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Grenzziehungen und Grenzverschiebungen im Sowjetstaat von 1918/22 bis 1936, Rückkehr

Applicant Rindlisbacher Stephan
Number 167718
Funding scheme Return CH Advanced Postdoc.Mobility
Research institution Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte und Neuere Allgemeine Geschichte Universität Basel
Institution of higher education University of Basel - BS
Main discipline General history (without pre-and early history)
Start/End 01.01.2019 - 31.05.2019
Approved amount 42'597.00
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Keywords (4)

Spatial History; Nationalitätenpolitik; Sowjetunion; Grenzregion

Lay Summary (German)

Lead
Die Frage der Grenzziehungen und Grenzverschiebungen in der Sowjetunion ist im Fall der Krim jüngst wieder zu einem international diskutierten Thema geworden. Auch im Südkaukasus sowie in Zentralasien geben die Grenzziehungen aus der Sowjetzeit bis heute Anlass für zwischenstaatliche Konflikte. Doch wie und unter welchen Voraussetzungen wurden die Grenzen zwischen den Unionsrepubliken gezogen? Dies sind die zentralen Fragen des Forschungsprojekts.
Lay summary

Ziele

Die Sowjetunion wurde Ende 1922 als Bundestaat gegründet, der formal gesehen grosse Ähnlichkeiten zur Schweiz aufwies. Allerdings war damals noch nicht klar, wie viele Glieder dieser Bundesstaat haben sollte und welche Rechte ihnen zukommen sollten. Anders als die meisten Kantone der Schweiz, die auf eine jahrhundertealte Tradition zurückschauen können, waren die meisten Republiken der Sowjetunion, etwa Weissrussland und die Ukraine, ohne direkte historische Vorbilder. Sie mussten als Territorien erst geschaffen werden. Ab 1936 war dann die föderale Grundstruktur der UdSSR etabliert, welche bis 1991 überdauern sollte.

Die Struktur des Unionsstaates wurde aber in den 1920er und frühen 1930er Jahren nicht von Moskau diktiert, sondern verschiedene Interessengruppen konnten sich an diesem Prozess beteiligen. Das Forschungsprojekt will klären, wer sich warum mit welchen Argumenten hat durchsetzen können. Diese bisher nur unzureichend behandelten Fragen sollen anhand von Fallbeispielen vergleichend untersucht werden.

 

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Nach dem Zerfall der UdSSR 1991 entbrannten im Südkaukasus, dann aber auch in Zentralasien sowie jüngst zwischen Russland und der Ukraine bewaffnete Konflikte um eine Revision der zur Sowjetzeit gezogenen Grenzen. Dabei wurde auch das Argument vorgebracht, dass diese sowjetischen Grenzziehungen willkürlich erfolgt seien. Das gesellschaftspolitische Ziel des Forschungsprojekts ist es, den Kompromisscharakter fast aller sowjetischen Grenzziehungen herauszuarbeiten sowie gleichzeitig das historische Verständnis für die aktuellen Territorialkonflikte in den betroffenen Grenzregionen zu verbessern.

Direct link to Lay Summary Last update: 15.09.2017

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Abstract

Die Frage der Grenzziehungen und Grenzverschiebungen in der Sowjetunion ist im Fall der Krim jüngst wieder zu einem international diskutierten Thema geworden. Auch im Südkaukasus sowie in Zentralasien geben die Grenzziehungen aus der Sowjetzeit bis heute Anlass für zwischenstaatliche Konflikte. Doch wie und unter welchen Voraussetzungen wurden die Grenzen zwischen den Unionsrepubliken gezogen? Welche Akteursgruppen waren an diesen Territorialisierungsprozessen beteiligt? Wer konnte mit welchen Argumenten mitreden? Diese bis heute nur unzureichend behandelten Fragen will ich anhand von repräsentativen Fallbeispielen aus dem Südwesten (Ukraine-Russland), dem Südkaukasus (Armenien-Aserbaidschan) sowie aus Zentralasien (Usbekistan-Kasachstan), das heisst den Grenzregionen des Sowjetstaates , vergleichend untersuchen. Die Arbeitsthese ist, dass diese Territorialsierungen komplexe Aushandlungsprozesse darstellten und die Sowjetmacht vor allem im Südkaukasus und in Zentralasien aufgrund der eigenen Schwäche darauf angewiesen war, mit lokalen Akteuren Kompromisse zu finden. Das Ziel der Forschung ist, das historische Verständnis für die aktuellen Territorialkonflikte in diesen Grenzregionen zu verbessern und am Beispiel der Territorialisierungsprozesse zur laufenden Debatte über die Herrschaftspraktiken im Sowjetstaat beizutragen.Das Ziel der Auslandaufenthalte ist, an den Partnerinstituten in Moskau (DHI) und Tiflis (Ilia-Universität) meine Netzwerke zu den dortigen Forschenden auszubauen und andererseits mit meinen Kompetenzen den jeweiligen Institutsbetrieb zu bereichern. In Moskau (GA RF, RGASPI, RGAE, CAFSBRF) bzw. Tiflis (ZANG) kann ich die zur Beantwortung der Forschungsfrage notwendigen Archive aufsuchen. Im Rahmen dieser Aufenthalte kann ich darüber hinaus Forschungsreisen in die relevanten Archive von Kiew (CDAVOU, CDAHOU) und Taschkent (CGARUz) unternehmen. Der Aufenthalt am interdisziplinär ausgerichteten Institut für Ost- und Südosteuropaforschung (IOS) in Regensburg wird einerseits dazu dienen, sich besser mit Forschenden aus den Bereichen Politologie, Sozialanthropologie und Soziologie zu vernetzen und andererseits meine Ergebnisse für die aktualitätsbezogene Forschung nutzbar machen. Die enge Kooperation mit Francine Hirsch an der University of Wisconsin-Madison eröffnet die Möglichkeit, die überarbeiteten Thesen mit einer der profiliertesten Kennerinnen im Bereich der Expertendiskurse in der frühen Sowjetunion zu reflektieren und einen besseren Zugang zur angelsächsischen Forschungslandschaft zu erhalten. Dadurch soll die internationale Sichtbarkeit meiner Forschung gestärkt werden. Das Rückkehrstipendium am Departement Geschichte in Basel bietet schliesslich die Gelegenheit, meine Forschungsthesen mit Frithjof Benjamin Schenk, einem der angesehensten Historiker zur Raumgeschichte und zur vergleichenden Imperiengeschichte, zu diskutieren, um dann das Produkt als Habilitationsschrift an der Universität Basel oder Bern einzureichen.
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