Project

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Gedächtniskultur im Paratext - Textränder altnordischer Prosahandschriften

English title Cultural Memory in the Paratext - Edges of Texts in Old Norse Prose Manuscripts
Applicant Rösli Lukas
Number 174231
Funding scheme Ambizione
Research institution Abteilung für Nordische Philologie Deutsches Seminar Universität Zürich
Institution of higher education University of Zurich - ZH
Main discipline Other languages and literature
Start/End 01.02.2018 - 31.01.2022
Approved amount 566'904.00
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All Disciplines (2)

Discipline
Other languages and literature
Communication sciences

Keywords (11)

Handschriften; Erinnerungskultur; Memory Studies; Frühdrucke; Frühe Neuzeit; Paratextualität; Skandinavistik; Narratologie; Medialität; Altnordisch; Mittelalterliche Literatur

Lay Summary (German)

Lead
Im Gegensatz zum restlichen Europa, wo die Handschriftenkultur durch den Buchdruck abgelöst wurde, erlebte die Handschriftenproduktion auf Island ab dem frühen 17. Jahrhundert eine regelrechte Renaissance. Viele der heute als mittelalterliche Texte aufgefassten Textzeugen sind jedoch einzig in Papierhandschriften quasi-mittelalterlicher Produktionsweise aus der "Renaissance der altnordischen Handschriftenproduktion" (17. - 19. Jahrhundert) überliefert. Das vorliegende Projekt untersucht anhand paratextueller Elemente - so zum Beispiel an Titelblättern, Zwischentiteln, Einleitungen oder Schlussformeln - wie über Paratexte altnordischer Prosahandschriften eine Gedächtniskultur erzeugt wird, in der literarische Inhalte frühneuzeitlicher Textträger in der kollektiven und kulturellen Erinnerung als mittelalterliche Texte erinnerbar gemacht werden.
Lay summary
Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts

Die altnordische Schreib- und Erzählkultur ist im Kontext des europäischen Mittelalters als einzigartig zu betrachten, da sie sich – in quasi-mittelalterlicher Ausprägung – bis in die Frühe Neuzeit, ja sogar bis in die frühe Moderne hinein erstreckt. Im Gegensatz zur Handschriftenkultur im übrigen Europa brach auf Island die Handschriftenproduktion, die eine erste Hochblüte zwischen dem späten 13. und dem frühen 16. Jahrhundert erlebte, nicht durch die im Zuge der Reformation sich verbreitende Buchdruckkunst ab. Zwar gibt es eine merkliche Unterbrechung in der aufgrund der Reformationswirren auf Island sehr turbulenten zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, doch erlebte die Handschriftenproduktion auf Island ab dem frühen 17. Jahrhundert eine regelrechte Renaissance. Insbesondere aus der Zeit der „Renaissance der altnordischen Handschriftenproduktion“ zwischen dem 17. und dem 19. Jahrhundert, als Papier als Textträger erschwinglich wurde und der serielle Buchdruck die Vervielfältigung und Distribution von Texten erleichterte, sind viele altnordische Prosatexte überliefert, deren mittelalterliche Vorlagen nicht mehr vorhanden sind. Aus erinnerungstheoretischer Perspektive stellt sich dabei die Frage, welches kulturelle, literarisch verarbeitete (Text-)Wissen in diesen frühneuzeitlichen Handschriften überliefert und erinnert wird. Insbesondere bei den Textträgern aus der Zeit der „Renaissance der altnordischen Handschriftenproduktion“ ist erkennbar, dass intra- und aussertextuelle Erinnerungen, Gattungszuweisungen und Rezeptionsanweisungen in paratextuellen Zusätzen vermittelt werden.

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Das vorliegende Projekt setzt sich daher zum Ziel, erstmalig mittels erinnerungstheoretischer Ansätze und Theorien zum Paratext, die spezifisch altnordisch-isländische Gedächtniskultur in ihrer historischen Breite hinsichtlich der literarischen Ausformung von Erinnerung in den Paratexten mittelalterlicher und insbesondere frühneuzeitlicher Handschriften zu untersuchen. Dadurch soll einerseits ein Beitrag an das Verständnis des kulturellen Erbes der altnordischen Literaturproduktion, dem einzigartigen Schreibermilieu in der Frühen Neuzeit auf Island und der damit verbundenen kulturellen Erinnerung und kollektiven Identitätsstiftung geleistet werden. Andererseits werden durch die bisher nicht vorgenommene Verschränkung von Erinnerungstheorien und Theorien zum Paratext und einer aus dem Untersuchungsmaterial abgeleiteten, eigenständigen Theorie zur „Gedächtniskultur im Paratext“ beide Forschungsfelder mit neuen theoretischen und methodologischen Impulsen versehen, die auch auf andere Fachgebiete anwendbar sein werden.
 
