Project

Back to overview

Katholische Mission im Zeitalter von Kolonialismus und Dekolonisation

English title Catholic Mission in the Age of Colonialism and Decolonization
Applicant Skenderovic Damir
Number 172551
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Seminar für Zeitgeschichte Universität Freiburg
Institution of higher education University of Fribourg - FR
Main discipline Swiss history
Start/End 01.07.2017 - 31.10.2021
Approved amount 545'338.00
Show all

All Disciplines (2)

Discipline
Swiss history
General history (without pre-and early history)

Keywords (5)

Kolonialismus; Dekolonisation; Verflechtungsgeschichte; Katholische Mission; Entwicklungszusammenarbeit

Lay Summary (German)

Lead
Das Forschungsprojekt untersucht anhand der katholischen Schweizerischen Missionsgesellschaft Bethlehem (SMB) Beziehungen, Verflechtungen und Kontaktzonen zwischen der Schweiz und Afrika. Vor dem Hintergrund neuerer global- und verflechtungsgeschichtlicher Forschungen fragt das Projekt nach der Bedeutung und Rolle der Schweiz und schweizerischer Akteure im Zusammenhang von Kolonialismus und Dekolonisation. Damit wird ein Beitrag zur Entangled History der Schweiz geleistet, in der verschiedene Akteure über transnationale Netzwerke, Deutungsinstanzen und Tätigkeiten, über kulturelle Kommunikations- und Austauschprozesse mit der Welt verbunden waren.
Lay summary

Mit der Missionsgesellschaft Bethlehem wird die grösste und bedeutendste katholische Missionsgesellschaft der Schweiz erfasst, die mit Südrhodesien über ein ausgedehntes Missionsgebiet auf dem afrikanischen Kontinent verfügte. Der Untersuchungszeitraum des Projekts reicht vom Ende des Ersten Weltkrieges bis zur formalen Unabhängigkeit Rhodesiens 1980. Mit dieser Längsschnittperspektive werden die Transformationen der SMB und der katholischen Mission in der Schweiz erfasst und die grundlegenden Veränderungen kontextueller Bedingungen berücksichtigt, die aus globalgeschichtlicher Perspektive durch den Übergang von der kolonialen zur nachkolonialen Epoche bestimmt waren und sich auch auf die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse in Südrhodesien auswirkten. Mit der Untersuchung der SMB wird die bisher vor allem auf protestantische Missionen konzentrierte Forschung um einen wichtigen Akteur der kolonialen und nachkolonialen Missionsgeschichte erweitert.

Indem das Projekt nebst den Institutionen und Tätigkeiten der SMB insbesondere auf die interaktiven Dimensionen des missionarischen Einsatzes in Südrhodesien fokussiert, erlaubt der Blick auf die missionarischen Begegnungen zum einen die Analyse von sozialen Beziehungen, Machtverhältnissen und institutionellen Settings sowie von Interventionen, Praktiken und Vermittlungskanälen verschiedener Akteure. Zum anderen fragt das Projekt nach den Vorstellungen, Wissensbeständen und Deutungsmustern, die bei den Missionary Encounters verhandelt, in Frage gestellt und rekonfiguriert wurden und damit nach den in den Wechselbeziehungen zwischen SMB Missionaren und lokaler Bevölkerung in Südrhodesien generierten Narrationen und Repräsentationen. 

