Project

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Der Raum im Städtebau 1890-1930: Positionen in Theorie und Praxis

English title Space in Urban Planning 1890-1930: Theoretical and Practical Positions
Applicant Magnago Lampugnani Vittorio
Number 156717
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Institut für Geschichte & Theorie der Architektur (gta) / D-ARCH ETH Zürich
Institution of higher education ETH Zurich - ETHZ
Main discipline Architecture and Social urban science
Start/End 01.12.2014 - 30.09.2016
Approved amount 283'719.00
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Keywords (8)

space (Raum); history and theory of urban design; artistic urban design; town planning; history of ideas; physiological psychology; 19th and 20th century; Sitte, Camillo

Lay Summary (German)

Lead
Im europäischen Städtebau setzte zum Ende des 19. Jahrhunderts eine Suche nach historisch legitimierten, einfachen Kompositionsprinzipien ein, von der eine Reihe von Untersuchungen historischer Stadträume Zeugnis ablegt. Im sogenannten künstlerischen Städtebau wurde der Raum als zentrales Gestaltungsinstrument entdeckt.
Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts
Im Europa des 19. Jahrhunderts war der Raumbegriff unter den Einfluss der Wahrnehmungspsychologie und eines neuen Raumverständnisses in Kunst- und Architekturtheorie geraten, und in der Folge rückte der Raum auch in den Fokus der Städtebautheorie. Gegenstand des Forschungsprojekts ist die Analyse des städtebautheoretischen Raumdiskurses, der sich ausgehend von der Rezeption der Schrift des Stadtplaners und Theoretikers Camillo Sitte, «Der Städte-Bau nach seinen künstlerischen Grundsätzen» (1889), im deutschen Sprachraum während des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts entfaltete. Sittes Werk stellt eine grundlegende Initialschrift für den künstlerischen Städtebau dar, in welcher der Verfasser historische Plätze auf ihre räumlichen Qualitäten hin untersucht. Anhand exemplarischer Positionen – darunter jene von Karl Henrici und Theodor Fischer als früheste Vertreter der Sitte-Rezeption in der planerischen Praxis – analysiert das Forschungsprojekt den damals hochbrisanten und heute wieder aktuellen Raumdiskurs.

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext
Das Projekt untersucht den Raum im Städtebau in einer historischen Perspektive auf zwei Ebenen: auf einer textlichen Ebene durch die Analyse von Quellentexten, und auf einer bildlichen Ebene mithilfe der Analyse städtebaulicher Projekte. Es verfolgt einen ideengeschichtlichen Ansatz und bindet daher die Untersuchung des philosophischen und kunsttheoretischen Raumdiskurses ein, um deren Einflüsse auf die Städtebautheorie zu erhellen. Damit strebt es eine Klärung des städtebaulichen Raumbegriffs an, die eine Grundlage für einen angemessenen zeitgenössischen Umgang der Disziplin Städtebau mit dem Raum bildet.

Direct link to Lay Summary Last update: 01.10.2014

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Die Stadt als Raumentwurf. Theorien und Projekte im Städtebau seit dem Ende des 19. Jahrhunderts
Magnago Lampugnani Vittorio, Schützeichel Rainer (2018), Die Stadt als Raumentwurf. Theorien und Projekte im Städtebau seit dem Ende des 19. Jahrhunderts, Deutscher Kunstverlag, Berlin/München.

Collaboration

Group / person Country
Types of collaboration
Technische Hochschule München, Prof. Dr. Andres Lepik Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Research Infrastructure

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Abendvortrag Individual talk Una città italianissima. L'E42 tra disciplina urbanistica e ideologia 27.09.2016 Rom, Italy Magnago Lampugnani Vittorio;
Concepts in Transition: Modes and Effects of Change Talk given at a conference Space Between: Space as Design Object in late Nineteenth-Century Urban Planning 09.09.2015 Zürich, Switzerland Schützeichel Rainer;
Negotiating Change in Urban Spaces from the Middle Ages to the Present Talk given at a conference The Art of Shaping Space: The Debate between Artistic Urban Design and Urban Planning in the late Nineteenth Century 24.06.2015 Oxford, Great Britain and Northern Ireland Schützeichel Rainer;


Self-organised

Title Date Place

Communication with the public

Communication Title Media Place Year
Media relations: radio, television Die dritte Dimension der Stadt Deutschlandfunk International 2016
Talks/events/exhibitions Jahresausstellung des Departements Architektur der ETH Zürich German-speaking Switzerland 2016

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
177991 Die Stadt als Raumentwurf: Theorien und Projekte im Städtebau seit dem Ende des 19. Jahrhunderts 01.12.2017 Publication grants

