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Luxus und Moderne: Die Ambivalenz des Überflüssigen in Kulturkonzeptionen der Literatur und Ästhetik seit dem 18. Jahrhundert

Applicant Weder Christine
Number 173369
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Département d'Allemand Université de Genève
Institution of higher education University of Geneva - GE
Main discipline German and English languages and literature
Start/End 01.03.2018 - 28.02.2022
Approved amount 1'124'169.00
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All Disciplines (6)

Discipline
German and English languages and literature
Visual arts and Art history
Romance languages and literature
Philosophy
Sociology
General history (without pre-and early history)

Keywords (8)

Konzeptgeschichte; Literatur (18.-20. Jh.); Gender; Luxus; Moderne; Ästhetik; Imaginationsgeschichte; Kulturtheorie

Lay Summary (German)

Lead
Das Projekt untersucht anhand von literarischen und ästhetischen Darstellungen die ebenso fundamentale wie ambivalente Rolle des Luxus für die modernen Konzeptionen von Kultur.
Lay summary

Ziel ist es, zur Klärung der grundlegenden Beziehung von Kultur und Luxus in den Konzeptionen und Imaginationen seit dem 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart beizutragen. Dabei soll die These überprüft bzw. modifiziert und differenziert werden, dass nach der Ablösung des Luxus aus dem theologischen Sündenkontext (›luxuria‹) und den damit verbundenen Aufwertungstendenzen um 1700 eine zentrale (Selbst-)Bestimmung von Kultur im Allgemeinen und Kunst bzw. Literatur im Besonderen über die – ambivalente – Relation zum Luxus erfolgt. Die zweischneidige Beziehung (Kultur als Luxus / Kultur gegen Luxus) soll im Einzelnen beschrieben werden, um zu einem differenzierten Verständnis der Moderne und ihrer widersprüchlichen Selbstbegründung beizutragen. Für diesen Versuch, eine 'andere' Geschichte der Modere zu erzählen, werden anhand von vier historischen Schwerpunkten (> Teilprojekte) literarische und ästhetische (d.i. kunst- / literaturtheoretische) Luxus-Darstellungen analysiert und mit ökonomischen, philosophischen bzw. anthropologischen und soziologischen Diskussionsbeiträgen verglichen.

Unter dem Aspekt dynamischer Austauschbeziehungen zwischen der Literatur und anderen sozialen Praktiken soll der Beitrag der Literatur zur konzeptionellen und imaginären Produktion von ›Kultur‹ im Allgemeinen wie – selbstreflexiv – zum Verständnis von ›Kunst‹ bzw. ›Literatur‹ spezifiziert werden. Umgekehrt macht das Projekt die Fachkompetenz der Literaturwissenschaft bei der Analyse eines literatur- und kunstaffinen Schlüsselthemas moderner Kultur auch für andere Disziplinen und für die interessierte Öffentlichkeit fruchtbar. Dem bei knapper werdenden Mitteln gegen die Geistes- und Kulturwissenschaften gerne erhobenen Luxusvorwurf begegnet es mit einer Geschichte des modernen Luxus, die einem aktuellen Reflexionsbedarf entspricht.


Direct link to Lay Summary Last update: 15.11.2017

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Project partner

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
100716 Oberfläche. Aspekte ihrer Problemgeschichte in der deutschsprachigen Aesthetik der Architektur und Literatur des 19. Jahrhunderts. 01.10.2003 Project funding (special)
131716 Intime Beziehungen: Literatur, Ästhetik und Theorien der Sexualität um ›1968‹ 01.08.2011 Ambizione

