Project

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Repräsentation von Krieg in der Kriegsfotografie. Untersuchung der fotografischen Berichterstattung über den Bosnienkrieg 1992-1995 in deutschen, österreichischen und schweizerischen Printmedien

English title Representation of War in War Photography. Photojournalism and the Bosnian War 1992-1995 in German, Austrian and Swiss Print Media
Applicant Schenk Frithjof Benjamin
Number 153232
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Departement Geschichte Universität Basel
Institution of higher education University of Basel - BS
Main discipline General history (without pre-and early history)
Start/End 01.02.2015 - 30.11.2018
Approved amount 215'541.00
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Keywords (12)

War photography; Visual representations; Photojournalism; Western Balkanism; Iconographic traditions; Visual History; Balkan wars; Western Europe; Mental Maps; 20th century; Print media; Bosnian War 1992-1995

Lay Summary (German)

Lead
Der Jugoslawienkrieg, der 1992 Bosnien-Hercegowina erfasste und mit der knapp vierjährigen Belagerung Sarajevos die Welt in seinen Bann zog, wurde insbesondere über Fotografien in die weltweite Öffentlichkeit getragen. Mit ihrem emotionalisierenden Potenzial rüttelten sie auf, kommentierten, klagten an. Sie folgten dabei klassischen Mustern der Kriegsfotografie und entwarfen gleichzeitig eine spezifische visuelle Kennung des Konflikts.
Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts

Das Projekt befasst sich mit der visuellen Repräsentation des Bosnienkriegs in deutschen, österreichischen und schweizerischen Printmedien in den Jahren 1992-1995. Auf Basis einer vergleichenden Analyse von Pressefotografien wird nach der visuellen Signatur dieses Krieges, nach Traditionen westlicher Balkanbilder und nach Spezifika der medialen Vermittlung des Konflikts gefragt.

Kriegsfotografie wird dabei als Bestandteil gesellschaftlicher Diskurse über den Krieg begriffen: Wie beeinflussten Berichte über den „Balkankrieg“ die fotografische Darstellung des Konflikts? Welche Akteure wirkten an der Entstehung der visuellen Repräsentationen des Bosnienkriegs mit? Wie beeinflusste die Kriegsfotografie die Debatten über die Verantwortung der europäischen Staatengemeinschaft auf dem Balkan? So die Leitfragen im Mittelpunkt des Forschungsprojekts.

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Mit der Kombination historischer und bildwissenschaftlicher Analysemethoden verspricht das Forschungsvorhaben einen Erkenntnisgewinn zur visuellen Darstellung militärischer Gewalt in der Gegenwart und zur Prägung kognitiver Karten Europas durch den fotografischen Blick des „Zentrums“ auf die „Peripherie“. Überdies lassen sich in diesem Zusammenhang Differenzen der Wahrnehmung Südosteuropas innerhalb Westeuropas aufdecken und historisch kontextualisieren.

 

Direct link to Lay Summary Last update: 08.10.2014

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Book Review on: Margit V. Wunsch Gaarmann: The War in Our Backyard: The Bosnia and Kosovo Wars through the Lens of the German Print Media. Berlin 2015
Freiermuth Samardzic Nadine (2015), Book Review on: Margit V. Wunsch Gaarmann: The War in Our Backyard: The Bosnia and Kosovo Wars through the Lens of the German Print Media. Berlin 2015, in Laboratorium, 2015(7), 206-209.

Collaboration

Group / person Country
Types of collaboration
Basel Graduate School of History Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Publication
- Research Infrastructure
- Industry/business/other use-inspired collaboration
SNF-Förderungsprofessur "Postosmanische Städte im Visier", Universität Basel, Prof. Dr. N. Miskovic Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
BASO (Basler Arbeitskreis für Geschichte Südosteuropas) Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Thomas Kern, Fotograf und Bildredakteur Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Research Infrastructure
- Industry/business/other use-inspired collaboration
Prof. Dr. Martina Baleva, Kulturelle Topografien Universität Basel Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Research Infrastructure
Digital Humanities lab Universität Basel Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Research Infrastructure
NFS eikones - Bildkritik (Basel), Graduiertenkolleg "Das Bild als Artefakt" Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
BGSH Jahrestagung 2016 "Geschichte heute: Wissen, Akteure, Orte, Dinge" Talk given at a conference “Welcome to hell” – wie Pressefotos vom Krieg in Bosnien erzahlen 17.11.2016 Basel, Switzerland Schenk Frithjof Benjamin; Freiermuth Samardzic Nadine;
Schweizer Nachwuchsforum Bildforschung östliches Europa Talk given at a conference Ästhetische Kennung einer belagerten Stadt: Fotografien aus Sarajevo 02.10.2015 Basel, Switzerland Freiermuth Samardzic Nadine;
SIBA Annual Workshop 2015, Second Balkan Visual Meeting University of Basel Talk given at a conference Aesthetic identity of a city under siege - war photographs of Sarajevo 05.06.2015 Basel, Switzerland Freiermuth Samardzic Nadine;
Süd-West-Kolloquium Osteuropäische Geschichte Talk given at a conference Ästhetische Kennung einer belagerten Stadt: Fotografien aus Sarajevo 07.05.2015 Hölstein, Switzerland Freiermuth Samardzic Nadine;