Direct link to Lay Summary Last update: 07.06.2017

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Abstract

Ziel des Forschungsprojektes ist es, anhand der katholischen Schweizerischen Missionsgesellschaft Bethlehem (SMB) Beziehungen, Verflechtungen und Kontaktzonen zwischen der Schweiz und Afrika zu untersuchen. Damit wird ein Beitrag zur Entangled History der Schweiz geleistet, in der verschiedene Akteure über transnationale Netzwerke, Deutungsinstanzen und Tätigkeiten, über kulturelle Kommunikations- und Austauschprozesse mit der Welt verbunden waren. Mit der SMB wird die grösste und bedeutendste Missionsgesellschaft in der Schweiz erfasst, die mit Südrhodesien über ein grosses Missionsgebiet auf dem afrikanischen Kontinent verfügte. Das Forschungsprojekt wird die erste Ausgangshypothese überprüfen, wonach Erkenntnisse der jüngsten verflechtungsgeschichtlichen Forschungen im Zusammenhang mit Kolonialismus und Dekolonisation, wie sie unter anderem für die protestantische Mission vorliegen, auch für die Geschichte der katholischen Mission gelten, insbesondere wenn es sich um Fragen der Vernetzungen, Repräsentationen und Wissensproduktion handelt. Die zweite Hypothese geht davon aus, dass sich im Lauf der Entwicklung vom Kolonialismus zur Dekolonisation nicht nur das Selbstverständnis der katholischen Mission und die Missionsarbeit, sondern auch Handlungen, Einflussnahmen und Wirkungsmacht der lokalen Bevölkerungen grundlegend gewandelt haben. Damit liefert das Forschungsprojekt Erkenntnisse zur Frage nach Brüchen bzw. Wandel und Persistenz bestimmter Vorstellungen, Narrative und Praktiken, die das Verhältnis zwischen der Schweiz und Südrhodesien formten. Vor diesem Hintergrund umfasst das Forschungsprojekt drei zentrale Untersuchungsfelder: Erstens werden Institutionen, Organisationsformen und Tätigkeiten der SMB erforscht und damit vielfältige interne Verbindungen und Zusammenhänge der schweizerischen katholischen Mission erfasst. Wichtig ist dabei, dass die Missionare mit ihren Tätigkeiten neben religiösen auch soziale, politische und ökonomische Ziele verfolgten und so mit ihren Projekten auf unterschiedliche Bereiche des gesellschaftlichen Lebens einzuwirken suchten. Zweitens werden die interaktiven Dimensionen der Projekte und Tätigkeiten von SMB Missionaren im Sinne von Begegnung, Austausch und Aneignung untersucht und die Akteure, Orte und Bedingungen missionarischer Begegnungen erfasst. Dabei wird davon ausgegangenen, dass mit den Missionsarbeiten im südrhodesischen Missionsgebiet Kontaktzonen entstanden, welche die Analyse sozialer Beziehungen, Machtverhältnisse und institutioneller Settings wie von Interventionen, Praktiken und Vermittlungskanälen verschiedener Akteure erlauben. Drittens liegt der Fokus auf Vorstellungen, Wissen und Deutungsmustern, die im Laufe von Austausch- und Aneignungsprozessen der kolonialen und nachkolonialen „missionary encounters“ verhandelt, in Frage gestellt und rekonfiguriert wurden. Insbesondere wird dabei nach Hybridisierungen von Wissen sowie nach Alteritätskonstruktionen gefragt, die in Wechselbeziehungen zwischen SMB Missionaren und lokaler Bevölkerung in Südrhodesien stattfanden und zusätzliche, neue Narrationen, Repräsentationen und Wissensbestände für das Verhältnis der Schweiz zu Afrika generierten. Das Gesamtprojekt ist in zwei Teilprojekte mit entsprechend je einer Dissertation aufgeteilt. Das Teilprojekt A legt den Fokus auf die Aufbau- und Hochphase der schweizerischen katholischen Mission, die von der Zwischenkriegszeit bis Anfang der 1960er Jahre dauerte und durch den markanten Ausbau der SMB und ihrer Missionsaktivitäten in Afrika gekennzeichnet war. Das Teilprojekt B untersucht die Umbruchs- und Erosionsphase in den 1960er und 1970er Jahren, in der die katholische Mission und die SMB mit einer Reihe von neuen internen und externen Herausforderungen konfrontiert waren. Die geplante Forschung stützt sich auf umfassende Quellenbestände, die von der historischen Forschung bisher weitgehend nicht bearbeitet worden sind. Es wird mit Quellen in öffentlichen Archiven und Bibliotheken wie auch Archiven von Missionsinstitutionen, privaten Nachlässen und Archiven in Simbabwe gearbeitet. Zentrale Quellengattungen sind sowohl Zeitschriften und Publikationen als auch Korrespondenz, Statuten, Personalakten usw., die Aufschluss über interne Diskussionen wie auch organisatorische Strukturen und personelle Vernetzungen der katholischen Mission geben. Da sich die historische Forschung zur Rolle von Schweizer Missionen in der kolonialen und nachkolonialen Epoche bisher fast ausschliesslich mit protestantischen Missionen befasst hat, insbesondere der Basler Mission, wird das geplante Projekt zur katholischen Mission eine bedeutende Forschungslücke schliessen. Von hoher gesellschaftlicher Relevanz ist das Projekt, da es vor dem Hintergrund der bis heute persistenten Wirkmächtigkeit generalisierender Vorstellungen und Bilder des afrikanischen Kontinents differenzierte Sichtweisen in die aktuellen Wahrnehmungen und Diskussionen einbringen wird. Auch sollte mit den Forschungsergebnissen ein breiter Kreis von Adressaten erreicht werden, u.a. Medien, Politik, Verwaltung, Entwicklungsorganisationen sowie christliche Vereinigungen.
-