Project

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Stoffe der Trauer - Stoffe der Macht. Objekte der Repräsentation in der höfischen Funeralkultur der Frühen Neuzeit

Applicant Koller Ariane
Number 168026
Funding scheme Ambizione
Research institution Institut für Kunstgeschichte Universität Bern
Institution of higher education University of Berne - BE
Main discipline Visual arts and Art history
Start/End 01.02.2017 - 31.07.2020
Approved amount 497'783.00
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All Disciplines (4)

Discipline
Visual arts and Art history
General history (without pre-and early history)
Religious studies, Theology
Theatre and Cinema

Keywords (8)

Liminality; Funeral Culture; Performance; Material Culture; Ritual; Crisis; Art History; Representation

Lay Summary (German)

Lead
Objekte angewandter Kunst - insbesondere Textilien, Metallarbeiten, ephemere Ausstattungselemente sowie aus Holz und Wachs gefertigte Scheinkörper (sog. Effigies) - waren fundamentale Bestandteile des höfischen Trauerzeremoniells der Frühen Neuzeit und fungierten als bedeutende Medien der fürstlichen Repräsentation.
Lay summary

In der Vormoderne führte der Tod des Herrschers zu einem krisenhaften Moment politischer wie dynastischer Instabilität, der bis zur rechtmässigen Einsetzung des Thronfolgers andauerte. Dieser prekäre Zustand des Übergangs wurde nicht nur durch ein streng geregeltes Zeremoniell und liturgische Rituale bewältigt, sondern erforderte eine komplexe künstlerische Inszenierung. Diese umfasste zahlreiche Objekte angewandter Kunst, konkrete architektonische Räume, ganze Stadttopographien sowie die entsprechend gekleidete Trauergemeinschaft und sollte gleichermassen die unvergängliche Amtswürde des Verstorbenen wie die seines Nachfolgers auf allen Sinnesebenen erfahrbar machen.

Im Zentrum des Forschungsprojekts steht die Frage nach der konstitutiven Funktion und komplexen Bedeutung der während des Trauerzeremoniells verwendeten Objekte angewandter Kunst. Ziel ist es, die spezifisch ästhetische Dimension frühneuzeitlicher Herrschaftspraxis herauszuarbeiten und damit zu einer präziseren Vorstellung von fürstlichen Repräsentationskonzepten in der Frühen Neuzeit zu gelangen.

Das Projekt verbindet genuin kunsthistorische Fragestellungen und Methoden mit Positionen der aktuellen geisteswissenschaftlichen Debatte über Objekte als zentrale Agenten symbolischer Kommunikation. Es leistet damit am Beispiel der Trauerfeierlichkeiten frühneuzeitlicher Höfe in Europa einen Beitrag zur Erforschung der materiellen Kultur der Vormoderne im Kontext einer interdisziplinären Kulturgeschichte des Todes. 

Direct link to Lay Summary Last update: 17.08.2016

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Bildräume – Zeiträume. Repräsentationsformen des Wissens in Joan Blaeus Atlas maior
KollerAriane (2020), Bildräume – Zeiträume. Repräsentationsformen des Wissens in Joan Blaeus Atlas maior, Hirmer, München, 229-252.
Geographia Sacra. Religiöses Wissen und die Ästhetik der Kartographie in Abraham Ortelius’ Parergon
KollerAriane (2020), Geographia Sacra. Religiöses Wissen und die Ästhetik der Kartographie in Abraham Ortelius’ Parergon, Mohr Siebeck, Tübingen, 177-200.
Performativität und Materialität geteilter Macht. Die Delfter Pompa funebris für Wilhelm von Oranien (1533–1584) und die Memorialkultur der niederländischen Statthalter
KollerAriane (2020), Performativität und Materialität geteilter Macht. Die Delfter Pompa funebris für Wilhelm von Oranien (1533–1584) und die Memorialkultur der niederländischen Statthalter, Thorbecke, Ostfilder, 127-141.
Kunst en miniature. Niederländische Puppenhäuser der Frühen Neuzeit als Räume soziokultureller Reflexion
KollerAriane (2019), Kunst en miniature. Niederländische Puppenhäuser der Frühen Neuzeit als Räume soziokultureller Reflexion, Königshausen u. Neumann, Würzburg, 37-55.
Die letzte Feier der Monarchia universalis. Abdankung, Tod und Begräbnis Kaiser Karls V.
Koller Ariane (2018), Die letzte Feier der Monarchia universalis. Abdankung, Tod und Begräbnis Kaiser Karls V., in Giese Francine, Thome Markus, Pawlak Anna (ed.), DeGruyter, Berlin, 307-324.
Puppenhaus. Das Interieur en miniature als kultureller Denkraum in der Frühen Neuzeit
Koller Ariane (2018), Puppenhaus. Das Interieur en miniature als kultureller Denkraum in der Frühen Neuzeit, in Göttler Christine et.al. (ed.), DeGruyter, Berlin, 189-198.
Terra incognita. Das Unbekannte zwischen Imagination und Empirie
Koller Ariane (2018), Terra incognita. Das Unbekannte zwischen Imagination und Empirie, in Göttler Christine (ed.), De Gruyter, Berlin, 251-260.
Stahl - Farbe - Photographie. Die medialen Inszenierungen der "Mühlberg-Rüstung" Kaiser Karls V. und die Materialität der Macht
Koller Ariane, Pawlak Anna (2017), Stahl - Farbe - Photographie. Die medialen Inszenierungen der "Mühlberg-Rüstung" Kaiser Karls V. und die Materialität der Macht, in Mulsow Martin, Cremer Annette (ed.), Böhlau, Köln/Weimar/Wien, 93-112.
Herrschaft in Bewegung. Das Landschaftskleid Johann Georgs I. von Sachsen und die Performativität der Repräsentation
Koller Ariane, Herrschaft in Bewegung. Das Landschaftskleid Johann Georgs I. von Sachsen und die Performativität der Repräsentation, ?, München, 141-146.

