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Ein Imperium wird vermessen: Kartographie, Wissenschaftstransfer und Raumerschliessung im Zarenreich (1797-1919)

English title Mapping an Empire. Territorialization, Cartography and Scientific Transfer in Tsarist Russia (1797-1919)
Applicant Schenk Frithjof Benjamin
Number 159624
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Departement Geschichte Universität Basel
Institution of higher education University of Basel - BS
Main discipline General history (without pre-and early history)
Start/End 01.05.2015 - 30.11.2018
Approved amount 237'844.00
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Keywords (7)

Geschichte von Vermessung und Kartographie; Geschichte des 19. Jahrhunderts; Territorialisierung; Imperiengeschichte; Wissenschaftstransfer; Geschichte Russlands; Raumgeschichte

Lay Summary (German)

Lead
Gegenstand des Forschungsprojektes ist die Geschichte der topographischen Vermessung und kartographischen Erschliessung des Russländischen Reiches im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Die geodätische Erfassung des grössten Landes der Erde, an der zahlreiche staatliche und wissenschaftliche Institutionen mitwirkten, wird als Aspekt der Territorialisierung Russlands verstanden und hinsichtlich der Bedeutung von Wissenschaftstransfers aus dem westlichen Europa untersucht.
Lay summary

Wie alle anderen europäischen Staaten sah sich Russland seit dem späten 18. Jahrhundert mit der Aufgabe konfrontiert, geographischen Raum wissenschaftlich zu erfassen und das eigene Staatsgebiet als „Territorium“ zu erschliessen und zu kontrollieren. Welche Bedeutung dabei der Vermessung und Kartographie zukam, will das Forschungsprojekt untersuchen. Das Vorhaben versteht sich als Beitrag zur vergleichenden Imperiengeschichte, die sich seit kurzem verstärkt mit Formen imperialer Selbstbeschreibung und der Wahrnehmung und Repräsentation imperialer Räume befasst. Die topographische Karte als zeitgebundene Repräsentation von geographischem Raum wird dabei als eine besondere Form imperialer Selbstbeschreibung verstanden. Das Forschungsprojekt untersucht, welche Institutionen mit welchen Motiven an der Vermessung und kartographischen Erschliessung des Zarenreiches mitwirkten, welche Regionen als erstes in das Blickfeld der Vermesser gerieten, welcher „Sprache“ sich die Kartographen bei der Darstellung des vermessenen Raumes bedienten und welche Rolle dabei ausländischen Vorbildern zukam. Die Analyse zielt auf die Frage, ob es der Zarenregierung letztlich gelang, ein umfassendes, auf Vermessungsdaten basierendes Kartenbild des ganzen Reiches zu erstellen, bzw. welche Prozesse diesen Teilaspekt der Territorialisierung des Reiches behinderten. Insbesondere die Konkurrenz zwischen militärischen und zivilen Behörden erschwerte offenbar die koordinierte topographische Bestandsaufnahme, sodass die Generierung eines einheitlichen und zuverlässigen Kartenbildes des gesamten Russländischen Reiches erst ab 1919, nach dem Sturz des ancien régime,  realisiert werden konnte. Aus welchen Grunden dieses so wichtige Projekt der imperialen Raumerschliessung scheiterte, soll im Rahmen des Forschungsprojekts näher untersucht werden.

Direct link to Lay Summary Last update: 21.04.2015

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
The Map Specialcharte von Livland: Georg Friedrich Parrot’s Agenda or a New Perspective on Livland
Jeske Martin (2018), The Map Specialcharte von Livland: Georg Friedrich Parrot’s Agenda or a New Perspective on Livland, in Acta Baltica Historiae et Philosophiae Scientiarum, 6(2), 127-137.
Die „Ausführliche Karte des Russländischen Imperiums“ – ein Instrument europäischer Großmachtpolitik im beginnenden 19. Jahrhundert
Jeske Martin, Die „Ausführliche Karte des Russländischen Imperiums“ – ein Instrument europäischer Großmachtpolitik im beginnenden 19. Jahrhundert, in Heinz Markus (ed.), Kirschbaum, Bonn.

