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Professionalisierungsprozesse angehender Primarlehrpersonen im Kontext berufspraktischer Studien - eine rekonstruktive Mehrebenen- und Längsschnittanalyse

English title Primary teacher students' processes of professionalization - a reconstructive multilevel and longitudinal analysis
Applicant Košinár Julia
Number 169766
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Institut Primarstufe / Infomatische Bildung FHNW
Institution of higher education Pädagogische Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz - PH-FHNW
Main discipline Educational science and Pedagogy
Start/End 01.06.2017 - 31.12.2020
Approved amount 425'393.00
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Keywords (8)

Professionalisierungprozesse ; Lehrerausbildung; Rekonstruktive Längsschnittanalyse; Dokumentarische Methode; Berufspraktische Studien; teacher education; documentary methode; professional development

Lay Summary (German)

Lead
Mit welchen Anforderungen werden Studierende während ihrer Berufspraktischen Studien konfrontiert? Welche Erfahrungen machen sie im neuen Partnerschulmodell und wie schätzen sie retrospektiv ihren Professionalisierungsprozess ein? Diesen Fragen geht das vorliegende Projekt mit Blick auf die subjektive Wahrnehmung Studierender, auf die Ausbildungskultur und die Erfahrungen der Ausbilder/innen an Partnerschulen nach.
Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts

Studierende der PH FHNW werden ab 2017 in neu konzipierten Studiengängen ausgebildet. Eine wesentliche Veränderung ist die Einführung des Partnerschuljahres im 2. Studienjahr. Es wird angenommen, dass die intensive Zusammenarbeit an Kooperationsschulen einen positiven Einfluss auf den Professionalisierungsprozess angehender Lehrpersonen hat. Inwiefern dies so ist, wird in einer Längsschnittuntersuchung aus der Sicht der Studierenden (Interviews) sowie aus Sicht der verschiedenen Ausbildergruppen (Gruppendiskussionen) untersucht.

Ausgehend davon, dass Professionalisierungsprozesse durch krisenhafte Erlebnisse angestossen werden, denen eine individuelle Lösungssuche folgt, wird herausgearbeitet, inwiefern sich die Deutung und Bearbeitung von Herausforderungen im Studienverlauf verändert und welche Rolle dabei die Ausbilder/innen spielen. Ein Vergleich mit Absolvierenden des bisherigen Studiengangs ist durch eine abgeschlossene Vorstudie möglich.

Es werden wichtige Erkenntnisse über die komplexen Zusammenhänge zwischen typisierten Orientierungen Studierender und den Ausbildungsbedingungen erwartet, die Hinweise auf Professionalisierungsprozesse fördernde und hemmende Faktoren geben. Auch wird mit dem Projekt das neue Partnerschulmodell evaluiert.

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Eine zentrale Herausforderung der Lehrerbildungsforschung liegt darin, die professionelle Entwicklung zukünftiger Lehrpersonen transparent zu machen um damit Hinweise auf eine „wirksame“ Lehrerbildung“ zu erhalten. Es zeigt sich, dass v.a. qualitative Fallstudien und Längsschnittuntersuchungen Aufschluss geben können, a) über Erfahrungen angehender Lehrpersonen, die tatsächlich Wirksamkeit auf der Handlungsebene zeigen und b) über Wechselwirkungen mit Kontextfaktoren (hier: Partnerschulkultur und ihre Ausbilder/innen).

Direct link to Lay Summary Last update: 16.05.2017

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Abstract

Das geplante Projekt nimmt die Studienstrukturreform der PH FHNW zum Anlass, Professionalisierungsverläufe angehender Primarlehrpersonen über ihre Studienzeit aus der Perspektive verschiedener an diesem Prozess beteiligter Akteure zu untersuchen. Den Fokus bilden die Berufspraktischen Studien, denen in einer einphasigen Lehrerbildung für die Entwicklung professioneller Handlungsfähigkeit eine besondere Bedeutung zukommt. Zudem bildet sich gerade dort ein Spannungsfeld - häufig differenter - Orientierungen bzgl. lehrberuflicher Professionalität und deren Entwicklung aus der Sicht von Praxislehrpersonen, Fachdidaktiker/innen und Erziehungswissenschaftler/innen und den Studierenden. Mit der Implementierung des Partnerschulmodells soll dieses Spannungsfeld über engere Kooperationen und Kontinuitäten transparent und produktiv nutzbar gemacht werden. Aber hierzu fehlt es noch an gesicherten Erkenntnissen. Hier setzt das Forschungsvorhaben an und folgt den (Haupt)Fragestellungen:1) Wie konstituieren sich Professionalität und Professionalisierung in den Praktikumserfahrungen von Primarschulstudierenden?2) Welche Rolle spielen die professionsbezogenen Orientierungen der an der Ausbildung beteiligten Personen für die Praktikumserfahrungen der Studierenden?Auf der Mikroebene wird der Entwicklungsverlauf Studierender in einem echten Längsschnitt begleitet innerhalb dessen drei narrative Interviews (n = 36) geführt werden. Mit der Dokumentarischen Methode wird eine Relationale Typenbildung vorgenommen und es wird herausgearbeitet, wie sich diese im Längsschnitt verändert. Zudem wird die Prozessstruktur an über die identifizierten relationalen Typen ausgewählten Einzelfällen nachgezeichnet. Auf der Mesoebene wird untersucht, welche Passungsverhältnisse sich aus dem Verhältnis der Konstruktionen von Professionalität und Professionalisierung aller Akteur/innen zueinander rekonstruieren lassen. Über 5 Gruppendiskussionen mit den an der Ausbildung beteiligten Berufsgruppen sollen übereinstimmende bzw. divergierende Komponenten ihrer Praxis und ihrer Konstruktionen erschlossen werden. So werden ihre jeweiligen Ausbildungsmilieus rekonstruierbar. Das Zusammenwirken der relationalen Typen von Studierenden und der Ausbildungsmilieus der Praxislehrpersonen im Partnerschuljahr bilden wir in einer Mehrebenenanalyse ab. Dem Projekt liegt ein berufsbiographischer Professionalisierungsansatz zugrunde, der seinen Schwerpunkt auf Veränderungen und Prozesse legt. Es orientiert sich an Deweys Theorie des Erfahrungslernens und an Oevermanns Krisenbegriff, wonach Irritationen und krisenhafte Erlebnisse den wesentlichen Ausgangsmoment für die Veränderung von Orientierung(srahmen) bilden.Es werden folgende forschungsmethodische und theoretische Fragestellungen verfolgt:3) Wie verändern sich typisierte Relationen unterschiedlicher Handlungsdimensionen im Längsschnitt? 4) Inwiefern lässt sich eine berufsbiographische Professionalisierungstheorie mit der praxeologischen Wissenssoziologie weiterentwickeln? Ein typenbasierter Vergleich zwischen der Orientierungen von Studierenden in der neuen Studienstruktur und der früheren ist durch das laufende Projekt „Anforderungen Studierender in den Berufspraktischen Studien und im Berufseinstieg“ (PH FHNW 2014-2017) gegeben, wodurch dem beantragten Projekt neben seinem innovativen forschungsmethodischen Charakter im Rahmen der rekonstruktiven Bildungsforschung auch eine hochschulstrategische Bedeutung zukommt.
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