Project

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Mythos Reform? Das Papsttum, die Kurie und Rom 1534 bis 1605

Applicant Reinhardt Volker
Number 169246
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Historische Wissenschaften Geschichte der Neuzeit Universität Freiburg
Institution of higher education University of Fribourg - FR
Main discipline General history (without pre-and early history)
Start/End 01.01.2017 - 31.12.2019
Approved amount 643'806.00
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Keywords (7)

Papsttum; Selbstdarstellung; Nepotismus; Cesare Baronio; Konzil von Trient; Katholische Reform; Italien

Lay Summary (German)

Lead
Das Projekt zielt auf eine umfassende, in zentralen Punkten aus bislang unerschlossenen Quellen zu erarbeitende Neubewertung der Katholischen Reform an deren Mittelpunkt Rom, dem Papsttum und der Kurie, zwischen den Pontifikaten Pauls III. (1534-1549) und Clemens' VIII. (1592-1605) ab.
Lay summary

Dem übergeordneten Ziel des Projekts, Realität und Mythos der Katholischen Reform von den Anfängen bis zu Krise, Abschwächung und Stillstand in Rom zu erforschen, dienen drei eng miteinander verzahnte Teil-Vorhaben. Zum einen sind die symbolischen, finanziellen und politisch-territorialen Dimensionen des päpstlichen Nepotismus im Spannungsfeld von Reform-Impetus, neuen Wertvorstellungen und familiären Selbstbehauptungs-Strategien auszuloten: Welche Kompromisse werden auf diesem zentralen Tätigkeitsfeld des Papsttums mit dem Beginn des Konzils von Trient unumgänglich, welchen Niederschlag finden sie in offiziellen Rechtfertigungen, wie verändert sich die Stellung der Papstverwandten im soziopolitischen System Rom? Das zweite Teilprojekt betrifft die päpstliche Selbstdarstellung, Imagebildung, Propaganda und Öffentlichkeits-Kommunikation im selben Zeitraum: Wie vollzieht sich die Distanzierung von einer ganz auf die Vorweisung von Machtfülle ausgerichteten Autorepräsentation hin zu einer visuellen Herrscher- und Systemrechtfertigung, die den Nutzen für die Christenheit sowie die Untertanen des Kirchenstaats und damit praktische Werkegerechtigkeit, gepaart mit Spiritualisierung, Distanzierung von den weltlichen Aspekten der Machtausübung und geistlicher Überwindung der heidnischen Antike in den Mittelpunkt rückt? Das dritte Teilprojekt ist dem herausragenden Protagonisten und Ideengeber der Reform, Kardinal Cesare Baronio, gewidmet, dessen historische Arbeiten von intensiver Beschäftigung mit Liturgie und Zeremoniell sowie Anregungen für eine neue Ikonologie begleitet werden. Diese umfassenden Aktivitäten für eine Erneuerung der Kirche sollen hier auf der Basis wichtigen neuen Quellenmaterials erstmals in ihrer Ganzheitlichkeit untersucht und erfasst werden.

Für die heutige Öffentlichkeit, die das Spannungsfeld von Tradition und Reform der katholischen Kirche intensiv diskutiert, ist diese Thematik von höchstem Interesse.

Direct link to Lay Summary Last update: 26.09.2016

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Abstract

Nach der „Gegenreformation“, als Konzept zur Erfassung einer komplexen historischen Entwicklung längst als untauglich erwiesen, ist auch das Konzil von Trient (1545-1563) als Wendepunkt und damit das alternative Modell der „Katholischen Reform“ im doppelten Wortsinn fragwürdig geworden: problematisch und hinterfragungsbedürftig zugleich. Zum einen zeichnet sich immer deutlicher ab, dass vieles, was unter „Trient“ firmiert, erst sehr viel später gedacht, geplant und verwirklicht wurde. Zum anderen ist die Durchsetzung der Konzilsbeschlüsse sogar in katholischen Kernländern ein langwieriger und keineswegs geradlinig zu Ende geführter Prozess, so wie die Reformbeschlüsse selbst in vieler Hinsicht Kompromisse darstellen und zudem früh durch die päpstliche Dispens-Praxis abgeschwächt wurden.Das alles bildet schon in der Zeit selbst den Gegenstand intensiver Diskussionen an der Kurie und in außerkurialen Reformkreisen. In diesen Zirkeln verdichtet sich in den letzten zwei Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts der Eindruck, dass der Erneuerungs-Impuls gebrochen und Stagnation, wenn nicht gar Rück-läufigkeit eingetreten ist: „Reform“ ist zwar in aller Munde und bildet auch den Tenor der offiziellen Ver-lautbarungen, doch sind die Weichen längst in Richtung einer Entwicklung gestellt, in der sich Elemente des überwunden geglaubten Renaissance-Papsttums mit Versatzstücken des Konzils zu einem problematischen Ganzen verbinden. Diesen unheilvollen Geist der Vergangenheit sahen Reformer wie Gabriele Paleotti, Cesare Baronio, Francesco Maria Tarugi und Roberto Bellarmin nicht nur in den sich häufenden Ausnahmen von der Residenzpflicht und von anderen Basisnormen des Konzils, sondern vor allem im päpstlichen Nepotismus und in der Selbstdarstellung des Papstes und seines engsten familiären Umfelds wiederauferstehen. Auf diese drei Themenfelder nimmt das vorliegende Projekt zentralen Bezug: auf das Spannungsverhältnis von Reform und Nepotismus, auf die Imagebildung durch Kunstwerke und auf die intellektuelle Dimension dieser Problematik, wie sie im Handeln und Denken des führenden römischen Historikers und Liturgie-Reformers der Zeit, Cesare Baronio, zum Ausdruck gebracht wird. Mit der Bündelung von nepotistischer Praxis, Propaganda und historisch-theologischer Reflexion darüber erfasst das Gesamtvorhaben die wesentlichen Entwicklungslinien der katholischen Kirche in dieser Zeit. In Rom, der Spiegel- und Me-dienstadt des Papsttums schlechthin, lassen sich Ausstrahlung und Grenzen der Reform, des Selbst- und Amtsverständnisses der Päpste wie in einem Brennpunkt erfassen, ausloten und ausmessen.
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