Projekt

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Feder lesen. Eine Literaturgeschichte des Gänsekiels von den Anfängen bis ins 19. Jhd.

Titel Englisch Reading the writing quill. A history of the goose quill from the Beginnigs to the 19th century
Gesuchsteller/in Wernli Martina
Nummer 171368
Förderungsinstrument Marie Heim-Voegtlin Beiträge
Forschungseinrichtung Institut de langue et littérature allemandes Faculté des lettres et sciences humaines Université de Neuchâtel
Hochschule Université de Neuchâtel - NE
Disziplinen Schwerpunkt Germanistik und Anglistik
Beginn/Ende 01.04.2017 - 31.03.2018
Bewilligter Betrag 114'900.00
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Keywords (7)

Writing-Scene (Schreibszene), cultural technique, Thing-Theory, writing implement, goose quill, metaphor, pen

Lay Summary (Deutsch)

Lead
Mein Projekt beschäftigt sich mit der Gänsefeder als Schreibobjekt in Europa und mit der metaphorischen Verwendung von Federn, wie sie in literarischen Texten oder Redewendungen vorkommen. Im Forschungszeitraum vom Mittelalter bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts, als die Stahlfeder sich durchsetzte, nimmt die (Gänse-)Feder eine zentrale Bedeutung ein bei der Produktion von Texten.
Lay summary

2. Ziele des Forschungsprojekts bei Forschungsbeginn und die Resultate nach Abschluss des Projekts: 

Über tausend Jahre war die Gänsefeder das in Europa am meisten verwendete Schreibwerkzeug, während in Asien der Pinsel und im Orient die Rohrfeder bevorzugt wurde. Im Mittelalter schrieb man in Klöstern mit Gänsefedern, in der Frühen Neuzeit zeigten Kalligraphen, was die Feder konnte und Schreibmeister entwickelten neue Schriften sowie Vorlagen für Drucktypen. Im 18. Jahrhundert erhöhte sich der Bedarf an Gänsefedern enorm, weil nun breite Bevölkerungsschichten nun schreiben konnten. Gänsefedern in guter Qualität waren deshalb ein gefragter Handelsgegenstand.

Meine Studie kontextualisiert literarische Feder-Texte mit historischen Anleitungen zum Spitzen der Federn, mit der Analyse von Hinweisen, wie die Feder zu führen oder wie die Hand zu positionieren sei. So zeigt sich, wie Schreibfedern als materielle Dinge die Körperhaltung oder den Schulunterricht prägten. In Redewendungen wie „mit spitzer Feder schreiben“ hat das Schreibobjekt Feder zudem ein Nachleben im bildlichen Sprechen. Diese Langlebigkeit und die Vereinigung der beiden Komponenten Materie und Metapher in der Feder werden in dieser Studie deutlich gemacht.

3. Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext des Forschungsprojekts 

Für Federn interessierten sich bisher vor allem Kalligraphen, ansonsten stellen sie eine Forschungslücke dar. Diesen Umstand ändert meine Studie, indem literaturwissenschaftliche Analysen angereichert werden und mit den Erkenntnissen aus ökonomischer, historischer oder pädagogischer Perspektive auf das Schreiben als eine Kulturtechnik. 

Direktlink auf Lay Summary Letzte Aktualisierung: 02.02.2017

Verantw. Gesuchsteller/in und weitere Gesuchstellende

Mitarbeitende

Verbundene Projekte

Nummer Titel Start Förderungsinstrument
158383 Feder lesen. Eine Literaturgeschichte des Gänsekiels von der Frühen Neuzeit bis ins 19. Jhd. 01.04.2015 Marie Heim-Voegtlin Beiträge

Abstract

Über tausend Jahre wurde in Europa vorwiegend mit dem Gänsekiel geschrieben. Während Bleistifte und Griffel mit Wachstafel für Entwürfe eingesetzt wurden, diente die Feder zur Ab- und Reinschrift, zur Unterschrift und Beglaubigung auf Papier und Pergament. Federn haben Spuren hinterlassen – sie sind über Jahrhunderte hinweg die materielle Bedingung des Schreibens gewesen. Doch wie und wann kam die Feder als Schreibwerkzeug auf? Woher stammen die Federn? Wie und wo wurden die Federn gehandelt? Welche Techniken des Zuspitzens gibt es in welchen Zeiten? Diesen Fragen geht das Habilitationsprojekt nach. Federn sind aber auch häufige Motive in literarischen Texten, ihnen kommt eine poetologische Reflexion zu, wenn es darum geht zu fragen, was überhaupt das literarische Schreiben ausmacht und was seine Bedingungen sind. Es stellen sich damit folgende Anschlussfragen: Wie kommen Federn in literarischen Texten vor? Wann wird von der Feder als Material und wann als Metapher gesprochen – und wie überschneiden sich die beiden Sprechweisen? Ich gehe von der These aus, dass die Feder im Verlauf der Jahrhunderte nicht immer dieselbe war: Sie wurde unterschiedlich geschnitten und in der Hand gehalten, dadurch schrieb sie in verschiedenen Schriften unterschiedlich. Damit muss das Schreibwerkzeug historisiert und kontextualisiert werden. In meiner Arbeit gehe ich von vier Schwellen- oder Umbruchszeiten aus, die meine Monographie gliedern werden: Erstens wird im 7. Jahrhundert die Feder erstmals erwähnt, zweitens findet entgegen intuitiven Annahmen um 1500 keine Verdrängung der Handschrift durch den Buchdruck, sondern gerade eine Sichtbarmachung in der Konkurrenz um die Ausgestaltung von Kalligraphie und Typen statt, drittens führt die Verwendung von Federn nach erfolgter Alphabetisierung um 1800 sowohl zu quantitativen wie auch qualitativen Höhepunkten und schließlich wird, viertens, im Übergang zur Stahlfeder (ab 1830 seriell produziert) im 19. Jahrhundert mit einem nostalgischen oder verächtlichen Blick auf den Gänsekiel zurück geschaut – die Feder erscheint gerade dort nochmals, wo sie angeblich schon nicht mehr präsent ist.