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Peereinfluss auf die Alltagskompetenzen und Verhaltensprobleme von Kindern und Jugendlichen mit geistiger Behinderung

English title Peer Influence on Adaptive Functioning and Behavioral Problems of Children and Adolescents with Intellectual Disabilities
Applicant Müller Christoph Michael
Number 172773
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Heilpädagogisches Institut Universität Freiburg
Institution of higher education University of Fribourg - FR
Main discipline Educational science and Pedagogy
Start/End 01.01.2018 - 30.06.2021
Approved amount 553'847.00
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Keywords (8)

Adaptive Behavior; Peer Influence; Behavior Problems; Intellectual Disabilities; Challenging Behavior; Special Needs Schools; Special Education; Social Networks

Lay Summary (German)

Lead
Kinder und Jugendliche mit einer geistigen Behinderung haben häufig Schwierigkeiten im Bereich der Alltagskompetenzen und des Sozialverhaltens. In der Studie wird untersucht, inwiefern die Entwicklung dieser Fähigkeiten durch die Peers (Schulkamerad/innen) beeinflusst wird.
Lay summary
Ziele des Forschungsprojekts
Kinder und Jugendliche mit einer geistigen Behinderung werden häufig an spezialisierten Heilpädagogischen Sonderschulen unterrichtet. Um Einblicke in den Peerkontext an diesen Schulen zu erhalten, wird als erstes die Schülerschaft in Bezug auf ihre Alltagskompetenzen und Verhaltensprobleme beschrieben. Ein zweites Ziel ist, die sozialen Beziehungen zwischen den dort beschulten Kindern und Jugendlichen zu erfassen. Dabei wird auch der Frage nachgegangen, welche Faktoren zu einer gelingenden sozialen Einbindung von Schüler/innen in ihre Klasse beitragen. Drittens wird untersucht, inwiefern sich Schüler/innen an Heilpädagogischen Sonderschulen gegenseitig in ihrer Entwicklung von Alltagskompetenzen und Verhaltensproblemen beeinflussen. In diesem Zusammenhang sollen Bedingungen identifiziert werden, die mit einer stärkeren oder geringeren Peerbeeinflussbarkeit von Schüler/innen einhergehen.

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext
Die mit einer Geistigen Behinderung oft verbundenen Schwierigkeiten im Bereich der Alltagskompetenzen und des Sozialverhaltens können für die Betroffenen und ihr Umfeld (z.B. Eltern) herausfordernd sein. Besonders direkt erleben dies auch Mitschüler/innen und Lehrpersonen an Heilpädagogischen Sonderschulen. Erkenntnisse zum sozialen Miteinander und zu Peereinflussprozessen an Sonderschulen können deshalb wichtige neue Unterstützungsperspektiven für geistig behinderte Schüler/innen und ihr Umfeld eröffnen.

Direct link to Lay Summary Last update: 03.11.2017

Responsible applicant and co-applicants

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Project partner

Abstract

Kinder und Jugendliche mit einer geistigen Behinderung zeigen Einschränkungen im Bereich der intellektuellen Fähigkeiten und der Alltagskompetenzen. Weiter treten häufig Verhaltensprobleme auf, welche für die Betroffenen und ihr Umfeld mit erheblichen Belastungen einhergehen können. Um diesen Herausforderungen angemessen begegnen zu können, gilt es jene Faktoren zu identifizieren, welche die Kompetenz- und Verhaltensentwicklung dieser Kinder und Jugendlichen beeinflussen. Ein bisher wenig betrachteter Einflussfaktor ist dabei die Peergruppe. So könnte eine intellektuelle Beeinträchtigung mit einer geringeren Teilhabe an positiven Peereinflussprozessen (z.B. durch Probleme beim genauen Beobachten kompetenten Peerverhaltens) und einem erhöhten Risiko für negativen Peereinfluss (z.B. durch das fehlende Erkennen risikoreicher Peereinflusssituationen) einhergehen. Bedeutsam sind hier vermutlich auch die spezifischen Charakteristika des Schulkontexts. Kinder und Jugendliche mit einer geistigen Behinderung besuchen in der Schweiz grösstenteils spezialisierte Sonderschulen. Vor dem Hintergrund dieser individuellen und kontextuellen Besonderheiten sollen in dieser Studie Peereinflussprozesse bei Schüler(inne)n mit geistiger Behinderung umfassend untersucht werden. Nach einer (1) Erhebung der Alltagskompetenzen und Verhaltensprobleme der Schülerschaft in Sonderschulen wird (2) erfasst, welche sozialen Netzwerke die Lernenden in der Schule haben. Anschliessend gilt es (3) zu explorieren, wie die Schüler/innen in ihre Peergruppen sozial eingebettet sind und entlang welcher Merkmale ihre soziale Position variiert. Folgend ist dann (4) zu prüfen, inwiefern die Kinder und Jugendlichen in ihren Alltagskompetenzen und Verhaltensproblemen von den Peers beeinflusst werden. Schliesslich wird (5) untersucht, ob sich Schüler/innen mit geistiger Behinderung von solchen ohne Behinderung in ihrer Peerbeeinflussbarkeit unterscheiden. Das Fundament der Studie bildet eine längschnittliche, quantitative Fragebogenerhebung zu Beginn und Ende eines Schuljahrs, bei der standardisierte Verfahren zu Alltagskompetenzen und Verhaltensproblemen eingesetzt werden. An dieser nehmen Lehrpersonen und Eltern von Schüler/innen mit einer geistigen Behinderung der Klassen 1-10 teil. Die Befragungen werden in etwa 16 grossen Deutschschweizer Sonderschulen erfolgen, um Informationen zu wenigstens 1000 Schüler/innen zu erhalten. Die so erhobenen Daten erlauben soziale Netzwerkanalysen und Mehrebenenanalysen zu Peereinflusseffekten. Um vertiefende Einblicke unter Einbezug der Schüler/innen selbst zu erhalten, werden mit ausgewählten Jugendlichen Peereffekte quasiexperimentell untersucht. Hier werden neben Jugendlichen mit einer leichten geistigen Behinderung zwei Kontrollgruppen von im chronologischen bzw. im mentalen Alter vergleichbaren Schüler/innen einbezogen. Die Studie lässt einerseits wichtige Erkenntnisse für die Grundlagenforschung erwarten. So ist bisher noch weitgehend unklar, wie sich Peereinflussprozesse unter der Bedingung intellektueller Beeinträchtigungen gestalten. Die Untersuchung bietet andererseits schulpraktisch relevante Ergebnisse. Beispielsweise erlauben die Daten erstmals einen systematischen Überblick über die Charakteristika der Schülerschaft an Schweizer Sonderschulen. Weiter geben sie Hinweise, in welchen Bereichen der Peerbeziehungen geistig behinderte Schüler/innen besonderer pädagogischer Unterstützung bedürfen und wie Klassenzusammensetzungen gestaltet werden können, um positive Peereinflussprozesse zu befördern.
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