Direct link to Lay Summary Last update: 21.12.2017

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Liamin, Sergej: Mythen der Edda in der deutschen Dichtung: Gerstenberg – Klopstock – Günderrode – Heine
Rösli Lukas (2019), Liamin, Sergej: Mythen der Edda in der deutschen Dichtung: Gerstenberg – Klopstock – Günderrode – Heine, in Scandinavian Studies, 90(4), 572-575.
Paratextual References to the Genre Term Íslendingasögur in Old Norse-Icelandic Manuscripts
Rösli Lukas (2019), Paratextual References to the Genre Term Íslendingasögur in Old Norse-Icelandic Manuscripts, in Opuscula, 17, 151-167.
Skandinavistische Lehre und Forschung in der Schweiz: 1900 – 1945
RösliLukas (2019), Skandinavistische Lehre und Forschung in der Schweiz: 1900 – 1945, in Glauser Jürg (ed.), A. Francke, Tübingen, 19-29.
Manuscripts
RösliLukas (2018), Manuscripts, in Glauser Jürg, Mitchell Stephen A., Hermann Pernille (ed.), De Gruyter, Berlin und Boston, 406-413.
Spatial studies
RösliLukas (2018), Spatial studies, in Mitchell Stephen A. , Glauser Jürg, Hermann Pernille (ed.), De Gruyter, Berlin und Boston, 274-283.
The Myth of Útgarðr: A Toponym as a Basis for an Old Norse System of Values?
RösliLukas (2018), The Myth of Útgarðr: A Toponym as a Basis for an Old Norse System of Values?, in Viking and Medieval Scandinavia, 13, 211-227.
„Nibelungisierung“ der eddischen Heldenlieder? Die editorische und paratextuelle Gestaltung des ersten Bands der Sammlung Thule.
RösliLukas, „Nibelungisierung“ der eddischen Heldenlieder? Die editorische und paratextuelle Gestaltung des ersten Bands der Sammlung Thule., in Plotke Seraina, Schöller Robert (ed.), Transcript, Bielefeld.
From „Schedæ Ara Prests Fróða“ to „Íslendingabók“ – When an Intradiegetic Text Becomes Reality.
RösliLukas, From „Schedæ Ara Prests Fróða“ to „Íslendingabók“ – When an Intradiegetic Text Becomes Reality., in Horn Anna Catharina, Johansson Karl-Gunnar (ed.), De Gruyter, Berlin.
Old Norse Myths as Political Ideologies: Critical Studies in the Weaponization of Medieval Narratives
Rösli Lukas, Meylan Nicolas (ed.), Old Norse Myths as Political Ideologies: Critical Studies in the Weaponization of Medieval Narratives, Brepols, Turnhout.
Terminology
Rösli Lukas, Terminology, in Ríkharðsdóttir Sif, Larrington Carolyne, Bampi Massimiliano (ed.), Boydell & Brewer, Woodbridge .

Collaboration

Group / person Country
Types of collaboration
Memory & the Pre-Modern North – An International Memory Studies Research Network United States of America (North America)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Publication
Stofnun Árna Magnússonar í íslenskum fræðum Iceland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Research Infrastructure
Modes of Modification Norway (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Publication
Den Arnamagnæanske Samling Denmark (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Research Infrastructure
Skandinavistik, Universität Tübingen Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Publication
The Eddic Network (Uni Oxford, Uni Cambridge, Uni of Cal. Berkeley, Uni Zürich) Great Britain and Northern Ireland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Publication