Collaboration

Group / person Country
Types of collaboration
Centre International d'Études des Textiles Anciens, Lyon France (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Prof. Dr. Dirk Syndram Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Publication
Abegg-Stiftung, Riggisberg Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Research Infrastructure
Patrimonio Nacional, Madrid, María Barrigón Spain (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Institut für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft der Universität Mainz, Prof. Dr. Matthias Müller Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Publication
Kunsthistorisches Institut der Eberhard Karls Universität Tübingen, Prof. Dr. Anna Pawlak Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Publication
- Research Infrastructure
Seminar für Kunst und Kunstwissenschaft der TU Dortmund, Prof. Dr. Barbara Welzel Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Publication

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
(RE-)INVENTIO. Visuelle Strategien in Neuauflagen nordalpiner Druckgraphiken der Frühen Neuzeit Talk given at a conference Re-Inventio Brasiliae und die Ökonomisierung des Wissens. Die Neuauflagen der Brasilia qua parte paret Belgis (1647) in Joan Blaeus Atlas maior von 1662 17.01.2020 Tübingen, Germany Koller Ariane;
Bodensee-Gespräche über Kunst Talk given at a conference Objektnetzwerke in der niederländischen Kultur des 17. Jahrhunderts 10.07.2019 Bodman, Germany Koller Ariane;
Zu den Dingen! 35. Deutscher Kunsthistorikertag Talk given at a conference Die Angewandten Künste in der kunsthistorischen Forschung 28.03.2019 Göttingen, Germany Koller Ariane;
Diskursfeld Angewandte Künste I: Werte und Bewertungen Talk given at a conference Ästhetik und Ökonomie des Eigenwerts. Objektnetzwerke in der niederländischen Kunst des 17. Jahrhunderts 09.11.2018 Dresden, Germany Koller Ariane;
Die Stadt im Schatten des Hofes? Bürgerlich-kommunale Repräsentation in Residenzstädten des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit Talk given at a conference Performativität und Materialität geteilter Macht. Die Delfter pompa funebris für Wilhelm von Oranien (1533–1584) und die Memorialkultur der niederländischen Statthalter 14.09.2017 Mainz, Germany Koller Ariane;
Bodensee-Gespräche über Kunst Talk given at a conference Eiserne Körper. Rüstungen als Medien höfischer Repräsentation in der Frühen Neuzeit 19.07.2017 Bodman-Ludwigshafen, Germany Koller Ariane;
34. Deutscher Kunsthistorikertag, Kunst lokal - Kunst global Talk given at a conference Kurzvortrag im Rahmen der Podiumsdiskussion des Fachforums "Angewandte Künste – Schatzkunst, Interieur und Materielle Kultur" 08.03.2017 Dresden, Germany Koller Ariane;


Self-organised

Title Date Place
Diskursfeld Angewandte Künste II: Das Problem der Autorschaft 28.11.2019 Bern, Switzerland
Diskursfeld Angewandte Künste I: Werte und Bewertungen 08.11.2018 Dresden, Germany
Sektion "Eiserne Körper. Rüstungen als Medien höfischer Repräsentation in der Frühen Neuzeit", 2. Forum Kunst der Neuzeit 04.10.2018 Bonn, Germany