Abstract

Das Projekt untersucht die ebenso fundamentale wie ambivalente Rolle des Luxus für die moderne Konzeption von Kultur seit dem 18. Jahrhundert, indem es literarische und ästhetische (d.i. kunst- / literaturtheoretische) Luxus-Darstellungen analysiert und mit ökonomischen, philosophischen bzw. anthropologischen und soziologischen Diskussionsbeiträgen vergleicht. Das Luxuriöse fungiert dabei als relative und stets neu auszuhandelnde Kategorie des Überflüssigen, Überschüssigen oder Übermässigen bzw. Nicht-Nützlichen, -Notwendigen oder -Massvollen in materieller, aber auch zeitlicher Dimension.Die These lautet, dass nach der Ablösung des Luxus aus dem theologischen Sündenkontext (›luxuria‹) und den damit verbundenen Aufwertungstendenzen um 1700 eine zentrale (Selbst-)Bestimmung von Kultur im Allgemeinen und Kunst bzw. Literatur im Besonderen über die Relation zum Luxus erfolgt. Auf der Grundlage dieser These wird eine andere Geschichte der Moderne entworfen, die nicht als linearer Nobilitierungsprozess erzählt werden kann. Vielmehr soll der konzeptionellen und imaginativen Ambivalenz in den Wertungen von Luxus Rechnung getragen und die zweischneidige Relation (Kultur als Luxus / Kultur gegen Luxus) im Einzelnen beschrieben werden, um zu einem differenzierten Verständnis der Moderne und ihrer widersprüchlichen Selbstbegründung beizutragen.In historischer Hinsicht geschieht dies mit vier Schwerpunkten (Teilprojekten) innerhalb der modernen Konzept- und Imaginationsgeschichte des Luxus, die sich auf bewusst offene Zeiträume beziehen und heuristisch jeweils eine dominante Entwicklung akzentuieren. Teilprojekt I (Formierungsphase) fokussiert die ›Sattelzeit‹ um 1800, da sich in den besonders intensiven Diskussionen des Themas ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts das Verhältnis von Luxus und Kultur in seiner modernen Ambivalenz breitenwirksam formiert. Teilprojekt II (Internationalisierungsphase) verfolgt die Transformation des Luxus-Diskurses in den Jahrzehnten um 1850, der sich unter dem Druck der technisch-industriellen Entwicklung in einer kapitalistisch vernetzten Welt internationalisiert. Teilprojekt III (Ästhetizismusphase) untersucht die Fortsetzung dieses Universalisierungstrends um 1900, als die allgemeine Kunst- und Lebensreform den ›schönen‹ Luxus zu einem Merkwort für die Literatur des Fin de siècle macht. Teilprojekt IV (Reflexionsphase) schliesslich konzentriert sich auf den Zeitraum um ›1968‹, dessen kultur- und kunsttheoretischen Debatten das Verhältnis der eigenen ›Überflussgesellschaft‹ zum Luxus dezidiert im Rückgriff auf die Geschichte seiner Konzeptionen und Imaginationen reflektiert und problematisiert.In methodischer Hinsicht leistet das germanistische Projekt einen spezifischen Beitrag zur Rekonstruktion einer allgemeinen Geschichte der grundlegenden Beziehung von Kultur und Luxus. Mit der deutschsprachigen Literatur und Ästhetik seit dem 18. Jahrhundert wird ein Bereich fokussiert, in dem diese Beziehung besonders virulent und zugleich noch wenig untersucht ist. Der komparatistische Einbezug weiterer Sprachen und Kulturen (v.a. der französischen und englischen) und die interdisziplinäre Öffnung auf andere Fächer (namentlich Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Philosophie, Soziologie) versprechen zusätzliche Impulse. Unter dem Aspekt dynamischer Austauschbeziehungen zwischen der Literatur und anderen sozialen Praktiken anstelle klassischer Motiv- und Einflussforschung kann der Beitrag der Literatur zur konzeptionellen und imaginären Produktion von ›Kultur‹ im Allgemeinen wie - selbstreflexiv - zum Verständnis von ›Kunst‹ bzw. ›Literatur‹ spezifiziert werden. Umgekehrt macht das Projekt die Fachkompetenz der Literaturwissenschaft bei der Analyse eines literatur- und kunstaffinen Schlüsselthemas moderner Kultur auch für andere Disziplinen und für die interessierte Öffentlichkeit fruchtbar. Dem bei knapper werdenden Mitteln gegen die Geistes- und Kulturwissenschaften gerne erhobenen Luxusvorwurf begegnet es mit einer Geschichte des modernen Luxus, die einem aktuellen Reflexionsbedarf entspricht.Die Forschungsergebnisse werden in Form von vier Qualifikationsarbeiten, zwei Sammelbänden und Artikeln in peer reviewed Zeitschriften publiziert.
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