Collaboration

Group / person Country
Types of collaboration
Kartenabteilung der Staatsbibliothek Berlin Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Research Infrastructure
Universität Basel, Kompetenzzentrum Kulturelle Topographien Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Adam Mickiewicz Universität Poznan, Prof. Dr. Beata Medynska-Gulij Poland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Moskauer Staatliche Universität für Geodäsie und Kartographie (Dr. Tatjana Iljušina) Russia (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Ludwig Maximilians-Universität München, Prof. Dr. Martin Aust Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Exchange of personnel
Schweizerische Osteuropabibliothek Bern, Dr. Eva Maurer Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Research Infrastructure
Bundesamt für Landestopografie, Swisstopo, Dr. phil. Dipl.-Ing. Martin Rickenbacher Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Europa-Universität Viadrina, Frankfurt/O., Prof. em. Dr. Karl Schlögel Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Harvard-University, History Department, Prof. Kelly O'Neill United States of America (North America)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Publication
- Research Infrastructure
- Exchange of personnel
Basel Graduate School of History Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Publication
- Research Infrastructure

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
19. Kartographiehistorisches Colloquium Gotha Talk given at a conference Zur Verfügbarkeit und Geheimhaltung von topographischen Karten im Russland des langen 19. Jahrhunderts 11.10.2018 Gotha, Germany Jeske Martin;
AABS conference: The 100th Anniversary of Baltic Independence Talk given at a conference An enlightened picture of Livonia? About the cartographical dealing with the new order of socio-economic relations in Russia's north-western periphery 01.06.2018 Stanford, United States of America Jeske Martin;
Kolloquium zur Geschichte des 18. Und 19. Jahrhunderts im Deutschen Historischen Institut Moskau Individual talk Подробная карта Российской империи: освоение пространства в наполеоновскую эпоху" в рамках коллоквиума по истории XVIII-XIX вв., Германский исторический институт в Москве (russischsprachiger Vortrag: „Die ‘Ausführliche Karte des russländischen Imperiums`: 23.05.2017 Moskau, Russia Jeske Martin;
28th Baltic Conference on the History of Science "On the Border of the Russian Empire: German University of Tartu and its first Rector Georg Friedrich Parrot Talk given at a conference The map 'Specialcharte von Livland' – Scientific Transfer, Cartography and Territorialisation in 19th century Russia 19.05.2017 Tartu, Estonia Jeske Martin;
Kolloquium des Lehrstuhls für Osteuropäische Geschichte der Universität Basel Individual talk Projektpräsentation 26.10.2016 Basel, Switzerland Jeske Martin;
18. Kartographiehistorischen Colloquiums 2016 an der Universität Wien Talk given at a conference Die Ausführliche Karte des russländischen Imperiums: Raumerschließung in der napoleonischen Ära 16.09.2016 Wien, Austria Jeske Martin;
Schweizer Nachwuchsforum Bildforschung östliches Europa 2016 Talk given at a conference Historische Landkarten als Bildquellen. Erwartungen und Erfahrungen – ein Zwischenbericht 03.06.2016 Basel, Switzerland Jeske Martin;
Die Produktion von Räumen im östlichen Europa Talk given at a conference Fragmentierte Räume. Zur kartographischen Raumwahrnehmung im Zarenreich des 19. Jahrhunderts 13.05.2016 Bern, Switzerland Jeske Martin;
Gemeinsamer Studientag des Bereichs Osteuropäische Geschichte und des Slavischen Seminars an der Universität Basel Talk given at a conference Zwischenbericht zum SNF-Projekt: Ein Imperium wird vermessen: Kartographie, Wissenschaftstransfer und Raumerschliessung im Zarenreich (1797-1919) 29.04.2016 Basel, Switzerland Jeske Martin;
„Dialogo“ Stuttgarter Arbeitskreis für Wissenschafts- und Technikgeschichte an der Universität Stuttgart Individual talk Zur Specialcharte von Livland. Kartographie, Wissenschaftstransfer und Raumerschliessung im Zarenreich (1816-1839) 20.10.2015 Stuttgart, Germany Jeske Martin;
„Denkräume“ Kompetenzzentrum Kulturelle Topographien an der Universität Basel Individual talk Ein Imperium wird vermessen: Kartographie, Wissenschaftstransfer und Raumerschließung im Zarenreich (1797–1919) 15.10.2015 Basel, Switzerland Jeske Martin;


