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Die Publikationslisten antiker Klassiker: Vergil und die "Vergiliana"

English title The Publication List of Ancient Classics: Vergil and the "Vergiliana"
Applicant Zogg Fabian
Number 155051
Funding scheme Early Postdoc.Mobility
Research institution Department of Classics University of California, Berkeley
Institution of higher education Institution abroad - IACH
Main discipline Other languages and literature
Start/End 01.07.2015 - 30.06.2016
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Keywords (6)

Appendix Vergiliana; Classic; Intertextuality; Vergil; Poetology; Reception theory

Lay Summary (German)

Lead
In diesem Forschungsprojekt werden erstmals sämtliche Gedichte umfassend untersucht, die dem lateinischen Autor Vergil im Laufe der Überlieferung zugeschrieben wurden. Die vielseitige Erweiterung seiner Publikationsliste kann als Teil des Prozesses verstanden werden, der ihn zum Klassiker werden liess.
Lay summary

Ziele des Forschungsprojekts

Der lateinische Autor Vergil (70–19 v. Chr.) hat nach eigener Aussage die „Eklogen“, die „Georgica“ und das berühmte Gründungsepos Roms, die „Aeneis“, verfasst. Doch nach seinem Tod wuchs die Publikationsliste ständig weiter, immer mehr Werke wurden unter seinem Namen überliefert. In diesem Forschungsprojekt werden zum ersten Mal all diese „Vergiliana“ umfassend untersucht. Zunächst wird jedes Werk einzeln betrachtet: Was sagt der jeweilige Text über sich selbst aus? Gibt er eine Anweisung zum Verständnis seiner Wirkungsabsicht? Anschliessend wird nicht nur der literarische Dialog mit den drei echten Werken von Vergil beschrieben, sondern auch danach gefragt, welches Bild von Vergil in den einzelnen Werken gezeichnet wird. Zuletzt ist eine Einordnung in das generelle Phänomen geplant, dass einigen antiken Klassikern immer mehr Werke zugeschrieben wurden: Es gibt nicht nur eine Appendix zu Tibull oder Ovid, sondern auch Homer, dem ersten Klassiker des Abendlandes und Verfasser der Epen „Ilias“ und „Odyssee“, wurden Werke wie die „Batrachomyomachie“ zugeschrieben, ein parodistisches Kleinepos über einen Krieg zwischen Fröschen und Mäusen.

 

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext des Forschungsprojekts

Die Erweiterung von Vergils Oeuvre im Laufe der Überlieferung kann als Teil des Prozesses verstanden werden, der ihn zum Klassiker werden liess. Indem dieses wesentliche Charakteristikum eines antiken Klassikers erstmals umfassend analysiert wird, kann auch ein Beitrag zur in verschiedenen Disziplinen vieldiskutierten Frage geleistet werden, was einen Klassiker überhaupt zu einem Klassiker macht. Vergil eignet sich dafür ausgezeichnet: Denn immerhin hat ihn kein geringerer als T.S. Eliot für den einzigen „universal classic“ überhaupt gehalten.

Direct link to Lay Summary Last update: 01.07.2014

Responsible applicant and co-applicants

Publications

Publication
Die "Appendix Vergiliana" avant la lettre: Martial, Donat, Servius und der Murbach-Katalog zu Vergils angeblichen Jugendwerken
Zogg Fabian (2016), Die "Appendix Vergiliana" avant la lettre: Martial, Donat, Servius und der Murbach-Katalog zu Vergils angeblichen Jugendwerken, in Antike und Abendland, 62, 74-85.
Rezension von Servius: À l’école de Virgile. Commentaire à l’Énéide Livre 1, traduit, présenté et annoté par Alban Baudou et Séverine Clément-Tanrantino (Villeneuve d’Ascq 21015)
Zogg Fabian (2016), Rezension von Servius: À l’école de Virgile. Commentaire à l’Énéide Livre 1, traduit, présenté et annoté par Alban Baudou et Séverine Clément-Tanrantino (Villeneuve d’Ascq 21015), in Mittellateinisches Jahrbuch, 51, 168-169.
"ut Homerus, sic Vergilius": Zur Vergil-Zuschreibung der im 1. Jh. n. Chr. bezeugten Gedichte aus der "Appendix Vergiliana"
Zogg Fabian (2015), "ut Homerus, sic Vergilius": Zur Vergil-Zuschreibung der im 1. Jh. n. Chr. bezeugten Gedichte aus der "Appendix Vergiliana", in Museum Helveticum, 72(2), 207-219.