Abstract

Im 19. Jahrhundert war der Raumbegriff unter den Einfluss von Erkenntnissen aus der physiologischen Psychologie und eines neuen Raumverständnisses in Kunst- und Architekturtheorie geraten. Unter diesen Einflüssen rückte der «Raum» auch in den Fokus der Städtebautheorie, wobei er vonseiten eines künstlerischen Städtebaus in Abgrenzung zu einer primär technisch verstandenen Stadtplanung als zentrales Gestaltungsinstrument entdeckt wurde. Gegenstand des geplanten Forschungsprojekts ist die Analyse des städtebautheoretischen Raumdiskurses, der sich ausgehend von der Rezeption von Camillo Sittes Studie «Der Städte-Bau nach seinen künstlerischen Grundsätzen» aus dem Jahr 1889 im deutschen Sprachraum während des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts entfaltete. Anhand exemplarischer Positionen soll eine vertiefte Analyse des damals hochbrisanten Raumdiskurses im Rahmen der Disziplin durchgeführt werden.Sittes Werk stellt eine Initialschrift für einen künstlerischen Städtebau dar, durch die der Fokus der Städtebautheorie auf den Raum vorbereitet wurde. Sitte hatte darin historische Plätze auf ihre räumlichen Qualitäten hin untersucht. Sein Hauptinteresse lag in der Bildwirkung städtischer Räume, so dass er primär von einem statischen Modell ausgegangen war. Sitte analysierte Gestaltungsprinzipien historischer Stadtanlagen, um daraus Handlungsanweisungen für den zeitgenössischen Städtebau zu generieren und mithilfe räumlicher Komposition eine künstlerische Alternative zu der von ihm kritisierten technischen Städteplanung bereitzustellen.Das vorliegende Forschungsprojekt untersucht den Raum im Städtebau mit einer historischen Perspektive auf zwei Ebenen: Erstens auf einer textlichen, städtebautheoretischen Ebene, und zweitens mithilfe einer Analyse von städtebaulichen Projekten auf einer bildlichen Ebene. So werden im vorliegenden Projekt exemplarische städtebautheoretische Positionen in dem in Fachzeitschriften und anderen relevanten Publikationen dokumentierten Raumdiskurs der Zeit von 1890 bis 1930 untersucht, welche auf Grundlage von Sittes Ansatz eine Differenzierung des Raumbegriffs für den Städtebau leisteten. Daneben werden ausgewählte städtebauliche Projekte auf die Darstellung des Raumes in den zeichnerischen Medien des Städtebaus hin analysiert. Die Auswahl der Projekte folgt der Massgabe, dass diese in Reaktion auf Sittes Theorie geplant wurden; eine definitive Auswahl soll im Laufe des Forschungsprojektes aus der vergleichenden Analyse relevanter städtebaulicher Arbeiten hervorgehen. Als ein erstes Beispiel ist der Wettbewerbsbeitrag zur Stadterweiterung für Dessau (1889) von Karl Henrici (1842-1927) zu analysieren, der unter dem unmittelbaren Einfluss von Sittes Städtebautheorie entstand. Henricis frühe Sitte-Rezeption ist sowohl in der städtebaulichen Praxis als auch in der Städtebautheorie von grosser Bedeutung, denn er legte Erläuterungen seiner Arbeit mit besonderem Fokus auf den Raum im Städtebau vor. Ein weiterer Planer, der seine städtebaulichen Projekte in der Auseinandersetzung mit Sittes Städtebautheorie ausarbeitete, war Theodor Fischer (1862-1938). Hier sind vor allem dessen Arbeiten im Rahmen seiner Tätigkeit als Leiter des Stadterweiterungsbüros in München (1893-1901) zu berücksichtigen, aus denen ein repräsentatives Projekt ausgewählt werden soll.Das Projekt soll einen substantiellen ideengeschichtlichen Beitrag zur Historiographie des Raumbegriffs in der Städtebautheorie leisten. Die Beschränkung des Projekts auf den deutschen Sprachraum bietet sich insofern an, als dass der kunst- und städtebautheoretische Raumdiskurs ausgehend von einem im späten 18. Jahrhundert einsetzenden philosophischen Diskurs dort seine breiteste Ausformulierung erfahren hatte. Der Untersuchungszeitraum der Zeit von 1890 bis 1930 umfasst disziplingeschichtlich den ersten Höhepunkt des architektonischen und städtebaulichen Raumdiskurses; insbesondere in den beiden ersten Jahrzenten des Untersuchungszeitraums diente der deutsche Städtebaudiskurs auch international als Vorbild für stadtplanerische Reformen.
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