Communication with the public

Communication Title Media Place Year
Talks/events/exhibitions Die Kunst der Moderne Italian-speaking Switzerland Rhaeto-Romanic Switzerland Western Switzerland German-speaking Switzerland 2018
New media (web, blogs, podcasts, news feeds etc.) Johannes Vermeer van Delft VHS Deutschland International 2018

Abstract

Das Projekt analysiert die zeremonielle und rituelle Verwendung von Objekten angewandter Kunst innerhalb der höfischen Funeralkultur der Frühen Neuzeit und fragt im historischen Kontext nach den differenzierten medialen Strategien der materiellen Repräsentation fürstlicher Dignität. Entsprechend den politischen, theologischen und juristischen Modellen der Vormoderne führte der Tod des Fürsten stets zu einem krisenhaften Moment dynastischer Instabilität, einem Herrschaftsvakuum, welches bis zur rechtmässigen Einsetzung des Thronfolgers andauerte. Die Bewältigung dieses prekären Zustandes der Liminalität erforderte nicht nur ein streng geregeltes, zunehmend schriftlich fixiertes System festlicher, zeremonieller und ritueller Handlungen. Sie bedurfte vor allem, so die Leitthese des Projekts, einer retrospektiv wie prospektiv ausgerichteten künstlerischen Inszenierung, die jene symbolischen Akte mit zahlreichen Objekten angewandter Kunst, konkreten architektonischen Räumen und ganzen Stadttopographien sowie lebendigen Körpern als Würde- und Bildträger zu einer semantischen Einheit formte, welche die dignitas des verstorbenen Souveräns und seines legitimen Nachfolgers in allen Dimensionen ihrer optischen, haptischen und akustischen Erfahrbarkeit zum Ausdruck bringen sollte. Obwohl insbesondere Textilien, Metallarbeiten, Effigies und nicht zuletzt ephemere Ausstattungselemente als fundamentale Bestandteile der frühneuzeitlichen pompa funebris fungierten, ist die kunsthistorische Forschung ihrer konstitutiven Funktion und komplexen Bedeutung bisher kaum nachgegangen. Dabei belegt bereits die in zeitgenössischen Quellen nachweisbare, explizite Verwendung des Begriffes Repräsentation im Bezug auf konkrete Kunstwerke und performative Akte der Trauerfeierlichkeiten, dass der umfangreiche Einsatz der Objekte weniger einer eindimensional verstandenen Prachtentfaltung, als vielmehr der epistemischen Konfiguration einer temporären Herrschaftsmatrix diente, welche während des Übergangs die gesellschaftliche Ordnung gleichermassen widerspiegeln wie garantieren sollte. In diesem Zusammenhang sind vor allem jene historischen Ereignisse wie etwa die Ermordung eines Herrschers oder der Tod eines abgedankten/abgesetzten Souveräns von besonderer Relevanz, weil sie aufgrund ihres gesteigerten Krisenpotenzials die tradierten Genealogien medialisierter Macht zwangsläufig modifizieren respektive durchbrechen mussten. Um dieser historischen Dynamik im Umgang mit dem Sterben des Herrschers als signifikanten Problemfall der Repräsentation nachzugehen, schlägt die Untersuchung als Alternative zu den zahlreichen monographischen Studien zu einzelnen Dynastien und Begräbnissen sowie den wiederholt vorgelegten epochenübergreifenden Kulturgeschichten des Todes eine systematisch-vergleichende Analyse signifikanter Trauerfeierlichkeiten der europäischen Fürstenhäuser zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert vor. Das Projekt, das als Verschränkung einer grundlegenden Problemstellung mit detaillierten Fallstudien angelegt ist und die ikonographisch-ikonologischen Analysen der Kunstwerke mit neueren Fragestellungen zur Rezeptionsästhetik, Performativität/Performanz und symbolischen Kommunikation sowie mit Positionen der aktuellen Debatte über materielle Kultur verbindet, plädiert damit für einen interdisziplinären methodischen Zugang zu einem Forschungsthema, dessen Untersuchung dank einer kunsthistorischen Perspektivverschiebung an gegenwärtigen kulturwissenschaftlichen Diskursen partizipieren kann. Das Vorhaben setzt sich zum Ziel, nicht alleine das erkenntnisstiftende Potenzial der angewandten Künste im Rahmen zeremonieller und ritueller Trauerakte in der Frühen Neuzeit herauszuarbeiten, sondern zugleich den darin manifesten Strukturen und Konzepten fürstlicher Repräsentation nachzugehen, um zu einer kritischen Reflexion und terminologischen Präzisierung dieses für die Geisteswissenschaften zentralen Begriffes beizutragen.
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