Project

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Bücher und Identitäten. Literarische Reproduktionskulturen der Vormoderne

English title Books and Identities. Cultures of premodern textual reproduction
Applicant Lutz Eckart Conrad
Number 159539
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Seminar für Germanistische Mediävistik Universität Freiburg
Institution of higher education University of Fribourg - FR
Main discipline German and English languages and literature
Start/End 01.04.2015 - 30.06.2018
Approved amount 408'086.00
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Keywords (7)

Book and Manuscript Culture; Authorship; Material Philology; Cultural Identities; Transfer of Knowledge; Literary Reproduction; Scholarly Editing and Digitization

Lay Summary (German)

Lead
Vormoderne Bücher sind deutlich stärker als moderne Publikationen von den historisch-kulturellen Kontexten und der Identität der Personen geprägt, die an ihrer Produktion beteiligt sind. Zudem wirken sie auf die Identitätsbildung der Personen ein, für die sie produziert wurden.
Lay summary

Inhalt und Ziele des Forschungsprojekts

Bei der Untersuchung wird das Augenmerk auf den Produktionsprozess vormoderner Bücher in seiner Gesamtheit gerichtet. Die historischen Lebenssituationen, kulturellen Vorstellungen und literarischen Diskurse, an denen die Produzenten teilhaben, beeinflussen diesen Prozess in hohem Mass. Bei seiner Rezeption wirkt das Buch in seiner historisch einmaligen Gestalt wiederum auf seine Umgebung zurück und schafft Anschlussstellen für die individuelle, kollektive und institutionelle Identitätsbildung wechselnder Rezipienten.
Aufgrund der situativen Bedingtheit der vormodernen Buchproduktion sind moderne Konzepte von Autorschaft und Textherstellung für deren Analyse ungeeignet. In fünf Fallbeispielen, die eine breite historische Zeitspanne vom 14. bis zum Beginn des 17. Jh.s abdecken, werden daher neue Konzepte erprobt, die es erlauben, den Produktionsprozess vormoderner Bücher historisch angemessen zu beschreiben. In allen Fällen sind zugleich editorische Neuerschliessungen geplant.

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Die Materialitätsforschung der letzten Jahre hat den Blick vermehrt auf die Bedeutung des Buches als Objekt gelenkt. Durch gross angelegte Digitalisierungsprojekte sind zudem immer mehr mittelalterliche Handschriften und frühe Drucke einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Um diese Zeugnisse besser verstehen zu können, hat sich das Projekt die Erforschung der historischen und situativen Bedingungen der vormodernen Buchproduktion zum Ziel gesetzt.

Direct link to Lay Summary Last update: 31.03.2015

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Bücher und Identitäten. Literarische Reproduktionskulturen der Vormoderne. Überstorfer Colloquium 2016
Eichenberger Nicole, Lutz Eckart Conrad, Putzo Christine (ed.), Bücher und Identitäten. Literarische Reproduktionskulturen der Vormoderne. Überstorfer Colloquium 2016, Reichert, Wiesbaden.
Der Codex im Zentrum der Gemeinschaft. Untersuchung und Edition des ‚Briefbuchs‘ der Strassburger Johanniterkommende ‚Zum Grünen Wörth‘ (Strassburg, Archives départementales du Bas-Rhin, Cod. H. 2185)
LauperStephan, Der Codex im Zentrum der Gemeinschaft. Untersuchung und Edition des ‚Briefbuchs‘ der Strassburger Johanniterkommende ‚Zum Grünen Wörth‘ (Strassburg, Archives départementales du Bas-Rhin, Cod. H. 2185), Reichert, Wiesbaden.

Collaboration

Group / person Country
Types of collaboration
Stephen Mossman (Manchester) Great Britain and Northern Ireland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Publication
- Research Infrastructure
- Exchange of personnel
Stephan Müller (Universität Wien) Austria (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Publication
Annemieke Verboon Finland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Publication
SNF-ProDoc: Das unsichere Wissen der Literatur Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Research Infrastructure
Nigel F. Palmer (Oxford) Great Britain and Northern Ireland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Publication
Peter Schmidt (Universität Heidelberg) Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Publication
- Exchange of personnel
Bernd Bastert/Manfred Eikelmann (Universität Bochum, DFG-Projekt) Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Publication
- Exchange of personnel

Scientific events



Self-organised

Title Date Place
Internationaler Workshop „Text – Buch – Kontext“ unter Beteiligung der Partnerprojekte an den Universitäten Freiburg, Lausanne, Bochum und Wien, Freiburg/Schweiz 21.09.2015 Freiburg/Schweiz, Switzerland

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
166948 Colloquium "Bücher und Identitäten. Literarische Reproduktionskulturen der Vormoderne" 01.09.2016 Scientific Conferences

Abstract

Die Materialitätsforschung der letzten Jahrzehnte hat den Blick vermehrt auf die Bedeutung des Buches als Objekt gelenkt. Das Forschungsvorhaben schliesst hier an, setzt aber einen neuen Akzent durch die Erweiterung der Perspektive auf die Gesamtheit des historisch-situativ gefassten Reproduktionsprozesses, in dessen Zentrum das vormoderne Buch (Hs. und Frühdruck) als greifbarer Bündelungs- und Brechungspunkt steht. Bei der (Re-)Produktion eines Textes im Buchkörper verdichten sich historisch konkrete Gegebenheiten und Interessen, kulturelle Vorstellungen und literarische Diskurse, die den Produzenten räumlich-zeitlich begrenzt umgeben und beeinflussen; sie werden im Vorgang der Text- und Buchwerdung aufgenommen, gebrochen und im Hinblick auf die intendierte Rezeption transformiert. In diesem Prozess spielt die Identität des Produzenten eine zentrale Rolle.Hinsichtlich der Rezeption des so gestalteten Textes erlaubt die prozesshafte Perspektive die Differenzierung zweier Aspekte, die den Reproduktionsvorgang auf unterschiedliche Weise prägen. Einerseits beeinflussen die vom Autor erwartete und intendierte Rezeption seines Werks, sein Wissen oder seine Annahmen über die Erwartungshorizonte möglicher Rezipienten, bereits im Schaffensprozess die Faktur des Buches; andererseits wirkt das Buch im Sinne des klassischen Rezeptionsbegriffs in seiner so geschaffenen, situativ bedingten und zugleich historisch einmaligen materiellen Gestalt bei seiner Aufnahme durch die jeweiligen historischen Rezipienten wiederum auf seine Umgebung zurück. Diese medialen Prozesse können, müssen aber nicht der Intention des Produzenten entsprechen. So schafft das Buch durch den Produzenten bewusst inszenierte bzw. sekundär aktualisierte Anschlussstellen für die individuelle, kollektive und institutionelle Identitätsbildung wechselnder Rezipienten.Die so gefassten literarischen Reproduktionskulturen werden im Projekt anhand von fünf prägnanten Fallbeispielen über eine breite historische Zeitspanne vom 14. bis zum Beginn des 17. Jh.s analysiert. In allen Fällen sind zugleich editorische Neuerschliessungen geplant, die stets vom ganzen Buch, seiner Entstehung und seinem Gebrauch, nicht vom Einzeltext ausgehen.
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