfP: 26. Tagung Junger Osteuropa-ExpertInnen (JOE-Tagung), Leipzig 2018 Talk given at a conference Peasants against the Party: Peasant Uprisings in Leonid Leonov's "Barsuki" 13.07.2018 Leipzig, Germany Fitzé Eliane;
Arbeitstreffen "Dorfgeschichten der Sozialistischen Moderne", Konstanz 2017 Talk given at a conference Die Sowjetunion als Bauernutopie: Alternative Zukunftsvisionen in der frühen sowjetischen Literatur 23.11.2017 Konstanz, Germany Fitzé Eliane;
Junges Forum Slavistische Literaturwissenschaft, Hamburg 2017 Talk given at a conference Das Dorf als Gegen-Utopie: Bäuerliche Idealwelten in der russisch-sowjetischen Literatur der 1910er bis 1930er Jahre 21.09.2017 Hamburg, Germany Fitzé Eliane;


Abstract

Die Dominanz konservativer und nationalistischer Positionen in Politik und Gesellschaft Russlands sorgt seit einiger Zeit weltweit für Verunsicherung. Die Forschung hat sich mit der Herkunft und Entwicklung dieser Ideen bisher meist in Bezug auf das 19. Jahrhundert und die spätsowjetische Zeit beschäftigt. Die Geschichte der Fortschreibung traditionaler und nationalistisch-russophiler Ideen in der Zeit von Revolution, Bürgerkrieg und sowjetischem Aufbau ist dabei vernachlässigt worden. Dies aus gutem Grund: Das sowjetische Projekt verstand sich als übernational; daher konnten Vorstellungen des ‚Russischen‘, die typischerweise auf bäuerlich-traditionale Gemeinschaftsformen und ethnonationalistische Modelle rekurrierten, allenfalls unterschwellig artikuliert werden. Das vorliegende Forschungsprojekt setzt sich das Ziel, diese Lücke zu füllen. Es will die Repräsentationen des Bauern und des Bauerntums in der offiziell publizierten Literatur und in paraliterarischen Genres und Settings (Rezensionen, Lesungen, Briefen, Erinnerungen von Zeitgenossen) der 1910er bis 1930er Jahre untersuchen. Denn in Russland und der Sowjetunion wurden Fragen der russischen ‚nationalen Identität’ massgeblich in der Literatur und in den sie umgebenden Debatten verhandelt - wenn auch meist nur indirekt und implizit. Im Rahmen des Projekts werden einzelne Felder lokalisiert, auf denen sich das ‚bäuerliche Thema‘ manifestieren konnte. So soll gezeigt werden, wie traditionalistisch-nationalistische Denktraditionen auch unter wechselhaften und restriktiven Bedingungen subkutan weitervermittelt werden konnten. Dadurch will dieses Forschungsprojekt zu einem besseren Verständnis konservativ-nationalistischer Denktraditionen im sowjetischen und postsowjetischen Russland beitragen und gleichzeitig einen neuen Blickwinkel auf das Verhältnis zwischen Imaginationen traditionaler (politischer/nationaler) Gemeinschaft und der Literatur eröffnen.
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