Projekt

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Reenactment. Sondierungen zu einem theatralen Konzept

Gesuchsteller/in Badura Jens
Nummer 153366
Förderungsinstrument Projektförderung (Abt. I-III)
Forschungseinrichtung Institute for the Performing Arts and Film Departement Darstellende Künste und Film Zürcher Hochschule der Künste ZHdK
Hochschule Zürcher Fachhochschule - ZFH
Disziplinen Musik und Theater
Beginn/Ende 01.08.2014 - 31.07.2016
Bewilligter Betrag 228'810.00
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Keywords (6)

Politikwissenschaft, Geschichtswissenschaft, Performing Arts, Reenactment, Künstlerische Forschung, Ästhetik

Lay Summary (Deutsch)

Lead
Der Begriff Reenactment fand in den letzten ca. 80 Jahren in Politik und Populärkultur als didaktische und partizipatorische Form der Darstellung und kollektiven Aneignung von Geschichte starke Beachtung. In jüngster Zeit reagiert die bildende und die darstellende Kunst auf diese Phänomene, indem sie die Praxis des Reenactments einerseits künstlerisch nutzt, andererseits aber auch kritisch hinterfragt und modifiziert.
Lay summary

Inhalt und Ziel

In einem Reenactment werden historische Ereignisse methodisch recherchiert, szenisch aktualisiert und damit für ein zugleich emotionales und analytisches „Erleben“ zugänglich gemacht.

Das Forschungsprojekt „Reenactment. Sondierungen zu einem theatralen Konzept“ strebt in einem vergleichenden Verfahren eine kunstgeschichtliche Einordnung, methodische Systematisierung und Reflexion praktischer und theoretischer Aspekte des Formats „Reenactment“ an. Das Projekt diskutiert folgende Forschungsfelder:

1) Methodik der Rekonstruktion: Welches sind die recherchetechnischen Methoden des Reenactments?

2) Reenactment als theatrale Strategie der Aktualisierung: Welches sind die szenischen Methoden des Reenactments?

3) Wiederholung und Erinnerungspolitik: Re-Inszenierung als (kollektive) Konstruktion von Geschichte.

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Im Zentrum des Forschungsprojekts „Reenactment. Sondierungen zu einem theatralen Konzept“ steht der Versuch, das Missverhältnis zwischen intensiver (impliziter) Anwendung des Formats in Wissenschaft, Populärkultur und Kunst und (fast vollständig fehlender) expliziter Theoriebildung zu reflektieren und zugunsten Letzterer auszugleichen. Die These dabei ist: Praxis und Theorie des Reenactments müssen nicht kreiert werden, vielmehr müssen die einzelnen Aspekte einer solchen versammelt und die (wissenschafts- wie kunstgeschichtliche) Genese des Formats rekonstruiert, reflektiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Anders ausgedrückt: das Format des Reenactments hat zwar eine lange Geschichte, diese ist aber weder geschrieben noch theoretisch konzeptualisiert worden.

 

Direktlink auf Lay Summary Letzte Aktualisierung: 28.05.2014

Verantw. Gesuchsteller/in und weitere Gesuchstellende

Mitarbeitende

Publikationen

Publikation
Buchenwald, Bukavu, Bochum. Was ist globaler Realismus?
Milo Rau / Rolf Bossart (2015), Buchenwald, Bukavu, Bochum. Was ist globaler Realismus?, Theater der Zeit, Berlin.
Was ist zynischer Humanismus?
Milo Rau / Rolf Bossart (2016), Was ist zynischer Humanismus?, in Neue Rundschau, 127/1(0028-3347), 95-109.
Die Wirklichkeit vor das Tribunal der Kunst zerren
Milo Rau (2016), Die Wirklichkeit vor das Tribunal der Kunst zerren, in Dieter mersch et.al. (ed.), Seien wir realistisch, diaphanes, Zürich, 375-392.
Die Europa Trilogie
Milo Rau (2016), Die Europa Trilogie, Verbrecher, Berlin.

Wissenschaftliche Veranstaltungen

Aktiver Beitrag

Titel Art des Beitrags Datum Ort
Contemporaneities Vortrag im Rahmen einer Tagung 05.03.2016 Gent, Belgien
Jahrestagung der Dramaturgischen Gesellschaft mit Omer Krieger über Reenactments und Politisches Theater Vortrag im Rahmen einer Tagung 05.01.2016 Berlin, Deutschland


Selber organisiert

Titel Datum Ort
Gewaltdarstellungen in Theater und Film 23.05.2016 ZHdK, Schweiz
Realität, Kunst, Realismus 28.10.2015 ZHdK , Schweiz

Verbundene Projekte

Nummer Titel Start Förderungsinstrument
135120 Disembodied Voice (Stimme/Körper/Technik) 01.05.2011 Projektförderung (spezial)
136843 Die polykulturelle Schweiz am Beispiel der Schauspielausbildung 01.01.2012 Projektförderung (spezial)
138888 'Wirkungsmaschine' Schauspieler - Vom Menschendarsteller zum multifunktionalen Spielmacher 01.09.2011 Wissenschaftskommunikation

Abstract

In einem Reenactment werden historische Ereignisse methodisch recherchiert, szenisch aktualisiert und damit für ein zugleich analytisches und ko-präsentisches „Erleben“ zugänglich gemacht. Der Begriff Reenactment, in den dreissiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts vom britischen Historiker Robin G. Collingwood in die geisteswissenschaftliche Diskussion eingeführt, fand in der modernen politischen Praxis und der Populärkultur als didaktische und partizipatorische Form der Darstellung und kollektiven Aneignung von Geschichte starken Zulauf. In jüngster Zeit reagiert die bildende und die darstellende Kunst auf diese Phänomene, indem sie die Praxis des Reenactments einerseits künstlerisch nutzt, andererseits aber auch zunehmend kritisch hinterfragt. Das auf zwei Jahre geplante Forschungsprojekt „Reenactment. Sondierungen zu einem theatralen Konzept“ strebt an, aufbauend auf diesem Diskursstand eine kunstgeschichtliche Einordnung, methodische Systematisierung und Reflexion theaterpraktischer, interaktionistischer und theoretischer Aspekte des Formats „Reenactment“ anhand von Beispielen aus der bildenden und darstellenden Kunst, vorzunehmen. Die Zwischenresultate werden im Rahmen von zwei Forschungstagungen mit den assoziierten Experten und einem abschliessenden „szenischen Kongress“ im Hinblick auf folgende drei Forschungsfelder diskutiert: 1) Methodik der Rekonstruktion: Welches sind die recherchetechnischen Methoden des Reenactments? 2) Reenactment als theatrale Strategie der Aktualisierung: Welches sind die szenischen Methoden des Reenactments? 3) Wiederholung und Erinnerungspolitik: Re-Inszenierung als (kollektive) Konstruktion von Geschichte. Das Vorhaben geht vom Institute for the Performing Arts and Film (IPF) der ZHdK. Zwei vom IPF ausgerichtete Forschungstagungen und ein mehrtägig angelegter „szenischer Kongress“ (in Kooperation mit der Gessnerallee Zürich) diskutiert die Forschungsfragen mit Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Disziplinen. Das Vorhaben ist zudem in ein im Zuge der bisherigen Arbeit von Milo Rau und Rolf Bossart aufgebautes internationales Netzwerk von Kooperationspartnern mit unterschiedlichen wissenschaftlich-theoretischen und künstlerischen Ausrichtungen eingebunden. Die Resultate der zwei Tagungen und des abschliessenden „szenischen Kongresses“ werden in einer Publikation festgehalten und einem breiteren Publikum zugänglich gemacht.