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Mit dem Buch in der Hand. Deutsch-skandinavische Buch- und Bibliotheksgeschichte Talk given at a conference AM 411 fol. – Textmediale Collage und paratextuell inszenierter Multitext 27.11.2019 Berlin, Germany Rösli Lukas;
Gastvorlesung Individual talk The Study of Paratexts in Old Norse-Icelandic Literature 17.10.2019 Venedig, Italy Rösli Lukas;
Eröffnungsvortrag zur Andreas-Heusler-Ausstellung (Kuratiert von lic. Phil Ulrike Marx und Dr. Lukas Rösli) im Rahmen des Jubiläums 50 Jahre Nordistik Schweiz Individual talk Der Einsiedler von Thule und die Basler Nordistik 15.03.2019 Basel, Switzerland Rösli Lukas;
Transformationen und Entwicklungen spätmittelalterlichen isländischen Erzählens Talk given at a conference Der Einfluss der Paratexte auf die Erzählung: Was ist eigentlich die Grettis saga? 31.01.2019 Zürich, Switzerland Rösli Lukas;
Probevortrag im Rahmen der Bewerbung auf die Juniorprofessur "Skandinavistik/Mediävistik" an der Humboldt-Universität zu Berlin Individual talk Interferenzen des Erinnerns – Paratexte der Íslendingabók 30.01.2019 Berlin, Germany Rösli Lukas;
Transformationen des Nibelungischen - Populäre und wissenschaftliche Nibelungendiskurse im Nationalsozialismus Talk given at a conference "Nibelungisierung" der eddischen Heldenlieder? Eine Betrachtung des ersten Bands der Sammlung Thule (Edda, Bd. 1, Heldenlieder) 13.12.2018 Basel, Switzerland Rösli Lukas;
Internationalen Graduiertentagung "Konstruktion von Geschichte und erfundenen Traditionen" des Doktoratsprogramms Altertumswissenschaften Talk given at a conference Fornaldarsögur (Vorzeitsagas) – Die Konstruktion einer nordgermanischen Vorzeit in der altnordischen Literatur 03.12.2018 Basel, Switzerland Rösli Lukas;
Modes of Modification Kick-off Conference Talk given at a conference From "Schedæ Ara Prests Fróða" to "Íslendingabók" – When an intradiegetic text becomes reality 29.11.2018 Oslo, Norway Rösli Lukas;
Paratexts in Old Norse-Icelandic Literature Talk given at a conference Paratext and Paratextuality in Old Norse-Icelandic Literary Culture - An Introduction 08.11.2018 Zürich, Switzerland Rösli Lukas;
Junior Academic Manuscript Workshop Talk given at a conference AM 1055 4to: An earls 19th century "Companion to Old Norse-Icelandic Literature" 04.10.2018 Reykjavík, Iceland Rösli Lukas;
2. Workshop des Projekts The Eddic Project (Part II) – Re-reading Eddic Poetry Talk given at a conference Grímnismál sta. 45 – A close reading 18.08.2018 Reykjavík, Iceland Rösli Lukas;
2. Workshop des Projekts The Eddic Project (Part II) – Re-reading Eddic Poetry Talk given at a conference Egis Drekkia, Loka Glepsa, or what is Lokasenna anyway? 18.08.2018 Reykjavík, Iceland Rösli Lukas;
17th International Saga Conference; Session New Theoretical Approaches and Perspectives Talk given at a conference Paratextual References to the Genre Term Íslendingasögur in Old Norse-Icelandic Manuscripts 12.08.2018 Reykjavík und Reykholt, Iceland Rösli Lukas;
Leeds International Medieval Congress; Session New Perspectives in Old Norse Memory Studies Talk given at a conference The Creation of Cultural Memory in the Paratexts of Íslendingabók 02.07.2018 Leeds, Great Britain and Northern Ireland Rösli Lukas;
Literary Genre in Old Norse-Icelandic Literature Talk given at a conference Genre Terminology in Old Norse-Icelandic Literature 19.04.2018 Venedig, Italy Rösli Lukas;
Schrift, Gesellschaft und Identität in Skandinavien (Vorlesungsreihe organisiert von Prof. Dr. Lena Rohrbach) Individual talk Íslendingabók (Das Buch der Isländer) – Verschriftlichte Erinnerung oder Produktion kultureller Identität? 10.04.2018 Basel, Switzerland Rösli Lukas;
1. Workshop des Projekts The Eddic Project (Part II) – Re-reading Eddic Poetry Talk given at a conference An unnamed section in the Sigurðr-cycle or a poem on its own? (Not only) The case of Sigrdrífumál 22.02.2018 Cambridge, Great Britain and Northern Ireland Rösli Lukas;