Abstract

Das Forschungsprojekt befasst sich mit Formen der visuellen Repräsentation des Bosnienkriegs in deutschen, österreichischen und schweizerischen Printmedien in den Jahren 1992-1995. Auf der Basis einer vergleichenden Analyse von Pressefotografien wird nach der visuellen Signatur dieses Krieges im späten 20. Jahrhundert, nach Traditionen westlicher Balkanbilder und nach Spezifika der medialen Vermittlung des Konflikts in den drei Untersuchungsländern gefragt. Durch die Kombination historischer und bildwissenschaftlicher Analysemethoden verspricht das Forschungsvorhaben einen umfassenden Erkenntnisgewinn zur visuellen Darstellung militärischer Gewalt in der Gegenwart und zur Prägung kognitiver Karten Europas durch den fotografischen Blick des „Zentrums“ auf die „Peripherie“ des Kontinents.Bewaffnete Konflikte wurden schon immer in Bildern festgehalten - sei es in Gemälden, in der Fotografie oder im Film. Auch der Jugoslawienkrieg, der 1992 Bosnien-Hercegowina erfasste und mit der knapp vierjährigen Belagerung Sarajevos die Welt in seinen Bann zog, wurde über Bilder in die weltweite Öffentlichkeit getragen. Mit ihrem emotionalisierenden Potenzial sprechen Fotografien eine vermeintlich universale und unmissverständliche Sprache. Allerdings kann es keinem Bild je gelingen, den Krieg und seine Realität angemessen und objektiv wiederzugeben. Vielmehr ist Kriegsfotografie stets standortabhängig und Bestandteil gesellschaftlicher Diskurse über den Krieg: Sie ist von Vorstellungen geprägt und wirkt selbst auf solche zurück. Wie beeinflussten Berichte über den modernen „Balkan-Krieg“ die fotografische Darstellung des Konflikts? Welche Akteure und Mechanismen wirkten an der Entstehung der visuellen Repräsentation des Bosnienkriegs mit? Wie beeinflusste die Kriegsfotografie die gesellschaftlichen und politischen Debatten über die Verantwortung der europäischen Staatengemeinschaft auf dem Balkan? Diese Leitfragen stehen im Mittelpunkt des Forschungsprojekts. Die Untersuchung erfolgt dabei in drei Schritten:Nach einer systematischen Erfassung des Quellenmaterials soll erstens die Bildsprache der Fotografien einer historischen und ikonologischen Analyse unterzogen werden. Dabei interessiert vor allem, welche Motive und welche Aspekte des Krieges Eingang in die fotografische Darstellung fanden, welche visuellen Mittel dabei verwendet wurden und aus welchen Elementen sich das entsprechende „Bild“ des Bosnienkriegs formierte. In diesem Kontext wird auch der Entstehungs- und Verbreitungsprozess von Pressebildern rekonstruiert und nach beteiligten Akteuren (Fotograf_innen, Bildagenturen, Redakteur_innen) sowie deren Sichtweisen und Motiven gefragt. Zweitens wird der Blick auf die Geschichte westlicher Sehgewohnheiten des „Balkans“ gerichtet und die Darstellung des Bosnienkriegs der 1990er Jahre mit Elementen der westlichen Balkan-Ikonografie des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts verglichen. Auf diese Art sollen Traditionen und Brüche der westlichen Wahrnehmungsgeschichte der südöstlichen Peripherie des Kontinents (Balkanismus) identifiziert und analysiert werden. Auf einer dritten Ebene werden die Presseberichterstattung über den Bosnienkrieg und die visuelle Repräsentation des Konflikts in deutschen, österreichischen und schweizerischen Medien untereinander verglichen. Dabei soll nach Gemeinsamkeiten und Spezifika der Darstellung bzw. nach der Rolle unterschiedlicher historischer Bezüge des jeweiligen Landes zur Kriegsregion gefragt werden. In diesem Zusammenhang wird das vermeintlich einheitliche westliche „Balkan“-Bild einer kritischen Analyse unterzogen und Differenzen der Wahrnehmung Südosteuropas innerhalb Westeuropas aufgedeckt und historisch erklärt.
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