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Political Cultures, Erotic Cultures: Gendered Politics in Ancient Societies Talk given at a conference Response to Jacqueline Fabre-Serris, "Politics, religio and gender in Rome: Livy’s account of Bacchanalia and its different narrative strategies" 13.01.2016 Los Angeles, United States of America Zogg Fabian;
Joint Annual Meeting of the SCS and AIA Talk given at a conference "The Conflict between Spring and Winter": A Pseudo-Vergilian Bucolic Poem 08.01.2016 San Francisco, United States of America Zogg Fabian;
Lecture Individual talk "Appendix Vergiliana" avant la lettre: The "testimonia" about Vergil’s Alleged Early Poems Reconsidered 09.11.2015 Berkeley, United States of America Zogg Fabian;


Abstract

Der lateinische Autor Vergil (70-19 v. Chr.) hat nach eigener Aussage die „Eklogen“, die „Georgica“ und das berühmte Gründungsepos Roms, die „Aeneis“, verfasst. Doch nach seinem Tod wuchs die Publikationsliste ständig weiter: Zu den Werken, die Vergil im Laufe der Überlieferung zugeschrieben wurden, gehört unter anderem eine Sammlung verschiedenartiger Gedichte, die seit der Erstausgabe von Joseph Scaliger im Jahr 1573 unter dem Titel „Appendix Vergiliana“ geführt werden. Darüber hinaus sind heute so unterschiedliche „Vergiliana“ bezeugt wie sein angebliches Erstlingswerk (ein Spottgedicht über seinen diebischen Lehrer Ballista), eine Tragödie mit dem Titel „Thyestes“, ein Brief an den Kaiser Augustus und ein Epigramm für das eigene Grab in Neapel. Diese Erweiterung von Vergils Oeuvre kann als Teil des Prozesses verstanden werden, der ihn zum Klassiker werden liess.In meinem Forschungsprojekt werden zum ersten Mal sämtliche „Vergiliana“ umfassend untersucht. Zunächst wird jedes dieser Werke einzeln betrachtet und nach der impliziten Poetik befragt: Was sagt der jeweilige Text über sich selbst aus? Gibt er eine Anweisung zum Verständnis seiner Wirkungsabsicht? Anschliessend wird nicht nur der literarische Dialog mit den drei echten Werken von Vergil beschrieben (intertextuelle Fragestellung), sondern auch danach gefragt, welches Bild von Vergil in den einzelnen Werken gezeichnet wird (rezeptionstheoretische Fragestellung). Zuletzt ist eine Einordnung in das generelle Phänomen geplant, dass einigen antiken Klassikern immer mehr Werke zugeschrieben wurden: Es gibt nicht nur eine Appendix zu Tibull oder Ovid, sondern auch Homer, dem ersten Klassiker des Abendlandes und Verfasser der Epen „Ilias“ und „Odyssee“, wurden Werke wie die „Batrachomyomachie“ zugeschrieben, ein parodistisches Kleinepos über einen Krieg zwischen Fröschen und Mäusen. Indem in diesem Forschungsprojekt ein wesentliches Charakteristikum antiker Klassiker analysiert wird, kann auch ein Beitrag zur in verschiedenen Disziplinen vieldiskutierten Frage geleistet werden, was einen Klassiker überhaupt zu einem Klassiker macht.
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