Self-organised

Title Date Place
The Medieval Author – A Phantasm? 24.07.2019 Tübingen, Germany
The Eddic Project (Part II) – Re-reading Eddic Poetry 21.07.2019 Zürich, Switzerland
The Future of the MPMN Network 13.06.2019 Zürich, Switzerland
Paratexts in Old Norse-Icelandic Literature 08.11.2018 Zürich, Switzerland

Knowledge transfer events

Active participation

Title Type of contribution Date Place Persons involved


Self-organised

Title Date Place
Andreas-Heusler-Ausstellung im Rahmen des Jubiläums 50 Jahre Nordistik Schweiz 15.03.2019 Basel, Switzerland

Communication with the public

Communication Title Media Place Year
Media relations: print media, online media Mehr Blut als Verstand doppelpunkt. Das Schweizer Magazin für Weltoffene German-speaking Switzerland 2018
Media relations: print media, online media Mehr Blut als Verstand Sonntag German-speaking Switzerland 2018

Abstract

Die altnordische Schreib- und Erzählkultur ist im Kontext des europäischen Mittelalters als einzigartig zu betrachten, da sie sich - in quasi-mittelalterlicher Ausprägung - bis in die Frühe Neuzeit, ja sogar bis in die frühe Moderne hinein erstreckt. Nicht nur ist die hohe Anzahl an Handschriften beachtlich, die im Hoch- und Spätmittelalter auf Island produziert wurden, sondern auch die Tatsache, dass diese Handschriften zu grossen Teilen genuin altnordische Literaturen mit schon früh volkssprachlich geprägten Texten und Gattungen abbilden. Im Gegensatz zur Handschriftenkultur im übrigen Europa brach auf Island die Handschriftenproduktion, die eine erste Hochblüte zwischen dem späten 13. und dem frühen 16. Jahrhundert erlebte, nicht durch die im Zuge der Reformation sich verbreitende Buchdruckkunst ab. Zwar gibt es eine merkliche Unterbrechung in der aufgrund der Reformationswirren auf Island sehr turbulenten zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, doch erlebte die Handschriftenproduktion auf Island ab dem frühen 17. Jahrhundert eine regelrechte Renaissance. Insbesondere aus der Zeit der „Renaissance der altnordischen Handschriftenproduktion“ zwischen dem 17. und dem 19. Jahrhundert, als Papier als Textträger erschwinglich wurde und der serielle Buchdruck die Vervielfältigung und Distribution von Texten erleichterte, sind viele altnordische Prosatexte überliefert, deren mittelalterliche Vorlagen nicht mehr vorhanden sind. Aus erinnerungstheoretischer Perspektive stellt sich dabei die Frage, welches kulturelle, literarisch verarbeitete (Text-)Wissen in diesen frühneuzeitlichen Handschriften überliefert und erinnert wird. Insbesondere bei den Textträgern aus der Zeit der „Renaissance der altnordischen Handschriftenproduktion“ ist erkennbar, dass intra- und aussertextuelle Erinnerungen, Gattungszuweisungen und Rezeptionsanweisungen in paratextuellen Zusätzen vermittelt werden. Das vorliegende Projekt setzt sich daher zum Ziel, erstmalig mittels erinnerungstheoretischer Ansätze und Theorien zum Paratext, die spezifisch altnordisch-isländische Gedächtniskultur in ihrer historischen Breite hinsichtlich der literarischen Ausformung von Erinnerung in den Paratexten mittelalterlicher und insbesondere frühneuzeitlicher Handschriften zu untersuchen. Dadurch soll einerseits ein Beitrag an das Verständnis des kulturellen Erbes der altnordischen Literaturproduktion, dem einzigartigen Schreibermilieu in der Frühen Neuzeit auf Island und der damit verbundenen kulturellen Erinnerung und kollektiven Identitätsstiftung geleistet werden. Andererseits werden durch die bisher nicht vorgenommene Verschränkung von Erinnerungstheorien und Theorien zum Paratext und einer aus dem Untersuchungsmaterial abgeleiteten, eigenständigen Theorie zur „Gedächtniskultur im Paratext“ beide Forschungsfelder mit neuen theoretischen und methodologischen Impulsen versehen, die auch auf andere Fachgebiete anwendbar sein werden.
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