Projekt

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Bairisch-alemannischer Sprachkontakt. Das Spektrum der sprachlichen Variation in Samnaun

Titel Englisch Bavarian-Alemannic language contact. The range of linguistic variation in Samnaun
Gesuchsteller/in Oberholzer Susanne
Nummer 168374
Förderungsinstrument Early Postdoc.Mobility
Forschungseinrichtung
Fachbereich Germanistik Universität Salzburg
Instiut für Germanisik Universität Wien
Hochschule Institution ausserhalb der Schweiz - IACH
Hauptdisziplin Schwerpunkt Germanistik und Anglistik
Beginn/Ende 01.10.2016 - 31.10.2018
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Keywords (8)

Bavarian dialects; Language change; Standard German; Range of varieties; Variationist linguististics; Rhaeto-Romanic; Language contact; Alemannic dialects

Lay Summary (Deutsch)

Lead
Die in der Deutschschweiz gesprochenen Dialekte gehören zur alemannischen Dialektfamilie - mit einer Ausnahme: Der Dialekt der Gemeinde Samnaun im äussersten Nordosten von Graubünden wird als südbairisch-tirolisch beschrieben. Inwiefern dies tatsächlich noch der heutigen Sprachrealität entspricht bzw. welche Formen des Deutschen heute in Samnaun verwendet werden, ist Thema dieses Projekts.
Lay summary

Als die Samnauner Bevölkerung im Lauf des 19. Jh. ihre rätoromanische Sprache aufgab und zum Deutschen überging, übernahm sie den Dialekt ihrer östlichen Nachbarn im österreichischen Bundesland Tirol. Bis 1921 gab es keine ganzjährig begehbare Verbindung in die Schweiz; daher pflegten die Samnauner vor allem intensive Kontakte mit der Tiroler Bevölkerung. Mit der Eröffnung einer ganzjährig befahrbaren Strasse in die Schweiz änderten sich die Rahmenbedingungen: Der Kontakt mit Deutschschweizern – und somit auch mit alemannischen Dialekten – nahm zu. Im Projekt wird untersucht, wie sich die Sprachsituation in Samnaun angesichts dieser Veränderungen präsentiert. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie sich der Kontakt der bairischsprachigen Samnauner mit den alemannischsprachigen Deutschschweizern auswirkt und welche Palette an Sprachformen (Dialekt/e, Standardsprache, Zwischenformen zwischen Dialekt und Standarddeutsch) die Samnauner heute zur Verfügung haben. Die Antworten auf diese Fragen sollen mittels Neuerhebungen vor Ort gefunden werden.

Das Projekt ist Sprachkontakt-, Sprachwandel- und Sprachwechselphänomenen gewidmet. Es untersucht den Einfluss von nationalen Grenzen auf sprachliche Entwicklungen und die Auswirkungen von Kontakten zwischen sprachlicher Mehrheit und Minderheit. Ausserdem leistet es einen Beitrag zur Diskussion über die sprachlichen Folgen von (veränderter) Mobilität.
Direktlink auf Lay Summary Letzte Aktualisierung: 15.08.2016

Verantw. Gesuchsteller/in und weitere Gesuchstellende

Abstract

Im Projekt wird das Spektrum der sprachlichen Variation in der Bündner Gemeinde Samnaun untersucht und geprüft, ob die Charakterisierung Samnauns als einzige nicht-alemannischsprachige Gemeinde der Deutschschweiz rund 90 Jahre nach der letzten linguistischen Beschreibung (Gröger 1924) noch gerechtfertigt ist. Als die ursprünglich rätoromanische Gemeinde im äussersten Nordosten des Kantons Graubünden im 19. Jahrhundert germanisiert wurde, übernahm die Samnauner Bevölkerung den südbairischen Dialekt ihrer östlichen Nachbarn im österreichischen Bundesland Tirol. Der Grund dafür liegt in der geographischen Lage: Samnaun war bis anfangs 20. Jahrhundert nur von Tiroler Seite aus ganzjährig erreichbar.Neben der Beschreibung dieses bairischen Dialekts von 1924 liegen Sprachdaten aus Samnaun vor, die im Rahmen zweier österreichischer Sprachatlanten und eines österreichischen Dialektwörterbuchs erhoben wurden. Der Fokus bisheriger Forschung lag vor allem auf phonetisch-phonologischer und lexikalischer Ebene - jeweils bezogen auf den südbairischen Basisdialekt Samnauns. Untersuchungen zu morphologischen und syntaktischen Phänomenen sowie zum (aktuellen) Varietätenspektrum Samnauns fehlen bisher.Eine Analyse des Varietätenspektrums erscheint indes besonders lohnenswert, finden sich doch in Quellen Hinweise zu (mindestens) zwei zusätzlichen, bisher nicht weiter beschriebenen Varietäten in Samnaun: einerseits zu einer möglichen Zwischenvarietät auf der Dialekt-Standard-Achse (in einem Aufnahmeprotokoll des Wiener Phonogrammarchivs von 1958), andererseits zur Verwendung von Schweizerdeutsch als Varietät für den Umgang mit Ortsfremden (im Vorwort zum Vorarlberger Sprachatlas von 1985). Die Beschreibung dieser Varietäten und des Varietätenspektrums als Ganzem stellt daher ein Forschungsdesiderat dar.Ziel des Projektes ist es also, das aktuelle Spektrum der sprachlichen Variation der Samnauner Bevölkerung zu beschreiben und dabei die Frage zu beantworten, wie sich der Kontakt der ursprünglich bairischsprachigen Samnauner mit alemannischsprachigen Deutschschweizern auf die sprachlichen Verhältnisse der abgelegenen Berggemeinde auswirkt. Zu diesem Zweck werden mittels erprobter moderner variationslinguistischer Methoden (Übersetzungsaufgaben, Freundesgespräche, leitfadengesteuerte Interviews, Experimente mit Bild/Ton) aktuelle Sprachdaten bei drei Informantengruppen (zwei junge, eine ältere) in Samnaun erhoben. Das Projekt stellt somit eine linguistische Tiefenbohrung an einem äussert interessanten Ort des Varietäten- und Sprachkontakts dar. Es wird Aufschluss darüber geben, ob der Samnauner Dialekt nach wie vor als südbairisch beschrieben werden kann und wie sich das Aufeinandertreffen zweier Dialekte mit unterschiedlichem Varietätengefüge - Südbairisch mit einem Dialekt-Standard-Kontinuum und Alemannisch mit Diglossie - auf die daraus neu entstehende Varietätenstruktur auswirkt.
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