Self-organised

Title Date Place

Knowledge transfer events

Active participation

Title Type of contribution Date Place Persons involved
Besuch der Freiwilligen Akademischen Gesellschaft Basel (FAG) Poster 05.11.2016 Basel, Switzerland Jeske Martin;
Besuch der Freiwilligen Akademischen Gesellschaft Basel (FAG) Talk 05.11.2016 Basel, Switzerland Jeske Martin;


Communication with the public

Communication Title Media Place Year
New media (web, blogs, podcasts, news feeds etc.) Kartografie Russlands: Ein Imperium, gross wie der Mond Universität Basel/Aktuell/News International 2017

Abstract

Gegenstand des Forschungsprojektes ist die Geschichte der topographischen Vermessung und kartographischen Erschliessung des Russländischen Reiches im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Die geodätische Erfassung des grössten Landes der Erde, an der zahlreiche staatliche und wissenschaftliche Institutionen mitwirkten, wird als Aspekt der Territorialisierung Russlands verstanden und hinsichtlich der Bedeutung von Wissenschaftstransfers aus dem westlichen Europa untersucht. Wie alle anderen europäischen Staaten sah sich Russland seit dem späten 18. Jahrhundert mit der Aufgabe konfrontiert, geographischen Raum wissenschaftlich zu erfassen und das eigene Staatsgebiet als „Territorium“ zu erschliessen und zu kontrollieren. Welche Bedeutung dabei der Vermessung und Kartographie zukam, will das Forschungsprojekt untersuchen.Das Vorhaben versteht sich als Beitrag zur vergleichenden Imperiengeschichte, die sich seit kurzem verstärkt mit Formen imperialer Selbstbeschreibung und der Wahrnehmung und Repräsentation imperialer Räume befasst. Die topographische Karte als zeitgebundene Repräsentation von geographischem Raum wird dabei als eine besondere Form imperialer Selbstbeschreibung verstanden. Das Forschungsprojekt untersucht, welche Institutionen mit welchen Motiven an der Vermessung und kartographischen Erschliessung des Zarenreiches mitwirkten, welche Regionen als erstes in das Blickfeld der Vermesser gerieten, welcher „Sprache“ sich die Kartographen bei der Darstellung des vermessenen Raumes bedienten und welche Rolle dabei ausländischen Vorbildern zukam. Die Analyse zielt auf die Frage, ob es der Zarenregierung letztlich gelang, ein umfassendes, auf Vermessungsdaten basierendes Kartenbild des ganzen Reiches zu erstellen, bzw. welche Prozesse diesen Teilaspekt der Territorialisierung des Reiches behinderten. Insbesondere die Konkurrenz zwischen militärischen und zivilen Behörden erschwerte offenbar die koordinierte topographische Bestandsaufnahme, sodass die Generierung eines einheitlichen und zuverlässigen Kartenbildes des gesamten Russländischen Reiches erst ab 1919, nach dem Sturz des ancien régime, realisiert werden konnte. Aus welchen Gründen dieses so wichtige Projekt der imperialen Raumerschliessung scheiterte, soll im Rahmen des Forschungsprojekts näher untersucht werden. Die Studie erfolgt dabei in drei Schritten: Erstens werden die Aktivitäten und Zielsetzungen der an der Vermessung beteiligten staatlichen und wissenschaftlichen Institutionen und deren Kooperationsbemühungen bzw. Konkurrenzverhältnis vergleichend analysiert. Zweitens sollen Wege und Formen des Wissenschaftstransfers auf dem Gebiet der Geodäsie und der Kartographie aus einer biographischen und prosopographischen Perspektive rekonstruiert und in diesem Kontext nach Motiven für die Übernahme, Aneignung und Verbreitung westlicher Vermessungsmethoden und nach der Funktionsweise entsprechender wissenschaftlicher Netzwerke gefragt werden. Drittens werden ausgewählte Landkarten als Medien imperialer Selbstbeschreibung untersucht und nach ihrer Bedeutung für den Prozess der Territorialisierung im Russländischen Reich befragt.
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