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Literaturgeschichte, Interpretationstheorie und Narratologie. Über ihr Zusammenwirken am Beispiel des unzuverlässigen Erzählens im deutschsprachigen Nachkriegsroman

English title Literary history, theory of interpretation and narratology. An examination of their relation using unreliable narration in the german postwar novel as a model case
Applicant Kindt Tom
Number 172836
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Departement für Germanistik Universität Freiburg
Institution of higher education University of Fribourg - FR
Main discipline German and English languages and literature
Start/End 01.05.2017 - 30.04.2020
Approved amount 331'776.00
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All Disciplines (2)

Discipline
German and English languages and literature
Philosophy

Keywords (8)

Interpretationstheorie; Deutschsprachige Romane der Nachkriegszeit; Narratologie; Literaturgeschichtsschreibung; theory of interpretation; narratology; historiography of literature; German, Swiss and Austrian novel 1945-69

Lay Summary (German)

Lead
Von unzuverlässigem Erzählen spricht man, wenn die vermittelten Sachverhalte nicht den Tatsachen entsprechen. Üblicherweise kommt das vor, wenn der Erzähler etwa eines Romans lügt oder auch nicht in der Lage ist, die Tatsachen zu erkennen. Der Reiz für den Leser besteht darin, den Widersprüchen nachzuspüren und darüber nachzudenken, was in der erzählten Welt tatsächlich der Fall ist.
Lay summary

Ziele des Forschungsprojekts

Am Beispiel unzuverlässig erzählter Romane der Nachkriegszeit (bis etwa 1969) sollen im ersten Schritt verschiedene Varianten dieses Verfahrens identifiziert und systematisch erfasst werden. Die zu beantwortenden Fragen liegen hier vorwiegend auf der intratextuellen Ebene. Mit dem zweiten Schritt erfolgt die literaturhistorische Einordnung der untersuchten Romane und damit zugleich der verschiedenen Funktionen, die das Verfahren narrativer Unzuverlässigkeit haben kann. Auf dieser inter- und kontextuellen Ebene werden Fragen nach literarischer Traditionsbildung (z. B. nach den Beziehungen der Nachkriegs- zur Vorkriegsliteratur oder zur internationalen Literatur) ebenso beantwortet wie danach, wie sich allgemeine und spezielle literarische Vorstellungen verschiedener literarischer Milieus der Nachkriegszeit auf die Faktur der Romane ausgewirkt haben (in der DDR, aber auch der Gruppe 47). Schließlich werden die bis dahin gewonnenen Ergebnisse in eine methodologische Reflexion über das Zusammenspiel von Erzähl- und Interpretationstheorie mit dem Ziel überführt, allgemeine Erkenntnisse über die Geltung und Haltbarkeit von interpretativen Bedeutungszuschreibungen an literarische Werke zu gewinnen.

 

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Das Projekt arbeitet in einem überschaubaren Zeitraum ein bestimmtes Korpus von deutschsprachigen Romanen auf. Damit leistet es einen Beitrag zur Rekonstruktion eines literaturgeschichtlichen Abschnitts. Darüber hinaus ist beabsichtigt, für die literaturwissenschaftliche Arbeit zentrale Hintergrundannahmen an konkreten Beispielen zu prüfen. Auf die Ergebnisse beider Projektteile kann künftige Forschung zurückgreifen.

Direct link to Lay Summary Last update: 06.04.2017

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Project partner

Publications

Publication
Displaced persons in Hermann Lenz’ Der russische Regenbogen (1959)
AumüllerMatthias (2020), Displaced persons in Hermann Lenz’ Der russische Regenbogen (1959), in Reimann Carolin, Aumüller Matthias, Wildenauer Johanna (ed.), Steffen, Berlin, 269-287.
Entstörung durch Erzählen? Die unausgesprochene Traumatisierung des Erzählerprotagonisten durch die Judenvernichtung in Alfred Anderschs "Efraim"
AumüllerMatthias (2020), Entstörung durch Erzählen? Die unausgesprochene Traumatisierung des Erzählerprotagonisten durch die Judenvernichtung in Alfred Anderschs "Efraim", in Gansel Carsten, Wolting Monika (ed.), de Gruyter, Berlin, 229-242.
Interkulturelle Inkonsistenzen. Wirklichkeitsdefizite und ihre Funktion in Paul Zechs Das Schloß der Brüder Zanowsky
AumüllerMatthias (2019), Interkulturelle Inkonsistenzen. Wirklichkeitsdefizite und ihre Funktion in Paul Zechs Das Schloß der Brüder Zanowsky, in Germanoslavica, 30(1210-9029), 1-17.
"Ein Zahnrad greift nicht mehr ins andere…" Zu Erzählstrategie und Wirkungskonzeption von Christian Krachts Roman "Imperium"
KindtTom (2018), "Ein Zahnrad greift nicht mehr ins andere…" Zu Erzählstrategie und Wirkungskonzeption von Christian Krachts Roman "Imperium", in Riniker Christine, Lorenz Matthias (ed.), Frank & Timme, Berlin, 453-468.
Special Issue: Narrative Unreliability: Scope and Limits
AumüllerMatthias, KindtTom (2018), Special Issue: Narrative Unreliability: Scope and Limits, de Gruyter, Berlin.
Weltbezug durch Fantastik?
KindtTom, KlimekSonja, LamprechtTobias (2017), Weltbezug durch Fantastik?, in Klimek Sonja, Lamprecht Tobias, Kindt Tom (ed.), Winter, Heidelberg, 9-14.

Collaboration

Group / person Country
Types of collaboration
Dr. Uwe Spörl Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Prof. Dr. Hans-Harald Müller Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Literarisches Erzählen. Zur Spezifik narrativer Verfahren in der Literatur Talk given at a conference Unzuverlässigkeit und Literarizität 12.03.2020 Greifswald, Germany Aumüller Matthias;
'Doctors stories' revisited:on the history, structure, and epistemology of medical narratives Talk given at a conference No events, no actors? Narrating surgical procedures in historical and contemporary medical reports 06.05.2019 Fribourg, Switzerland Kindt Tom;
Sprechen, Schreiben, Erzählen. Polyphonie in literarischen, medizinischen und pflegewissenschaftlichen Diskursen Talk given at a conference Textinterferenzen und unzuverlässiges Erzählen. Zum Polyphonie-Konzept in der Narratologie 26.09.2018 Witten/Herdecke, Germany Aumüller Matthias;
Störungen des ‚Selbst‘ – Trauma-Erfahrungen und Möglichkeiten ihrer künstlerischen Konfiguration Talk given at a conference Traumatisierung durch die Judenvernichtung. Alfred Anderschs Efraim 28.06.2018 Gießen, Germany Aumüller Matthias;
Unzuverlässiges Erzählen – Deutschsprachige Nachkriegsliteratur Talk given at a conference Gegen den Zufall anschreiben: Alfred Anderschs "Efraim" 09.06.2018 Fribourg, Switzerland Aumüller Matthias;
Unzuverlässiges Erzählen – Deutschsprachige Nachkriegsliteratur Talk given at a conference Polyphonie, Phantastik und Unzuverlässigkeit. Anmerkungen zu Thomas Manns "Doktor Faustus" 09.06.2017 Fribourg, Switzerland Kindt Tom;


Self-organised

Title Date Place
Unzuverlässiges Erzählen – Deutschsprachige Nachkriegsliteratur 07.06.2018 Fribourg, Switzerland

Abstract

Das unzuverlässige Erzählen ist ein literarisches Verfahren, das in der jüngeren Vergangenheit intensiv erforscht worden ist. Der Schwerpunkt lag dabei auf der theoretischen Beschreibung des Phänomens. Dieser Forschungsstand ist eine optimale Gelegenheit, die Ergebnisse aufzunehmen und in einen weiterführenden Forschungsansatz zu überführen. Narrative Verfahren, zu deren Identifikation die Narratologie Entscheidendes beizutragen hat, sind nicht isoliert zu betrachten; sie stehen in verschiedenen Bedeutungs- und Funktionskontexten, darunter in dem historischen Kontext literarischer Traditionen. Die allgemeine interpretationstheoretische Frage, in welchem Verhältnis Formen - wie etwa das Verfahren der narrativen Unzuverlässigkeit - und Funktionen stehen, ist ein zentrales literaturwissenschaftliches Hintergrundproblem, zu dessen Lösung das Projekt mit seinen Ergebnissen einen Beitrag liefern kann. Am Beispiel des unzuverlässigen Erzählens im deutschsprachigen Nachkriegsroman soll das Zusammenwirken dieser drei literaturwissenschaftlichen Kernbereiche - Historiographie der Literatur, Interpretationstheorie und Narratologie - untersucht werden.
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